SPD-Politiker

Horst Ehmke: „Willy, aufstehen, wir müssen regieren!“

Horst Ehmke (li.) Anfang der 70er-Jahre mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt.

Horst Ehmke (li.) Anfang der 70er-Jahre mit dem damaligen Bundeskanzler Willy Brandt.

Foto: imago stock&people / imago/Sven Simon

Berlin  Horst Ehmke ist tot. Dem langjährigen SPD-Politiker und Minister verdanken wir auch eine der schönsten Anekdoten der Bonner Republik.

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Horst Ehmke, der am Sonntag im Alter von 90 Jahren gestorben ist, war ein langjähriger Wegbegleiter Willy Brandts. Als Kanzleramtschef hielt Ehmke dem Regierungschef in den schwierigen Jahren von 1969 bis 1972 oft den Rücken frei.

Ehmke galt als begnadeter Strippenzieher, der es verstand, hinter den Kulissen Mehrheiten zu organisieren und für seinen Chef die Stimmung zu sondieren.

Legendär ist ein Zitat Ehmkes, von dem er selbst gern erzählte. Als Willy Brandt, dem nach Übernahme des Kanzleramts schon bald Zögerlichkeit und ein Hang zur Melancholie nachgesagt wurde, mal wieder kränklich zu Hause das Bett hütete, sei er zu Brandt gefahren, so Ehmke. wIn der Regierungszentrale sei es drunter und drüber gegangen.

„Ich ließ mir von (Brandts Ehefrau, d. Red.) Rut eine Flasche Rotwein und zwei Gläser geben und ging in sein Zimmer“, schrieb Ehmke einmal in einem Beitrag für den „Spiegel“. Und weiter: „Da er so tat, als ob er mich nicht wahrnähme, fuhr ich gleich schweres Geschütz auf: ,Willy, aufstehen, wir müssen regieren.’ Damit brachte ich ihn immerhin auf die Beine. Er sagte nichts. Im Hausmantel trank er mit mir schweigend Rotwein.“ (W.B.)

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