Resistente Keime

Ärztekammer: Schluss mit Antibiotika in den Schweineställen

Antibiotika-Einsatz in der Schweinezucht: „Es kann nicht sein, dass sich immer mehr resistente Bakterienstämme bilden – und Antibiotika weiter millionenfach als Mastmittel eingesetzt werden“, sagt Dr. Hans-Albert Gehle.

Antibiotika-Einsatz in der Schweinezucht: „Es kann nicht sein, dass sich immer mehr resistente Bakterienstämme bilden – und Antibiotika weiter millionenfach als Mastmittel eingesetzt werden“, sagt Dr. Hans-Albert Gehle.

Foto: Jens Büttner / dpa

Münster/Düsseldorf.  Hans-Albert Gehle, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, warnt: Im Ruhrgebiet ist es besonders wichtig, über Antibiotika aufzuklären.

Weil Antibiotika bei der Behandlung von bakteriellen Infekten immer seltener zum Erfolg führen, fordert die Ärztekammer Westfalen-Lippe, den Einsatz der Arzneimittel bei der Fleischproduktion komplett abzuschaffen. „Wir werden das Problem der Antibiotika-Resistenzen nur durchbrechen, wenn wir die Verwendung in der Tiermast unterbinden“, sagte Hans-Albert Gehle, neuer Präsident der Ärztekammer, der WAZ.

In NRW werden zunehmend weniger Antibiotika verordnet – im ersten Halbjahr 2019 ist die Anzahl der Verordnungen im Vergleich zum Vorjahr um 14 Prozent auf 3,7 Millionen Verschreibungen gesunken. Allerdings zeigen Verordnungszahlen für die Krankenversicherten, dass NRW weiterhin rund zehn Prozent über Bundesdurchschnitt liegt.

Gehle: Ärzte müssen sich gegenüber Patienten durchsetzten

Das NRW-Gesundheitsministerium, Krankenkassen, Ärzte, Apotheken, Kliniken und der Landespatientenbeauftragte starten deshalb die einwöchige (10.-16. Februar) Aktionswoche „Rationale Antibiotikaversorgung“. „Antibiotika gehören zu den schärfsten Schwertern im Kampf gegen Infektionskrankheiten“, teilte Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann (CDU) mit. Nun drohe dieses Schwert stumpf zu werden - ein zurückhaltender Antibiotika-Einsatz sei dringend erforderlich.

Eine Aufklärung der Patienten hält Ärztekammer-Präsident Gehle mit Blick auf das Ruhrgebiet für besonders wichtig. Aufgrund der Ballung komme es hier nicht nur schneller zu Infekten, auch sei die Sorge um den eigenen Arbeitsplatz wegen der großen Armutsbedrohung stark ausgeprägt. „Wer Sorge um seinen Job hat, will sich nicht krankschreiben lassen – und fordert beim Hausarzt eher ein Antibiotikum.“ Hier müssten sich Ärzte gegenüber Patienten durchsetzen.

Mehr Fachwissen über Antibiotika nötig

Zugleich forderte Gehle von der Politik Unterstützung dabei, Fachpersonal mit Wissen auszustatten. Es sei wichtig, eine verstetigte Finanzierung von Antibiotika-Schulen voranzubringen. Noch mehr gefordert sei aber die Landwirtschaftspolitik. „Es kann nicht sein, dass sich immer mehr resistente Bakterienstämme bilden – und Antibiotika weiter millionenfach als Mastmittel eingesetzt werden.“ Die Reform des Arzneimittel-Gesetzes 2014 die den Einsatz in Tierställen reduzieren sollte, habe hier nicht genug gebracht.

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