Tödliches Unglück

Tödlicher Baupfusch: Polizei sichert Spuren auf der A3

An dieser Stelle ist am Freitag, 13. November, ein Betonteil von einer Lärmschutzwand auf einen auf der A3 fahrenden Pkw gestürzt. Die Autofahrerin (66) starb.

An dieser Stelle ist am Freitag, 13. November, ein Betonteil von einer Lärmschutzwand auf einen auf der A3 fahrenden Pkw gestürzt. Die Autofahrerin (66) starb.

Foto: Feuerwehr Köln / dpa

Düsseldorf.  Die Schallschutzwand auf der A3 sollte 2019 geprüft werden – das aber wurde verschoben. Was NRW-Verkehrsminister Wüst zum tödlichen Pfusch sagt.

NRW-Verkehrsminister Hendrik Wüst (CDU) will nach dem tödlichen Schallschutzwand-Baupfusch auf der A3 alle Prüfroutinen des Landes noch einmal systematisch durchleuchten lassen. „Wir werden alle offenen Fragen beantworten“, sagte Wüst am Mittwoch im Fachausschuss des Landtags.

An der A3 seien nach bisherigen Erkenntnissen absichtlich tonnenschwere Teile nicht korrekt mit behelfsmäßigen Winkel-Konstruktionen montiert worden: „Da hat was nicht gepasst und das ist dann passend gemacht worden“, sagte Wüst. SPD-Verkehrsexperte Carsten Löcker sprach von einer „Schweinerei“.

A3-Unglück: Verantwortliche Baufirmen sind inzwischen insolvent

Das Verkehrsministerium machte für die unkorrekte Ausführung zwei Firmen verantwortlich, die nicht mehr am Markt sind : „Die Stützwand wurde 2007 durch eine Firma aus Gelsenkirchen errichtet. Die Lärmschutzfertigteile wurden von einer anderen Firma errichtet. Beide Firmen sind inzwischen insolvent .“

Die eigentlich wieder 2019 vorgesehene Hauptprüfung des Bauwerks musste verschoben werden, weil der Landesbetrieb „Straßen NRW“ zu viele andere Prüfaufträge abzuarbeiten hatte. Die Verschiebung sei „aufgrund des Baujahres und der sehr guten Zustandsnoten der letzten Hauptprüfung von den zuständigen Fachleuten der Landesstraßenbauverwaltung als verträglich angesehen“ worden, so Wüst.

Wüst: Mangel auch bei Prüfung nicht zu entdecken

Der Minister machte deutlich, dass der Mangel wohl auch bei erneuter Prüfung nicht zu entdecken gewesen wäre: „Es gibt an Bauwerken Stellen, die man nur erreicht, wenn man sie zerstört.“ Wüst ließ offen, ob es bei der Bauabnahme 2007 zu Fehlern gekommen sei: „Die Bauaufsicht steht nicht ständig dahinter.“

Am Donnerstagmorgen hat der Abbau von sechs weiteren Platten begonnen, die ebenfalls fehlerhaft befestigt sind. Für die Arbeiten wurden drei Spuren in Fahrtrichtung Oberhausen gesperrt, zwei blieben frei. Ein Schwerlast-Kran war vor Ort, um die 5 Tonnen schweren Platten zu heben. Polizisten vor Ort machten Fotos der Befestigungen und tüteten Metallteile ein. Die Arbeiten sollen laut Straßen.NRW gegen 15 Uhr beendet sein.

Polizei sichert Spuren und sammelt Teile ein

Die Arbeit der Polizei vor Ort wollte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft nicht kommentieren. Die Ermittlungen zu dem Vorfall liefen weiter.

Am Freitag war eine 66-Jährige Kölnerin von einer herabstürzenden Betonplatte in ihrem Auto erschlagen worden. Polizei und Sachverständige ermitteln zurzeit die Verantwortlichen für den Baupfusch. Das tonnenschwere Teil hatte sich auf der A3 zwischen dem Kreuz Köln-Ost und der Anschlussstelle Köln-Dellbrück aus einer Lärmschutzwand gelöst und den vorbeifahrenden Wagen zerquetscht.

Fehlerhafte Konstruktion an weiteren Lärmschutzplatten an A3

„Nach derzeitigem Erkenntnisstand muss davon ausgegangen werden, dass es sich um einen mit Absicht herbeigeführten Mangel handelt“, hatte „Straßen NRW“ am Dienstagabend in überraschender Klarheit öffentlich gemacht. Untersuchungen legten nahe, dass an der Schallschutzwand bei der Konstruktion 2007 eine geschweißte, fehlerhafte Konstruktion gewählt wurde, „weil die regelkonforme Konstruktion aus Platzgründen nicht montiert werden konnte“.

Die gleiche fehlerhafte Konstruktion wurde an sechs weiteren Lärmschutzplatten dieses Autobahnabschnitts verbaut. Sie werden von diesem Donnerstag an abgebaut. Der Verkehr auf der A3 muss bis dahin auf den beiden äußeren Fahrspuren im Bereich der Unfallstelle gesperrt bleiben. Ob es an anderen NRW-Autobahnen ähnliche Fehler geben könnte und wo die schlampigen Firmen in den vergangenen Jahren noch zum Zuge kamen, lässt sich wegen einer fehlenden Schallschutzwand-Datenbank offenbar nur mühsam ermitteln.

Leserkommentare (14) Kommentar schreiben