Süßes oder Saures

Corona-Krise: Darf man in dieser Situation Halloween feiern?

Grusel-Kürbisse sind kein Problem, aber Kinder sollten in diesem Jahr nicht an Halloween von Tür zu Tür ziehen, meint NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Grusel-Kürbisse sind kein Problem, aber Kinder sollten in diesem Jahr nicht an Halloween von Tür zu Tür ziehen, meint NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU).

Foto: Bernd Weissbrod / dpa

Düsseldorf  Kinder, die von Tür zu Tür ziehen; Ältere, die Gruselpartys feiern -- in diesem Jahr bitte nicht, sagt der NRW-Gesundheitsminister.

Weil inzwischen fast ganz NRW ein Corona-Risikogebiet ist, wächst die Sorge vor ausgelassenen Halloween-Partys und Gruppen von Kindern und Jugendlichen, die am 31. Oktober von Haustür zu Haustür ziehen. Das NRW-Gesundheitsministerium riet am Wochenende ausdrücklich von solchen Haustürbesuchen ab.

„Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt mittlerweile in nahezu allen Kreisen und kreisfreien Städten in Nordrhein-Westfalen über der Warnschwelle von 50. Das an Halloween übliche ‚von Haus zu Haus ziehen und um Leckereien bitten‘ ist aus meiner Sicht dieser Situation nicht angemessen. Auch aus Rücksicht auf die Mitmenschen ist die Einschränkung der Kontakte zurzeit das Gebot der Stunde“, sagte NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) dieser Redaktion. Nach Einschätzung dieses Ministeriums ist es „wenig verantwortungsvoll“, Menschen solche Halloween-Begegnungen an der Haustür „aufzudrängen“.

Grünen-Landesvorsitzende Neubaur gegen Klingelstreiche und Gruselbesuche

In Corona-Risikogebieten ist die Zahl der Personen, die sich in der Öffentlichkeit treffen dürfen, ohnehin auf fünf begrenzt, sonst auf zehn. Für das Gesundheitsministerium ist das mit Blick auf Halloween schon zu viel. Gerade für anfällige Bevölkerungsgruppen wie ältere Menschen sei es riskant, wenn man bei ihnen klingele und eine Tüte für Süßigkeiten entgegenstrecke.

In einer Zeit, in der die Nachverfolgung der Infektionsketten mancherorts außer Kontrolle gerate, „sind nicht zwingend nötige Kontakte massivst einzuschränken“, sagte die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur auf Nachfrage. „So schade es deshalb für Kinder und Jugendliche ist: Diese Einschränkungen sollten 2020 auch für Klingelstreiche und Gruselbesuche in der Nachbarschaft gelten“, so Neubaur weiter.

Warnungen auch in Bayern, Schleswig, Holstein, Hamburg und Rheinland-Pfalz

Halloween bereitet bundesweit Landesregierungen und Kommunen Sorgen. Bayerns Gesundheitsministerin Melanie Huml (CSU) rief dazu auf, diesmal auf Halloween-Bräuche ganz zu verzichten. „Ich bitte die Eltern, dieses Jahr bei ihren Kindern dafür zu werben, nicht von Tür zu Tür zu gehen und zudem von Motto-Zusammenkünften abzusehen – auch im reduzierten Umfang“, sagte Huml. Es sei jetzt wichtig, unnötige Kontakte zu minimieren und Infektionsketten zu unterbrechen. Eindringliche Bitten um Verzicht auf die Halloween-Bräche waren am Sonntag auch aus Schleswig-Holstein, Hamburg und Rheinland-Pfalz zu hören.

Nur vier Kreise in NRW lagen am Sonntag laut dem Robert-Koch-Institut und dem Landeszentrum Gesundheit unter der Warnschwelle von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in sieben Tagen: Euskirchen, Minden-Lübbecke, Paderborn und Soest.

Inzidenz-Rekord in Solingen

49 Kreise und kreisfreie Städte in NRW gelten mittlerweile als Corona-Risikogebiete. Den höchsten Inzidenzwert wies laut Robert-Koch-Institut und dem Landeszentrum Gesundheit die Stadt Solingen mit rund 200 Neuinfektionen auf 100.000 Einwohner in sieben Tagen aus. Dahinter lagen Duisburg mit 174,1 und der Kreis Düren mit 170,0. Für Nordrhein-Westfalens einwohnerstärkste Stadt Köln wurde ein Inzidenzwert von 152,5 gemeldet, Essen meldete rund 114, Dortmund 128, Düsseldorf und Hagen je 117 und die Stadt Recklinghausen 94.

SPD-Gesundheitsexperte Karl Lauterbach riet angesichts dieser Besorgnis erregenden Entwicklungen zum „Nachjustieren“ der Corona-Maßnahmen. Persönliche Kontakte müssten weiter beschränkt werden, um einen zweiten großen Lockdown zu vermeiden. Mehr Homeoffice und das Teilen von Schulklassen in Vormittags- und Nachmittagsunterricht seien ratsam, sagte der Kölner der „Bild am Sonntag“.

Die evangelische und die katholische Kirche in NRW verschärften am Wochenende ihre Corona-Regeln für Gottesdienstbesuche. So gilt im Bistum Aachen ab sofort eine Maskenpflicht für Gottesdienstbesucher, wenn der Inzidenzwert auf 35 steigt. Singen ist möglich, wenn der Mindestabstand eingehalten wird. Ab einer Inzidenz von 50 muss der Gemeindegesang reduziert werden.

Kirchen verschärfen ihre Regeln für Gottesdienste

Das Erzbistum Paderborn hat festgelegt: Ab einem Inzidenzwert von 50 muss die Zahl der Gottesdienstbesucher auf höchstens 50 Prozent der normalen Kapazität der jeweiligen Kirche begrenzt werden. Paderborn empfiehlt darüber hinaus den Gläubigen in den Kirchen nicht zu singen.

Die drei evangelischen Landeskirchen in NRW haben ebenfalls ihre Regeln angepasst. Ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 35 tragen die Gottesdienstbesucher eine Mund-Nase-Bedeckung auch am Sitzplatz. Ausgenommen davon sind Pfarrer, Lektoren, Musiker, Chor- und Solosänger. Ab einer Inzidenz von 50 dürfen höchstens 250 Personen einen Gottesdienst besuchen. Auf Gesang wird dann verzichtet.

Der Ruf nach einem Verzicht auf Halloween-Bräuche wird unterdessen in NRW immer lauter. Die Grünen-Landesvorsitzende Mona Neubaur riet zu einer Abwägung: „Kinder haben durch Corona bereits massive Einschränkungen hinnehmen müssen. Die Politik muss deshalb sehr genau abwägen, ob weitere Einschränkungen gerechtfertigt sind“, sagte sie dieser Redaktion. Angesichts der sich weiter zuspitzenden Pandemielage sollten Kinder und Jugendliche aber auf „Klingelstreiche und Gruselbesuche“ verzichten. „Gegen Corona-konforme Gruselparties mit sehr wenigen Klassenkameradinnen und -kameraden sollte gerade bei Grundschulkindern nichts einzuwenden zu sen“, so Neubaur. Jugendliche und Eltern hätten sich zum Glück in der Pandemie bislang größtenteils verantwortlich verhalten. (mit dpa)

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