Journalisten-Tötung

Khashoggi: CIA hält saudischen Kronprinzen für Auftraggeber

US-Präsident Donald Trump (r) empfängt den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im Weißen Haus. Die CIA hält jenen für den Auftraggeber der Tötung Khashoggis.

US-Präsident Donald Trump (r) empfängt den saudischen Kronprinzen Mohammed bin Salman im Weißen Haus. Die CIA hält jenen für den Auftraggeber der Tötung Khashoggis.

Foto: --- / dpa

Washigton  Der saudische Kronprinz soll die Tötung von Khashoggi gefordert haben, glaubt die CIA. Das bringt nun auch Donald Trump unter Druck.

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Folgt man Mike Pence, dann müsste es für Saudi-Arabiens Kronprinz Mohammed bin Salman bald ungemütlich werden. Amerikas Vizepräsident kündigte mit Blick auf die jüngsten Enthüllungen von New York Times, Washington Post und Wall Street Journal an, dass die USA „entschlossen“ seien, „alle zur Rechenschaft zu ziehen“, die für den Mord an dem regime-kritischen US-Journalisten Jamal Khashoggi verantwortlich sind.

Nach Überzeugung der CIA muss die Regierung in Washington nicht mehr suchen, wo der wichtigste Hintermann sitzt. Der Auslandsgeheimdienst ist überzeugt, dass der hinterhältige Mord an Khashoggi im saudischen Konsultat in Istanbul nur auf einen Aufttraggeber zurückgehen kann: Kronprinz Mohammed bin Salman persönlich.

Dagegen hatte die Staatsanwaltschaft in Riad den Kronprinzen erst vor wenigen Tagen in Schutz genommen. Die Tötung Kashoggis sei das Werk unterer Ränge gewesen, hieß es.

Trump wartete ab – jetzt steht er unter Druck

Für US-Präsident Donald Trump wächst damit der Druck. Aus energiepolitischen (Öl) und geostrategischen Gründen (Bollwerk gegen Iran) hatte Trump bis zuletzt abwartend und passiv auf das seit Wochen im Fall Kashoggi unter dringendem Verdacht stehende Königshaus in Riad reagiert.

„Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit“, hieß es gestern aus Kreisen demokratischer Kongress-Abgeordneter, „Trump muss sich entscheiden, was wichtiger ist: Aufträge für die amerikanische Rüstungsindustrie oder die schonungslose Aufklärung einer offensichtlich staatlich angeordneten Hinrichtung.“ Deutschland stoppte Waffenlieferungen an Saudi-Arabien.

Trump wusste am Nachmittag noch nichts von den Vorwürfen

US-Präsident Donald Trump ist nach eigenen Angaben noch nicht vom Auslandsgeheimdienst CIA über dessen Einschätzung zur Ermordung des saudischen Journalisten Jamal Khashoggi unterrichtet worden. Trump sagte am Samstagmorgen (Ortszeit) vor seinem Abflug nach Kalifornien, er werde noch am selben Tag über die Erkenntnisse informiert werden.

Bislang sei ihm gesagt worden, dass der saudische Kronprinz Mohammed bin Salman keine Rolle bei der Tötung gespielt habe.

Botschafter sicherte Khashoggi offenbar zu, dass keine Gefahr drohe

Alle drei Zeitungen berufen sich auf hohe Regierungsbeamte in Washington und Geheimdienstler. Dabei spielt ein abgefangenes Telefonat zwischen bin Salman und seinem Bruder Khalid bin Salman eine entscheidende Rolle.

Danach soll der derzeitige saudische Botschafter in den USA Khashoggi persönlich zugesichert haben, dass ihm beim Besuch des Konsulats in Istanbul (er wollte dort Unterlagen für seine bevorstehende Heirat mit einer Türkin abholen) keine Gefahr drohe. Khalid bin Salman dementiert die Vorwürfe.

Erst erstickt, dann die Leicht zerstückelt

Wie bekannt, wurde Khashoggi dort am 2. Oktober bestialisch ermordet. Am gleichen Tag war ein 15-köpfiges Kommando, darunter enge Mitarbeiter des Kronprinzen, nach Istanbul eingeflogen worden; darunter Salah Muhammed A. Tubaigy, Chef-Forensiker des Innenministeriums in Riad.

Er soll, nachdem Khashoggi mit einer Plastiktüte erstickt wurde, die Leiche zerstückelt haben. Geheime Tonband-Aufnahmen türkischer Geheimdienste im saudischen Konsulat, die CIA-Chefin Haspel vorgespielt wurden, belegten den Tathergang laut US-Medien.

Bis heute ist nicht klar, wo die Überreste verscharrt sind.

Saudische Regierung machte widersprüchliche Angaben

Die saudische Regierung hatte über Wochen widersprüchliche Angaben über das Schicksal des für die Washington Post tätig gewesenen Königshaus-Kritikers gemacht und erst auf großen internationalen Druck den gewaltsamen Tod Khashoggis eingeräumt. Am Donnerstag forderte die saudische Generalstaatsanwalt die Todesstrafe für fünf an der Tat Beteiligte.

In US-Sicherheitskreisen heißt es, Kronprinz Salman versuche die „internationale Aufregung mit der Verurteilung von Baueropfern zu dämpfen“. Mit dem Fall vertraute Experten erinnerten gestern daran, dass Salman kurz nach dem Verschwinden Kashoggis gegenüber Trump in einem Telefonat davon gesprochen habe, dass der Journalist ein Mitglied der Muslimbruderschaft und ein „gefährlicher Islamist“ sei.

Eine Charakterisierung, die das Außenministerium in Washingtoner zurückweist. Dort sind Diplomaten in vertraulichen Gesprächen noch immer perplex „über die Chuzpe“ des Kronprinzen. Mohammed bin Salman hatte den Mord an Khashoggi als abscheuliche Tat bezeichnet: „Das Verbrechen ist für alle Saudi-Araber schmerzhaft.“

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