Bildung

Gewerkschaft kritisiert steigenden Anteil von Privatschülern

In NRW

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Foto: skynesher

An Rhein und Ruhr.   In NRW gibt es 33 Prozent mehr Privatschulen als vor 20 Jahren. Die GEW spricht von „exklusiven Bildungsanstalten“ und fordert ein Umsteuern.

Der Anteil der Schülerinnen und Schüler in NRW, die eine Privatschule besuchen, ist auch in diesem Schuljahr angestiegen. Die Lehrergewerkschaft GEW warnt angesichts der Entwicklung vor einer Zementierung sozialer Hürden und fordert die Landesregierung auf, der Entwicklung gegenzusteuern.

Wie aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervorgeht, besuchen in diesem Schuljahr in Nordrhein-Westfalen rund 163.000 Kinder und Jugendliche Privatschulen. Das sind zwar in etwa genau so viele wie vor zehn Jahren.

Jeder sechste Gymnasiast besucht Privatschule

Allerdings ist die Gesamtzahl der Schülerinnen und Schüler gesunken, so dass der Anteil derjenigen gestiegen ist, die Privatschulen besuchen – von 7,48 Prozent im Schuljahr 2008/2009 auf jetzt 8,56 Prozent. Vor 20 Jahren lag der Anteil noch bei 6,47 Prozent.

Besonders hoch ist der Anteil der Privatschüler bei den Gymnasiasten. Etwa jeder sechste Gymnasiast (16,8 Prozent) besucht in diesem Schuljahr eine Privatschule, bei den Gesamtschülern liegt der Anteil bei lediglich 4,6 Prozent.

Deutlich angestiegen ist die Zahl der Privatschulen. Vor zwanzig Jahren gab es in Nordrhein-Westfalen 298 solcher Einrichtungen, vor zehn Jahren waren es 330, aktuell sind es 403.

„Eltern suchen exklusive Bildungsanstalten“

Die Statistik erfasst allerdings nur die sogenannten Ersatzschulen. Das sind staatlich genehmigte Schulen in freier Trägerschaft etwa der Kirchen. Diese Schulen werden vom Staat mitfinanziert.

Die rein privat finanzierten Ergänzungsschulen werden von den Statistikern nicht erfasst. Von ihnen gibt es nach Einschätzung des Verbandes Deutscher Privatschulverbände (VDP) in NRW zwischen 40 und 50.

„Ambitionierte Eltern suchen immer häufiger exklusive Bildungsanstalten für ihre Kinder“, sagt Berthold Paschert, Sprecher des nordrhein-westfälischen Landesverbandes der GEW auf Anfrage der NRZ. Dies sei ein „Trend, den wir nicht gutheißen.“

Die Landesregierung müsse diesem Trend entgegensteuern, schließlich sei „die Bildungsfrage auch immer eine soziale“. Die gleiche Beschulung für alle Kinder und Jugendlichen sei auch eine „Frage der sozialen Gerechtigkeit“, so Paschert.

Bildungsforscher: Besseres Schulklima

Der Düsseldorfer Bildungsforscher Prof. Heiner Barz sieht auch die Vorteile privater Schulen. „In Fragen des Schulklimas, der Lernatmosphäre oder auch hinsichtlich persönlicher oder kreativer Förderung dürften sie meist besser abschneiden als staatliche Schulen“, sagte Barz unserer Redaktion.

Die Zunahme des Interesses an Privatschulen verdanke sich in „erster Linie der Suche nach Alternativen zu einer stark standardisierten Pädagogik, wie sie für staatliche Schulen häufig kennzeichnend ist“, betonte Barz.

Der Bildungsforscher fordert eine stärkere Unterstützung dieser Schulen. Der Staat spare „eine Menge Geld“, wenn Schüler nicht an staatlichen Schulen unterrichtet würden. Dies solle er den Privatschulen zur Verfügung stellen, damit diese kein Schulgeld erheben müssten.

„In einem Staat, in dem die letzte große Bildungsreformen vierzig bis fünfzig Jahre zurückliegen, ist die Sehnsucht nach neuen Unterrichtsmodellen groß“, sagt Petra Stieb, Referentin beim Privatschulverband VDP.

Die Privatschulen seien „Impulsgeber für das gesamte Schulsystem“. Sie entwickelten pädagogischen Konzepte ständig weiter. „Im Mittelpunkt stehen eine zukunftsorientierte Pädagogik sowie auf die Schüler abgestimmte Lernformen – und das macht sie für Eltern interessant“, so Stieb.

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