Nationalsozialismus

Holocaust-Gedenktag am 27. Januar: So wird er 2021 begangen

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Das Holocaust Mahnmal in Berlin, aufgenommen vor dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2021.

Das Holocaust Mahnmal in Berlin, aufgenommen vor dem internationalen Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust am 27. Januar 2021.

Foto: Michael Kappeler/dpa

Berlin  Digital, mit Torarolle und Hashtag: Dieses Jahr wird der Holocaust-Gedenktag anders begangen. Die wichtigsten Fragen und Antworten.

In diesem Jahr steht der Holocaust-Gedenktag unter dem Zeichen "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Wie der Gedenktag 2021 begangen wird, welche besondere Torarolle im Bundestag zu sehen ist und warum der Jüdische Weltkongress für einen Hashtag wirbt. Die wichtigsten Fragen und Antworten zum Holocaust-Gedenktag.

An was soll der Holocaust-Gedenktag erinnern?

Der Holocaust-Gedenktag erinnert an die Befreiung des Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945. Vor 76 Jahren wurde Auschwitz von sowjetischen Truppen befreit. Dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen von den Nationalsozialisten ermordet worden.

Seit wann gibt es den Holocaust-Gedenktag?

Der Holocaust-Gedenktag wurde 1996 vom damaligen Bundespräsidenten Roman Herzog eingeführt. Am 27. Januar 2021 wird zum 25. Mal in einer Gedenkstunde im Bundestag der Opfer des Nationalsozialismus gedacht.

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Wird der Holocaust-Gedenktag nur in Deutschland begangen?

Nein. Weltweit wird seit 2006 am 27. Januar, dem internationalen Holocaust-Gedenktag, mit Gedenkveranstaltungen, Ausstellungen, Konferenzen und Gebeten an die Opfer der nationalsozialistischen Judenvernichtung erinnert.

Was ist in diesem Jahr das Programm für den Holocaust-Gedenktag?

Im Bundestag wird auch dieses Jahr in einer Gedenkstunde der Opfer des Nationalsozialismus gedacht. Es sprechen Charlotte Knobloch und Marina Weisband als Vertreterinnen jüdischen Lebens in Deutschland. Neben Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier nehmen auch Bundeskanzlerin Angela Merkel, Bundesratspräsident Reiner Haseloff (beide CDU) und Bundesverfassungsgerichtspräsident Stephan Harbarth teil.

Aufgrund der Corona-Pandemie wird der diesjährige Holocaust-Gedenktag vielerorts ausschließlich digital begangen, viele Einrichtungen begleiten den Tag mit digitalen Angeboten oder Gedenkveranstaltungen, die im Livestream verfolgt werden können.

Was ist an dem Programm in diesem Jahr besonders?

Dieses Jahr steht der Holocaust-Gedenktag im Zeichen des Jubiläumsjahres "1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland". Aus diesem Anlass wird im Rahmen der Gedenkstunde ein Film über die in Israel restaurierte Sulzbacher Torarolle von 1793 gezeigt.

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Im Anschluss wird die Torarolle in einer feierlichen Zeremonie im Andachtsraum des Bundestages im Beisein der Vertreter der deutschen Verfassungsorgane, der Gastrednerin Charlotte Knobloch, des Amberger Rabbiners Elias Dray und des Vorsitzenden des Zentralrats der Juden in Deutschland, Josef Schuster, symbolisch fertiggestellt. Die Begrüßungsworte während der symbolischen Fertigstellung sprechen die Rabbiner Elias Dray und Shaul Nekrich.

Wie kann ich selbst an dem Holocaust-Gedenktag teilnehmen?

Es gibt unterschiedliche Möglichkeiten, an die Opfer des Holocaust zu erinnern. Der Jüdische Weltkongress ruft etwa weltweit unter dem Motto "Aus der Vergangenheit lernen, die Zukunft schützen" dazu auf, sich an der Kampagne #WeRemember zu beteiligen, die sich gegen Antisemitismus und alle Formen von Völkermord, Hass und Fremdenfeindlichkeit richtet. Dazu sollen Menschen Fotos in sozialen Medien veröffentlichen, auf denen ein Schild mit der Aufschrift "#WeRemember" gezeigt wird.

Wie wird in Israel der Holocaust-Gedenktag begangen?

Unter anderem bietet die israelische Gedenkstätte Yad Vashem eine Reihe von Online-Veranstaltungen an. Staatspräsident Reuven Rivlin spricht am Nachmittag bei einem Symposium für ausländische Diplomaten in Israel.

Es ist auch eine Vorlesung des Historikers David Silberklang mit dem Titel "Der Weg von Massenerschießungen zur Endlösung" geplant. Dies soll laut Yad Vashem auch das zentrale Thema des israelischen Holocaust-Gedenktags am 8. April sein. Die Veranstaltung am Mittwoch wird von 14.30 MEZ an über den Youtube-Kanal von Yad Vashem übertragen.

Zum internationalen Gedenktag hat Yad Vashem außerdem eine spezielle Internetseite eingerichtet, mit Online-Ausstellungen, Bildungsquellen und einer virtuellen "Gedenkmauer". Außerdem bietet die Gedenkstätte erstmals eine virtuelle Tour durch die Dauerausstellung "Schoah" im früheren deutschen Konzentrationslager Auschwitz an.

Was sagen Politiker zu dem Holocaust-Gedenktag?

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat die Bürger zum tatkräftigen Eintreten gegen Antisemitismus aufgerufen. "Wir müssen unsere Sinne wachhalten, Vorurteile und Verschwörungstheorien erkennen und ihnen mit Vernunft, Leidenschaft und Entschiedenheit entgegentreten", sagte Steinmeier in einer Videobotschaft für die Gedenkfeier. "Ein jeder von uns ist aufgerufen, jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger vor Bedrohungen, Beleidigungen und Gewalt zu schützen - nicht in Zukunft, sondern hier und heute, in dem Land, in dem wir gemeinsam leben."

Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) hat vor immer wieder neuen Bedrohungen für die Demokratie gewarnt. "Die Gefährdungen kommen in immer neuer Gestalt und sind nicht immer auf den ersten Blick erkennbar", erklärte Müller zum 76. Jahrestag der Befreiung des deutschen Konzentrations- und Vernichtungslagers Auschwitz an diesem Mittwoch.

Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat dazu aufgerufen, sich entschieden gegen Antisemitismus zu stellen. "Jahrzehnte nach der Shoah kommt es wieder häufiger zu gewalttätigen Übergriffen auf die jüdische Bevölkerung", sagte er am Dienstag laut einer Mitteilung. "Dass Juden nach den NS-Verbrechen wieder Vertrauen zu uns Deutschen aufgebaut haben, ist wie ein Geschenk. Dieses Vertrauen dürfen wir nicht verspielen."

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Wie geht es nach dem 27. Januar weiter?

Anlässlich des Gedenktages wurde in Berlin das neue Projekt "Toleranz-Tunnel" vorgestellt. Ab September soll in verschiedenen Städten eine Wanderausstellung zu den Themen Völkermord und Diskriminierung präsentiert werden, wie der Vorsitzende des zuständigen Vereins, Matitjahu Kellig, am Montag in Berlin sagte. Die Schau, die insbesondere den Holocaust thematisiert, soll etwa in Fußgängerzonen, Unternehmen oder auf Schulhöfen gezeigt werden.

Die Ausstellung "Toleranz-Tunnel" wird aus vier Wänden bestehen, die sich dem Holocaust, anderen Völkermorden, sowie den Themen Vorurteil, Diskriminierung und Toleranz widmen. Die Ausstellung soll zunächst in Detmold gezeigt und danach in zehn Exemplaren an verschiedenen Orten präsentiert werden. (msb/dpa/afp)

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