UN-Weltklimakonferenz

Klimaschutz-Ranking: Deutschland klettert sechs Plätze hoch

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Gute Noten für die neuen Klimaziele - aber der Ausbau der erneuerbaren Energeien aus Wind und Sonne muss in Deutschland schneller gehen, sagen die Autoren des Klimaschutz-Index.

Gute Noten für die neuen Klimaziele - aber der Ausbau der erneuerbaren Energeien aus Wind und Sonne muss in Deutschland schneller gehen, sagen die Autoren des Klimaschutz-Index.

Foto: Patrick Pleul / dpa

Glasgow.  Im diesjährigen Klimaschutz-Index steht Deutschland so gut da wie seit acht Jahren nicht mehr. Doch in den Top Ten sind andere Länder.

Später Kohleausstieg, schleichend langsamer Ausbau von erneuerbaren Energien, kaum Fortschritt im Verkehrssektor: Der deutsche Ruf als Vorreiter beim Klimaschutz hatte in den letzten Jahren ziemlich gelitten. Zumindest ein bisschen wird er jetzt aufpoliert: Im diesjährigen Klimaschutzranking der Organisationen Germanwatch, des Climate Action Networks und des Thinktanks New Climate Institute liegt die Bundesrepublik auf Platz 13 von 64 Ländern. Es ist die beste Bewertung in der Rangliste seit 2013, und ein Aufstieg um sechs Plätze.

Mit dem Klimaschutz-Index, der am Dienstag auf der UN-Weltklimakonferenz in Glasgow präsentiert wurde, wollen die Organisationen abbilden, welche Nationen im Kampf gegen den Klimawandel auf einem vergleichsweise guten Weg sind – und welche noch nicht einmal an der Startlinie stehen.

Klimaschutz-Index: Die meisten afrikanischen Staaten werden nicht bewertet

Seit 2005 wird die Rangliste veröffentlicht, und seitdem bleiben auch die ersten drei Plätze frei – damit soll zum Ausdruck kommen, dass noch kein Land genug tut in Sachen Klimaschutz, um das 1,5-Grad-Ziel des Pariser Klimaabkommens zu erreichen. Auf den Plätzen vier bis sechs folgen Dänemark, Schweden und Norwegen. Gastgeber Großbritannien, Marokko, Chile und Indien bilden den Rest der Top Ten.

Der Index setzt sich zusammen aus vier Kategorien: Die rund 500 beteiligten Expertinnen und Experten bewerten die Treibhausgasemissionen der einzelnen Länder, ihre Fortschritte beim Ausbau Erneuerbarer Energien, den Energieverbrauch und die Klimapolitik, die die Nationen betreiben. Bewertet werden Länder, die Teil der OECD sind oder verantwortlich für mindestens ein Prozent der globalen Treibhausgas-Emissionen. Für die meisten Staaten Afrikas gibt es deshalb keine Bewertung. Nur Marokko, Algerien, Ägypten und Südafrika sind dabei.

Deutschlands bessere Bewertung hat vor allem zwei Gründe

Dass Deutschland im Vergleich zum letzten Index einen so großen Sprung nach vorn gemacht hat, liege vor allem an zwei Faktoren, sagt Thea Uhlich von Germanwatch. Zum einen ist da der Rückgang von Emissionen 2019 – und zum anderen die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts aus diesem Frühjahr. Das Gericht hatte entschieden, dass das bisherige Klimaschutzgesetz der Bundesregierung nicht ehrgeizig genug war und eine Nachbesserungen gefordert. Das neue Ziel, das bis 2030 65 Prozent weniger Emissionen als 1990 verlangt, sorgt mit für einen Aufstieg im Ranking.

„Wie sich der Wiederanstieg der Emissionen nach Corona auf die Bewertung im Index auswirken wird, ist schwer vorherzusehen“, sagt Uhlich. „Aber es ist eher unwahrscheinlich, dass Deutschland im nächsten Jahr sofort wieder abstürzt.“ Weil jüngsten verfügbaren Daten aus 2019 sind, sie die Entwicklungen der Pandemie im Bericht noch nicht erfasst. Corona hatte weltweit erst zu einem Einbruch der Treibhausgas-Emissionen geführt und dann zu einem fast ebenso großen Anstieg.

Gute Bewertung Deutschlands beim Klimaschutz kein Grund „die Füße hochzulegen“

Die relativ gute Bewertung Deutschlands, sagt Uhlich, dürfe jetzt „keine Entschuldigung für die neue Bundesregierung sein, die Füße hochzulegen“. Alle drei Ampel-Parteien hätten im Wahlkampf Klima zu einer Priorität erklärt. „Jetzt müssen sie in den Koalitionsverhandlungen zeigen, dass das ernstgemeint war und sie alles dafür tun wollen, die verbesserten Klimaziele Deutschlands auch umzusetzen.“

Handlungsbedarf gibt es unter anderem beim Ausbau erneuerbarer Energien, wo Deutschland auf Platz 28 von 63 steht. Bürokratische und rechtliche Hürden müssten aus dem Weg geräumt werden, um vor allem den Ausbau von Windkraft voranzutreiben, heißt es im Report. Außerdem plädiert das Autorenteam für einen schnelleren Kohleausstieg und die Abschaffung von Subventionen für fossile Brennstoffe.

Der Index zeige, „dass das Wettrennen zu Null Treibhausgasemissionen begonnen hat“, sagt Niklas Höhne vom New Climate Institute, einer der Autoren. Ob Deutschland da zur Spitzengruppe vorstoßen könne, müsse sich noch zeigen. Dänemark, Schweden, Norwegen, aber auch Großbritannien und Marokko würden in der Umsetzung von Klimaschutz vieles besser machen „als der Rest der Welt“.

Mehrere EU-Staaten finden sich am Ende der Tabelle

Als einziger Staatenbund ist auch die EU Teil des Rankings. Die Union ist auf Platz 22 von 64, sechs Plätze weiter unten im Vergleich zum letzten Report. Das liegt vor allem daran, dass einige EU-Staaten in der Einzelbewertung im tiefroten Teil am Ende der Tabelle landen: Slowenien, Tschechien, Polen und Ungarn liegen auf den Plätzen 50 bis 53, die Gesamtbeurteilung im Klimaschutz lautet für alle vier „sehr schwach“.

Auch einige G20-Staaten finden sich in dieser Kategorie wieder. Der Richtungswechsel in der Klimapolitik durch Präsident Joe Biden sorgt zwar dafür, dass die USA sechs Plätze gut machen, doch das Land liegt immer noch auf Platz 55 – einen Platz vor Russland, drei vor Australien. Saudi-Arabien liegt auf dem vorletzten Platz, noch schlechter bewertet ist insgesamt nur Kasachstan.

China rutscht im Klimaschutz-Index vier Plätze ab

China liegt auf Platz 37, vier Plätze schlechter als zuletzt. Die Volksrepublik bekommt gute Noten für klare Ziele in der Klimapolitik – China will bis 2060 CO2-neutral werden – aber eine schlechte Bewertung für den nach wie vor hohen Ausstoß an Emissionen. Auch in der Volksrepublik, kritisieren die Autoren, komme der Kohleausstieg zu spät, und der kurz vor der Konferenz in Glasgow vorgelegte nationale Aktionsplan reiche nicht aus, um 1,5 Grad Erwärmung nicht zu überschreiten.

Beim New Climate Institute und Germanwatch hofft man, dass die Veröffentlichung des Indexes in der zweiten Woche der Klimakonferenz doch noch dazu beitragen kann, dass der ein oder andere Staat die eigenen Ziele nach oben schraubt. „Wir sind in der Dekade der Umsetzung von Paris“, sagt Germanwatch-Klimaexpertin Thea Uhlich. Es seien gute Ziele auf dem Tisch für 2030 und 2050, jetzt gehe es um die Umsetzung. „Nur wenn wir es schaffen, die Emissionen bis 2030 zu halbieren, ist eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 Grad noch möglich.“

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