Thüringen-Wahl

Hofreiter erschüttert von AfD-Ergebnis und „Faschist“ Höcke

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter

Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter

Foto: Sina Schuldt / dpa

Berlin.  Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter ist erschüttert über den Wahlausgang in Thüringen. Vor allem über das gute Ergebnis der AfD.

Nach einem enttäuschenden Wahlabend gibt Grünen-Fraktionschef Anton Hofreiter im Interview eine erste Bewertung ab – und einen Ratschlag in Richtung der CDU.

Die Grünen haben es in Thüringen gerade mal so in den Landtag geschafft. Geht Ihr Höhenflug zu Ende?

Anton Hofreiter: Natürlich sind wir mit unserem Ergebnis in Thüringen nicht zufrieden. Es ist nicht gelungen, den bundespolitischen Rückenwind in größere Stimmenzuwächse umzusetzen. Aber das kann man nicht verallgemeinern. Nehmen Sie Hannover, da ist uns mit Belit Onay gerade der Einzug in die Stichwahl bei der Oberbürgermeisterwahl gelungen.

Ein schwacher Trost.

Hofreiter: Wir hatten es in Thüringen noch nie leicht. Wir haben aus einer erfolgreichen Koalition einen sehr polarisierten Wahlkampf geführt, am Ende hat Bodo Ramelow als sehr beliebter Ministerpräsident davon am meisten profitiert. Wir haben es nicht geschafft, in die Breite der Gesellschaft vorzudringen. Mich bedrückt aber noch mehr das Abschneiden der AfD mit dem Faschisten Höcke an der Spitze.

Thüringen vor schwieriger Regierungsbildung
Thüringen vor schwieriger Regierungsbildung

Eine Mehrheit für ein Regierungsbündnis ist in Thüringen nicht in Sicht – es sei denn, die CDU bricht ihr Versprechen, weder mit der AfD noch mit der Linken zusammenzuarbeiten. Welche Entwicklung sagen Sie voraus?

Hofreiter: Es wird jetzt schwierig. Aber am Ende sind jetzt alle Demokraten gefordert, das Votum der Wählerinnen und Wähler anzunehmen. Und da kann man den Wahlsieger Bodo Ramelow nicht mit der rechtsextremen AfD gleichsetzen.

Für die SPD war das Wochenende eine doppelte Zäsur: Die Thüringen-Wahl geriet zum Debakel, und bei der Mitgliederbefragung zum Parteivorsitz haben Groko-Gegner beachtliche Ergebnisse erzielt. Stellen Sie sich auf eine vorgezogene Bundestagswahl ein?

Hofreiter: Wir Grüne beteiligen uns nicht an diesen Spekulationen. Die Menschen wollen, dass sich die Politik mit ihren Problemen und Herausforderungen beschäftigt. Und da bietet die Große Koalition nur noch ein Trauerspiel. Beim Klimaschutz ist sie gescheitert, in der Außenpolitik haben uns Annegret Kramp-Karrenbauer und Heiko Maas gerade vor den Augen der Welt blamiert. Wir Grüne werden zu diesem Gehabe weiterhin eine optimistische und verantwortungsvolle Alternative bieten.

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