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Klimaschutz-Debatte: Wo bleibt die Hitze im Wahlkampf?

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Pläne gegen den Klimawandel - die Vorhaben der Parteien

Pläne gegen den Klimawandel - die Vorhaben der Parteien

Hitzerekorde, Flutkatastrophen, Waldbrände: Der Klimawandel wird immer präsenter. In den meisten Parteiprogrammen wird er deshalb ausführlich behandelt.

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Über Klimaschutz wurde nie so leidenschaftslos diskutiert wie in diesem Wahlkampf. Junge Aktivisten greifen nun zu drastischen Mitteln.

Jede Diät kann noch so angepriesen werden, ob Keto, Intervallfasten, Paleo oder Kalifornisch, am Ende hat noch immer nur eine Regel zum Erfolg geführt: FdH. Friss die Hälfte.

Gleiches gilt für den Klimaschutz. Die sechs großen Parteien, die bei der Bundestagswahl am 26. September gewählt werden wollen, haben zwar das Thema in ihre Programme geschrieben, aber ihre Methodik ist wie so häufig eher nach dem Prinzip „Viel hilft viel“ oder „Klotzen statt kleckern“.

Es ist die Strategie des Viel-drüber-Sprechens – statt unumwunden zu sagen, was wirklich nötig wäre, um , Hitze, fortschreitende globale Erderwärmung, eine Reduzierung der Atlantikströmung, ein Abschmelzen des ewigen Eises zu verhindern.

Bis auf die AfD, die den menschengemachten Klimawandel infrage stellt, versuchen die Parteien ihre Klimaschutz-Maßnahmen möglichst leicht verdaulich zu verpacken. Vor allem für die Industrie. Man verspricht „klimaneutrale“ und „klimaschonende Produktionsprozesse“ (SPD) oder „neuen Wohlstand – mit nachhaltigem Wachstum zum klimaneutralen Industrieland“ (CDU). Oder man will durch Innovationen und neue Technologie „Klimaschutz marktwirtschaftlich und wissenschaftlich sicher erreichen“ (FDP).

Sind Wachstum und Reduzierung mit einander vereinbar?

Aber auch die Linkspartei und die Grünen, die in ihren Programmen dem Thema am meisten Platz einräumen, versprechen „klimagerechten Wohlstand“ (Grüne). Schaut man sich dagegen die Wahlsendungen an, wird das Klima eher gestreift statt ernst genommen. Dabei ist es nicht wichtig, welche Gedichte welcher Kandidat auswendig kennt.

Denn wenn man den CO2-Ausstoß reduzieren will, muss man ihn reduzieren. Wer energiesparend leben will, muss erst einmal Energie einsparen, wer weniger konsumieren will, um die Umwelt und das Klima zu schonen, muss weniger einkaufen. Das ist die unangenehme Wahrheit beim Klimaschutz, die jeden Bürger angeht. Die aber auch gleichermaßen für die Industrie gilt. Die Frage ist also, sind Wachstum und Reduzierung miteinander vereinbar?

Das fängt bei der Kleidung von den großen Modeketten an, die in Ländern wie Bangladesch, Kambodscha, China oder Indien produziert wird. Damit das T-Shirt für fünf Euro bei uns im Laden liegt, hat es eine 20.000-Kilometer-Reise hinter sich und einen aus Klimasicht ex­trem übel riechenden, gigantischen ökologischen Fußabdruck hinterlassen.

Und es hört nicht beim Autokauf auf, jedes dritte neu gekaufte Auto in Deutschland ist ein geräumiger SUV. Viel Material für den einen Zweck, sich fortzubewegen. Ein Kleinwagen erfüllt diesen Zweck übrigens auch. Oder der Zug, der Bus oder das Mietauto.

Den Jugendlichen ist die Klimakrise näher als den streitenden Parteien

Was nötig wäre, um den menschengemachten Klimawandel zu stoppen, hat im August der Weltklimarat in seinem sechsten Sachstandsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) klargemacht. Wir müssen, wenn wir die globale Erderwärmung stoppen wollen, vor allem handeln.

Ein paar Jugendliche zeigen gerade, wie ernst es ihnen mit ihrer Klima-Zukunft ist. Sie wollen hungern und streiken, bis die drei Spitzenkandidaten mit ihnen gesprochen haben. Das ist sicher nicht die richtige Methode, aber sie verdeutlicht eine Diskrepanz.

Die jungen Leute spüren, dass die Klimakrise ihnen näher ist als den streitenden Parteien. Es ist daher kein Zufall, dass am 24. September, am letzten Freitag vor der Wahl, verschiedene Organisationen wie Fridays for Future zum weltweiten Streik fürs Klima aufgerufen haben. In so mancher Familie wird dann sicher noch einmal diskutiert, wo die Eltern am Sonntag ihr Kreuz machen sollen.

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