Hate Speech

Hass im Netz: Warum erfolgreiche Frauen so oft Opfer sind

Erfolgreiche Frauen, gerne auch mit Migrationshintergrund wie etwa die  Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, sind oftmals Opfer perfider Attacken im Internet.

Erfolgreiche Frauen, gerne auch mit Migrationshintergrund wie etwa die Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor, sind oftmals Opfer perfider Attacken im Internet.

Foto: Bodo Marks / dpa

Dortmund.  Hasskommentare und Diffamierungen in den sozialen Medien sind vielen Internetnutzern bekannt. Frauen trifft es besonders oft, sagt ein Forscher.

Mal subtil, mal offen aggressiv und drohend: Beleidigungen und sexistische Hassreden gegen Frauen kommen im Netz auf Kommentarseiten, bei Facebook, Twitter, Youtube oder in Online-Spielen vor. Häufig handelt es sich dabei um abwertende und herabwürdigende Angriffe, die sich auf das Äußere und den Körper beziehen, wie der Bielefelder Gewaltforscher Andreas Zick schilderte. Auch Vergewaltigung oder andere brutale Gewalttaten würden in den sozialen Medien anonym angedroht - in der Regel indirekt. Denn: „Jene, die Hassbotschaften senden, wissen, dass die Androhung einer realen Tat stärker verfolgt wird.“

Ziel seien oft Frauen „mit scheinbarer oder tatsächlicher Migrationsgeschichte“, in wichtigen Positionen, auch Politikerinnen oder Journalistinnen. „Eine prominente Frau in höherer Statusposition zieht mehr Hass auf sich“, sagte Zick. Dabei gehe es den Hassenden in vielen Fällen um Machtdemonstration und die Frage nach Dominanz. Frauen mit höherem Prestige erhielten auch eher kampagnenmäßige Hasspostings.

Drastische Beschimpfungen und sexistische Postings gegen Frauen

Die liberale Muslimin und Islamwissenschaftlerin Lamya Kaddor aus Westfalen oder Integrationsstaatssekretärin Serap Güler (CDU) gehören in NRW zu den Betroffenen der perfiden Attacken. Aufgeschreckt hatten zudem drastische Beschimpfungen und sexistische Postings gegen Moderatorinnen - so auch gegen Dunja Hayali, die gebürtig aus dem Ruhrgebiet stammt.

Wer sind die Täter? „Das geht quer durch alle Schichten“, betonte Zick. Mal werde ein einzelner Hasskommentar abgesetzt, mal eine ganze Serie - manchmal organisierten die Hassenden Kampagnen. „In vielen Hasspostings stecken negative Stereotype und Vorurteile, die tiefe Spuren und eine lange Geschichte haben“, erläutert der Leiter des Instituts für interdisziplinäre Konflikt- und Gewaltforschung an der Uni Bielefeld.

Teilen und Liken von Hass-Postings stachelt Täter an

Nach der jüngsten - Anfang 2019 veröffentlichten - Studie der Landesmedienanstalt NRW zu „Hate Speech“ sind rund 85 Prozent aller 14- bis 24-Jährigen mit Hasskommentaren in sozialen Medien konfrontiert worden. Verteilt über alle Altersgruppen waren es 47 Prozent, wie Forsa bei 1005 Befragten Ende 2018 ermittelt hatte. Experten fordern schon seit Längerem, Hass und Hetze im Netz müssten intensiver und erfolgreicher verfolgt werden.

Verbaler Hass könne psychische Schäden verursachen und dazu führen, dass attackierte Frauen ihren Bewegungs- und Freiheitsspielraum einschränkten, stellte Gewaltforscher Zick klar. „Hassbotschaften fühlen sich wie Bedrohungen an.“ Die Gefahr, dass aus brutalen Worten später reale körperliche Gewalt werde, sei groß, „sobald in einer Hassbotschaft Tat, Zeit, Ort und Ziel genauer benannt werden.“ Wenn Hassposts von vielen geteilt oder „gemocht“ würden, sei ebenfalls davon auszugehen, dass es zu einem physischen Angriff kommen könne. (dpa)

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