Bergbau

10.000 Menschen kommen zu Besuch bei „Danke Kumpel!“

102 Jahre alt ist der Männergesangverein „Concordia Lohberg“. Wie es weitergeht nach dem Ende des Bergbaus, das weiß man noch nicht.

102 Jahre alt ist der Männergesangverein „Concordia Lohberg“. Wie es weitergeht nach dem Ende des Bergbaus, das weiß man noch nicht.

Foto: Ralf Rottmann

.   An vier Bergbau-Standorten im Ruhrgebiet würdigt die RAG die Lebensleistung der Bergleute. Fahnen wehen, Tränen fallen.

Wenige Minuten vor dem ersten Auftritt macht Willi Bauer den Männern, die um ihn herumstehen, nochmal klar, was er gleich von ihnen erwartet: „Glückauf dem Bergmannsstand’, das singen wir als erstes“, sagt der Vorsitzende von „Concordia Lohberg“.

„Dann ,Auf Kohle gebor’n“, dann ,1000 Feuer’.“ Und das Steigerlied natürlich; selbstverständlich wird es an diesem Abend immer wieder an- und erklingen. Es sind dann die Momente, an denen manch einer vor der Bühne die Hand aufs Herz legt.

„Danke, Kumpel, für auf watt wir stolz sind“

Rund 10.000 Menschen sind am Wochenende zu den „Danke Kumpel!“-Festen gekommen. Die RAG hat die Feiern an fünf Standorten organisiert, um die Leistung der Männer über Generationen hinweg zu würdigen: auf Ibbenbüren in Ibbenbüren und auf Ost in Hamm, auf Zollverein in Essen, auf Prosper-Haniel in Bottrop und auf Lohberg, hier in Dinslaken.

Auf dem zentralen Platz des früheren Bergwerks steht eine Bühne, und links und rechts von ihr laufen gerade auf zwei großen Bildschirmen Grußbotschaften aus der Bevölkerung durch: „Ihr seid wahre Helden und unsterblich“, steht dann da, „Danke an alle für die geilste Zeit unseres Lebens“ oder „Danke, Kumpel, für auf watt wir stolz sind“. Viele Botschaften, sehr schnell.

Bergleute und Ehemalige, Angehörige und Nachbarn

1600 Menschen kommen hier zusammen, Familien, Nachbarn, Offizielle, Bergleute und Ehemalige. Dass man sich nach all den Jahren noch mal wiedersieht! Viel Schulterklopfen auf dem Platz, viel Abklatschen. „Ach nee, da ist der Thomas“ – „Glückauf, altes Haus“ – „Jetzt hab ich dich auch erkannt, der Michael, der Müller“ – „Merkt man sofort, elf Jahre“ – „Ich hab’ auch mit 50 erst aufgehört“ – „Mensch Willi!“ „Weisse noch“, „Kennsse noch“ . . .

650.000 Arbeiter waren sie mal im deutschen Steinkohle-Bergbau, doch heute sind sie nur noch wenige; so wenige, dass man immer wieder die gleichen trifft. Wenn das nicht Thomas Marr ist, Aufsichtshauer auf Prosper-Haniel, 51 Jahre alt. Am 30. November ist Schluss für ihn, „mit einem lachenden und einem weinenden Auge“, wie er sagt und viele andere auch an diesem Abend.

Nicht die Seilscheibe rotiert, sondern die Windräder

Das eine Auge von Marr lacht, denn „man hat’s geschafft“. Das andere weint, denn „irgendwo ist das schade, das alles wegbricht. Da ist nichts mehr.“ Er steht gerade so, dass hinter ihm der große grüne Förderturm in den blauen Himmel ragt, freilich ohne sein Lebenszeichen, ohne die rotierende Seilscheibe – doch noch weiter im Hintergrund rotieren die vier Windräder auf der Bergehalde.

In allen fünf Städten ist das Programm ähnlich. Gesprächsrunden. Ein langer Ausschnitt aus dem Film „Der lange Abschied vom Bergbau“. Musiker. Interviews. Und, da der Bergbau Show und Emotion schon immer sehr gut beherrscht hat: Fackelzug, offenes Feuer, wehende Fahnen, fallende Tränen. „Wir werden uns alle wohl ein Tränchen verdrücken“, hat Moderatorin Steffie Hain sich schon vorher gedacht. Und so kommt es jetzt auch. Lachendes Auge hat Ruh.

Federbüsche unterhalten sich mit Behelmten

Da stehen die Grubenwehrleute in ihrem Feuerorange neben Männern mit Geleucht, Federbüsche unterhalten sich mit Behelmten, dann natürlich mit den Schwatten von Concordia. Lohberger, aus der Nachbarschaft sind die Walsumer gekommen, die alten Osterfelder auch. Weisse noch, kennsse noch? „Den August hab’ ich nie mehr wiedergesehen“ – „Der Oppa hat 1908 angefangen und der Enkel darf zumachen“ – „Ein Lebensabschnitt von mir stirbt.“

Was bleibt? Der Standort Lohberg speziell wird Bestandteil der zentralen, ewigen Wasserhaltung. Wegen der Umbauarbeiten dafür ist ja auch die Seilscheibe gerade weg und kehrt dann wieder – das Lebenszeichen.

Fünf Standorte für Bergmann-Statuen

Und was bleibt sonst? „Die Halden“, sagt einer. „Die Kameradschaft, dieses Eins sein“, hofft ein anderer. Jedenfalls steht an allen fünf Standorten von „Danke Kumpel!“ jetzt die Statue und Silhouette eines Bergmanns, 3,50 Meter hoch, aus Stahl, zu schwer für die Bühne.

Auf den Statuen stehen weitere Grüße, „aus aller Welt“, wie es heißt, aber manche kommen auch direkt aus dem pochenden Herzen des Ruhrgebiets,: „Was wären wir ohne euch gewesen?“

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