Homosexualität

Kampf gegen „Homo-Heiler“: Spahn hat Kommission einberufen

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Berlin  In Konversionstherapien sollen Homosexuelle „geheilt“ werden. Der Gesundheitsminister will das verbieten: „Es ist keine Krankheit.“

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Homosexualität als Krankheit, heilbar schlicht mit einer Therapie. Das klingt für aufgeklärte Menschen absurd, für andere aber nur logisch. Entsprechende Angebote gibt es auch in Deutschland. Das soll sich ändern.

Bundesgesundheitsminister Jens Spahn, selbst in einer gleichgeschlechtlichen Beziehung, hat diesen „Konversionstherapien“ nun den Kampf angesagt. Bereits im Februar kündigte er in einem Interview an, dass er diese Praktiken in Deutschland verbieten wolle. „Ich halte nichts von diesen Therapien, schon wegen meines eigenen Schwulseins“, gab er zu Protokoll. „Ich sage immer: Der liebe Gott wird sich was dabei gedacht haben.“

Spahn hat Fachkommission zur Homo-Konversionstherapie einberufen

Wie das Gesundheitsministerium am Mittwoch in Berlin mitteilte, hat Spahn eine Fachkommission berufen, die über die Gestaltung des Verbots beraten soll. “Homosexualität ist keine Krankheit und nicht therapiebedürftig.“

Die Kommission wird den Angaben zufolge von der Bundesstiftung Magnus-Hirschfeld begleitet, die sich für die Rechte Homosexueller einsetzt. Im Mai und Juni sollen Workshops mit Vertretern aus Politik und Wissenschaft sowie Teilnehmern der umstrittenen Therapien stattfinden. Ein Abschlussbericht wird nach Angaben des Ministeriums für den Herbst erwartet. Zur Mitarbeit eingeladen sind nach Angaben des Ministeriums insgesamt 49 Experten.

Verbot sei nicht einfach, aber erklärtes Ziel

Auch einige Bundesländer sind für ein Verbot von Konversionstherapien. Sie brachten am Freitag einen entsprechenden Entschließungsantrag in den Bundesrat ein. Demnach soll die Bundesregierung neben einem Verbot strafrechtliche Sanktionen und mögliche Schadenersatzansprüche der Betroffenen prüfen. Den Organisationen, die solche „Therapien“ anbieten, sollen zudem die öffentlichen Gelder gestrichen werden.

Diese Länder sind Teil der Initiative zum Verbot von Konversionstherapien:

• Berlin
• Brandenburg
• Bremen
• Hessen
• Rheinland-Pfalz
• Saarland
• Schleswig-Holstein

Das Verbot rechtlich zu regeln, sei nicht so einfach, sagte Spahn. Die Fachkommission solle dazu Lösungsansätze entwickeln. „Auf dieser Grundlage werden wir dann schnell entscheiden, wie und was wir in Deutschland umsetzen können“, sagte der Minister, der derzeit viele Baustellen hat, etwa die elektronische Patientenakte. Auch will er gern die Impfung aus der Apotheke. Das ist der Plan des Ministeriums.

Angebote selbst ernannter „Homo-Heiler“, die Schwule und Lesben mit ihren „Therapien“ zu Heterosexuellen machen wollen, sorgten in der Vergangenheit immer wieder für Diskussionen. Angaben über die Zahl dieser Konversionstherapien in Deutschland machte das Ministerium nicht. (ses/dpa)

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