Bildung

Kita-Träger fühlen sich bei Stamps Reformen benachteiligt

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hat angekündigt, Kita-Träger finanziell zu entlasten. Wohlfahrtsverbände fühlen sich jedoch nicht berücksichtigt.

NRW-Familienminister Joachim Stamp (FDP) hat angekündigt, Kita-Träger finanziell zu entlasten. Wohlfahrtsverbände fühlen sich jedoch nicht berücksichtigt.

Foto: Monika Skolimowska

Essen.   Wohlfahrtsverbände sehen sich als Verlierer der geplanten Kita-Reformen in NRW: Städte würden entlastet, freie Träger hingegen nicht.

Freie Träger der Kindertagesstätten in NRW kritisieren, dass Landes-Familienminister Joachim Stamp (FDP) sie bei den jüngst angekündigten Kita-Reformen nicht eingebunden habe.

Christian Heine-Göttelmann, Vorsitzender der Freien Wohlfahrtspflege NRW, bezeichnete es als enttäuschend, dass Stamp ausschließlich mit den kommunalen Spitzenverbänden verhandelt habe. „Wir freien Träger betreiben drei Viertel der rund 10.000 Kitas im Land, damit sollten wir eine entscheidende Rolle bei Verhandlungen über Qualität und Finanzierung dieser Einrichtungen spielen“, sagte Heine-Göttelmann unserer Redaktion. „Wir haben uns vom Land mehr erhofft.“ Am Donnerstag sei ein nachträgliches Gespräch im Ministerium geplant.

1,3 Milliarden mehr sollen ab 2020 in die Kitas fließen

Vergangene Woche hatte NRW-Familienminister Stamp einen Pakt mit den Kommunalen Spitzenverbänden vorgestellt, nach dem ab Sommer 2020 jährlich rund 1,3 Milliarden Euro mehr in die Kitas fließen sollen. Neben einem zweiten gebührenfreien Kita-Jahr soll mehr Geld in weitere Betreuungsplätze, breiter aufgestellte Öffnungszeiten und die Ausbildung von Erziehern investiert werden.

Das Land will zudem die Kita-Träger entlasten. Verbände und kirchliche Organisationen hatten geklagt, dass die bisher vom Land gezahlte Pauschale pro Kind die tatsächlichen Betreuungskosten nicht decke.

Eigenanteil für Städte soll sinken

Heine-Göttelmann lobte am Montag, dass mit den zusätzlichen Mitteln diese Finanzierungslücke zwar ein Stück geschlossen sei. Scharf kritisierte er aber, dass freie Träger gegenüber städtischen erheblich benachteiligt würden. Das Land greife den Kommunen bei städtisch betriebenen Kitas unter die Arme, nicht aber den freien Trägern.

„NRW will 60 Millionen Euro investieren, damit die Städte ihren Eigenanteil senken können, während der Eigenanteil der freien Träger gleich bleibt.“ Derzeit liege der Eigenanteil der freien Träger bei zwölf Prozent, Städte zahlten derzeit noch knapp 19 Prozent.

Zweifel am zweiten beitragsfreien Kita-Jahr

Überraschend skeptisch blickt Heine-Göttelmann auf das zweite beitragsfreie Kita-Jahr, das NRW aus Bundesmitteln finanzieren will. „Wir halten es für falsch, wenn diese Gelder im Gießkannenprinzip an alle Eltern verteilt werden statt sozial Benachteiligte zu unterstützen.“

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