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23.000 Straftaten an Schulen in NRW - Gewalt nimmt zu

Die Gewalt an Schulen nimmt laut Polizeiangaben zu.

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Die Gewalt an Schulen nimmt laut Polizeiangaben zu. Foto: dpa

Düsseldorf.  Gewalt an NRW-Schulen nimmt zu. Die Polizei verzeichnete 2017 dort fast 23000 Straftaten. Lehrer-Gewerkschaften fordern mehr Schulpsychologen.

Die Zahl der Straftaten an NRW-Schulen ist laut Landeskriminalamt im vergangenen Jahr um fast fünf Prozent gestiegen. Das waren gut 1000 Taten mehr als im Vorjahr. 22 900 Straftaten wurden demnach 2017 an den Schulen begangen - nach 21 800 im Vorjahr. Die Lehrerverbände schlagen deshalb Alarm. Der Zunahme von 4,9 Prozent steht eine leicht verbesserte Aufklärungsquote von 40,2 Prozent gegenüber.

Besonders die Gewaltdelikte nahmen zu, während die Fälle von Diebstahl zurückgingen. So nahm die Zahl der Körperverletzungen deutlich von 5600 auf 6200 zu. Die Zahl der Vergewaltigungen und sexuellen Nötigungen stieg im Vergleichszeitraum von 40 auf 55 Fälle. Bei den Hausfriedensbrüchen verzeichnet die Statistik einen Anstieg von 340 auf 440 Taten. 159 Verstöße gegen das Waffengesetz wurden 2017 gezählt, im Jahr davor waren es „nur“ 122.

"Gewalt gegenüber war lange ein Tabuthema"

Die großen Lehrergewerkschaften GEW und VBE betrachten die Entwicklung mit Sorge, zumal zuletzt auch Tötungsdelikte begangen wurden. Im Januar 2018 war in einer Lüner Gesamtschule ein 14-Jähriger von einem 15-Jährigen erstochen worden. Im Jahr 2017 forderte Gewalt an Schulen zwei Todesopfer.

„Gewalt an Schulen, auch gegenüber Lehrkräften, war lange ein Tabuthema“, sagte VBE-Landeschef Stefan Behlau dieser Zeitung. Die Zunahme der Straftaten mache deutlich, wie wichtig Vorbeugung sei. „Es ist überfällig, dass die Politik Schulen die nötige Unterstützung bietet. Wir brauchen flächendeckend Schulpsychologen, Sozialarbeiter und weiteres pädagogisches Unterstützungspersonal“, sagte Behlau.

Gewerkschaften fordern mehr Schulpsychologen

Der VBE hatte zuletzt mit einer Studie zu „Gewalt gegen Lehrer“ eine bundesweite Diskussion ausgelöst. Einer Forsa-Umfrage für die Gewerkschaft zufolge erwarten zwei Drittel der Lehrer in Deutschland mehr Schutz von ihren Dienstherren. 55 Prozent der im Jahr 2016 dazu befragten Lehrer sagten, dass es an ihrer Schule in den letzten fünf Jahren Fälle gab, in denen Lehrkräfte direkt beschimpft, bedroht, beleidigt, gemobbt oder belästigt wurden. Selbst von körperlicher Gewalt betroffen war ein Viertel der fast 2000 befragten Lehrer.

Auch die Landesvorsitzende der GEW, Dorothea Schäfer, ruft nach mehr Schulpsychologen. Die Lehrer benötigten für Gewaltprävention mehr Unterstützung. Insgesamt würden die Sitten an den Schulen rauer, Respektlosigkeiten nähmen zu. „Die Hemmschwelle sinkt“, warnte Schäfer. Sie erkennt einen fatalen Trend, über soziale Medien wie Facebook andere Menschen zu kritisieren und zu beleidigen. Es häuften sich im Internet auch die beleidigenden Kommentare mit Schulbezug. (mit dpa)

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