Leitartikel

Hilfsbereitschaft nach Flut: Solidarität in der Katastrophe

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Alle packen mit an: Die Hilfsbereitschaft nach der Flutkatastrophe ist groß.

Alle packen mit an: Die Hilfsbereitschaft nach der Flutkatastrophe ist groß.

Foto: Roberto Pfeil/dpa

Essen.  Es ist eine Tragödie, die sich in den vom Hochwasser betroffenen Orten abspielt. Ein Kommentar von WAZ-Chefredakteur Andreas Tyrock.

Natürlich ist es richtig, nach der Flutkatastrophe in NRW und Rheinland-Pfalz nach möglichen Fehlern zu suchen, etwa bei den Wetterprognosen, bei den Alarmierungen, bei den Meldewegen zwischen Bund, Ländern, Städten und Gemeinden, bei der technischen Ausstattung. Die Fragen lauten: Was hat warum nicht funktioniert? Was muss künftig besser werden, damit sich die Fehler nicht wiederholen? Es braucht ehrliche Antworten, kein parteipolitisches oder behördliches Schwarzer-Peter-Spiel.

Noch wichtiger ist es in diesen Tagen jedoch, den Menschen in den Katastrophengebieten so schnell wie möglich zu helfen. Tote, Verletzte, Vermisste – es ist eine Tragödie, die sich in den betroffenen Orten abspielt. Viele Bewohnerinnen und Bewohner stehen vor dem Nichts. Sie sind verzweifelt, trauern um die Opfer, hadern mit dem Schicksal und manchen Behörden.

Reaktionen auf die Flutkatastrophe machen Hoffnung

Dennoch gibt es auch Hoffnungsschimmer in diesen schweren Tagen: Die Hilfs- und Spendenbereitschaft sehr vieler Menschen, die die Flutopfer schnell und unbürokratisch unterstützen wollen, ist enorm. Da wird nicht herumgeredet, da wird gehandelt. Die Helfer bilden Fahrgemeinschaften, mieten Busse. Vereine, Hilfsorganisationen und Privatpersonen fahren hin, packen an oder spenden Geld - eine gelebte, beeindruckende Solidarität, die man schon fast verloren glaubte.

In der Corona-Pandemie schienen sich Egoismus und Rücksichtslosigkeit auszubreiten. Vom Kampf ums Toilettenpapier bis hin zum schlampigen und oberflächlichen Umgang mit Impfterminen („keine Lust“, „keine Zeit“, „mir doch egal“, „Urlaub ist wichtiger“!) konnte man leicht den Glauben an die Empathie vieler Menschen verlieren. Das gilt mit Blick auf die Impfbereitschaft übrigens bis heute.

Andererseits machen die Reaktionen auf die Flutkatastrophe doch Hoffnung. Solidarität, Hilfsbereitschaft, Mitmenschlichkeit – Worte, die in diesen Tagen wieder mit Leben gefüllt werden. Und wer nicht zu unmittelbarer Hilfe in der Lage ist, kann spenden. Jeder Euro wird gebraucht.

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