Unterricht

Corona: GEW fordert „generelle Maskenpflicht“ in Schulen

Angesichts massiv steigender Infektionszahlen wird vor dem Schulstart nach den Herbstferien in NRW wieder über die Maskenpflicht auch im Unterricht diskutiert.

Angesichts massiv steigender Infektionszahlen wird vor dem Schulstart nach den Herbstferien in NRW wieder über die Maskenpflicht auch im Unterricht diskutiert.

Foto: Daniel Bockwoldt / dpa

Düsseldorf.  Vor dem Schulstart wächst die Sorge. Lehrer, Eltern und Schüler vermissten angesichts steigender Infektionszahlen ein Konzept vom Land NRW.

Wenige Tage vor dem Ende der Herbstferien blicken Lehrer, Schüler und Eltern dem Schulstart mit Bangen entgegen. Weil die Infektionszahlen in NRW flächendeckend steigen, geht die Angst vor erneuten Schulschließungen um. Gewerkschaften und Verbände behaupten, die Landesregierung habe kein tragfähiges Konzept für den Unterricht in dieser Pandemiezeit.

Der Philologen-Verband NRW fordert von der Regierung einen besseren Infektionsschutz: Es fehlten klare Regeln und effiziente Lösungen, kritisiert die Vertretung der Gymnasiallehrer in NRW. „Stattdessen sollen die Lehrkräfte regelmäßig die Klassenräume lüften. Das reicht nicht aus“, sagte Sabine Mistler, Vorsitzende des Philologen-Verbands, dieser Redaktion. Mit sinkenden Temperaturen sei es zudem eine wachsende Zumutung, die Fenster regelmäßig zu öffnen. Der Verband fordert vom Land NRW, den Einsatz mobiler Filteranlagen in den Klassen zu prüfen.

Schule mit Schal und Jacke? – „Das ist keine Lösung“

„Mit Schal und Jacke im Unterricht? Das ist keine Lösung“, sagt auch Anke Staar von der Landeselternkonferenz NRW. Das Schulministerium schlägt vor, die Schulräume alle 20 Minuten und nach jeder Unterrichtsstunde für mindestens fünf Minuten zu lüften. Die Landeselternkonferenz befürchtet, dass dann immer mehr Schüler Erkältungssymptome zeigen könnten, die denen einer Covid-19-Infektion ähneln.

Sowohl die Landeselternkonferenz als auch die Landeselternschaft der Gymnasien sind davon überzeugt, dass es durchaus möglich sei, Klassen zu verkleinern und Schüler in einem „Schichtbetrieb“ zu unterrichten. „Leider fehlt der Plan dazu. Seit Monaten passiert in der Landesregierung nichts in diese Richtung“, meint Dieter Cohnen von den Landeseltern der Gymnasien. Die Elternverbände nennen Bayern als Vorbild. Die dortige Staatsregierung habe einen leicht nachvollziehbaren „Drei-Stufen-Plan“ eingeführt, der bei hohen Infektionszahlen auch die Teilung der Klassen vorsehe.

Die Elternverbände hatten sogar einen Brandbrief an die Bundeskanzlerin geschickt.

GEW fordert: „Im Zweifel Maskenpflicht wieder einführen“

Die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft in NRW (GEW) warnt ebenfalls vor möglichen Schulschließungen und fordert eine „generelle Maskenpflicht“ an Schulen, solange es keine umfassenden Konzepte gebe. Der Philologen-Verband sieht es ähnlich. Im Zweifel sollte die Wiedereinführung der Maskenpflicht im Unterricht „kein Tabu sein“.

Das NRW-Schulministerium versicherte, dass „alle Maßnahmen und Instrumente ständig auf Wirksamkeit und Notwendigkeit geprüft“ würden. Maßstab für den Infektionsschutz in den Schulen sei die Coronabetreuungsverordnung des NRW-Gesundheitsministeriums, die je nach Entwicklung des Infektionsgeschehens fortlaufend aktualisiert werde.

Klare Regeln für Schulen in der Pandemie – in Bayern gibt es sie: Der „Drei-Stufen-Plan zum Unterrichtsbetrieb im Schuljahr 2021/21“ gibt vor, was Schulen beachten müssen, wenn die Infektionszahlen steigen. Warum, fragen sich Lehrer, Eltern und Schüler, gibt es so etwas nicht auch in NRW?

Schule und Corona: Bayerns „Drei-Stufen-Plan“

Im Freistaat Bayern orientiert sich der Unterrichtsbetrieb an der „7-Tage-Inzidenz“, also an der Zahl der Neuinfektionen der letzten sieben Tage pro 100.000 Einwohner in einem Landkreis oder in einer kreisfreien Stadt.

  • Liegt die Inzidenzzahl unter 35, ist ein „Regelbetrieb unter Hygieneauflagen“ vorgeschrieben.
  • Ein Inzidenzwert zwischen 35 und 50 führt zu einer Maskenpflicht im Unterricht an weiterführenden Schulen.
  • Wird der Grenzwert von 50 überschritten, verlangt Bayern neben der Maskenpflicht von seinen Schulen etwas, das in NRW bisher unmöglich erscheint: Die Teilung der Klassen und einen Unterricht im wöchentlichen oder täglichen Wechsel von Präsenz- und Distanzunterricht.

Solch einen Plan müssten die Schulen in NRW auch haben, finden die Landeselternkonferenz (LEK), die Landeselternschaft der Gymnasien sowie der Philologen-Verband in NRW. „Klassen verkleinern, Schichtmodelle einführen, das geht“, da ist sich Anke Staar von der LEK sicher.

Landesschülervertretung vermisst ausreichenden Gesundheitsschutz

Das NRW-Schulministerium erklärt zum Thema Drei-Stufen-Plan: „Auch die NRW-Landesregierung hat Maßnahmen für den Infektionsschutz beschlossen, die greifen, sobald die 7-Tages-Inzidenz der Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner in einem Kreis oder einer kreisfreien Stadt den Wert von 35 beziehungsweise 50 übersteigt. Das entspricht im Prinzip einer Ampel.“ Die Städte und Kommunen in NRW mit hohen Inzidenzwerten träfen in Zusammenarbeit mit Gesundheitsbehörden vor Ort und in Abstimmung mit dem Land besondere Vorkehrungen zum Infektionsschutz, „welche auch für Schulen gelten“.

Unterdessen steigt unter Lehrern, Eltern und Schülern die Nervosität, weil bald die Herbstferien enden und die Infektionszahlen in NRW deutlich steigen. Die Schüler in NRW sehen sich durch die bestehenden Maßnahmen nicht ausreichend vor Covid-19 geschützt: „Es scheint, als würde die Regierung gerade bis zu den nächsten Schulferien planen, anstatt sich um nachhaltige Entscheidungen zu bemühen“, so Timon Nikolaou, im Vorstand der Landesschülervertretung (LSV). Obwohl die Infektionszahlen ansteigen, soll Stoßlüften, das phasenweise Tragen von Masken und Abstand halten ausreichend sein. „Wirksamer Gesundheitsschutz sieht anders aus“, so die LSV. Zudem könnten in vielen sanierungsbedürftigen Schulgebäuden die Fenster gar nicht geöffnet werden.

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