Studie

Gesundheitsversorgung – eine Frage von Wohnort und Einkommen

aden-Württemberg, Freiburg: Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. (zu dpa «Brandenburg hat niedrigste Ärztedichte - vor allem Kinderärzte fehlen») Foto:

aden-Württemberg, Freiburg: Ein Arzt hält ein Stethoskop in der Hand. (zu dpa «Brandenburg hat niedrigste Ärztedichte - vor allem Kinderärzte fehlen») Foto:

Foto: Patrick Seeger / dpa

Berlin  Stadtbewohner bewerten die Gesundheitsversorgung besser. Das besagt eine aktuelle Studie. Apothekern trauen die Bürger mehr als Ärzten.

Stadtbewohner und Gutverdiener sind zufriedener mit der Gesundheitsversorgung als Menschen, die auf dem Land leben oder relativ wenig verdienen. Das ist das zentrale Ergebnis einer Umfrage im Auftrag des Bundesverbands der Arzneimittelhersteller, die unserer Redaktion vorliegt.

Das Marktforschungsunternehmen Nielsen hat dafür 2000 Menschen befragt. Generell schätzen die Deutschen die ihnen gebotene Gesundheitsversorgung als außerordentlich hoch ein. Dass sie im Vergleich zu anderen Ländern innerhalb der EU und außerhalb „sehr gut“ sei, finden 80 Prozent der Befragten.

Zufriedenheit mit Gesundheit ist eine Frage des Wohnortes

Geht man etwas ins Detail, offenbaren sich jedoch Defizite. So sind nur 59 Prozent der Meinung, dass gesetzliche Krankenkassen „alle medizinisch notwendigen Leistungen“ erstatten. Am deutlichsten unterscheidet sich die Zufriedenheit mit der medizinischen Versorgung anhand des Wohnortes und des Einkommens.

So beurteilen die Befragten, die in Orten mit weniger als 10.000 Einwohnern leben, die Versorgung nur zu 79 Prozent als „gut“, „sehr gut“ oder „befriedigend“. Unter den Bewohnern von Städten mit mehr als einer Million Einwohnern finden dies dagegen 95 Prozent der Befragten.

Ähnlich stark klafft die Wahrnehmung auseinander, wenn man die Einkommenssituation der Befragten betrachtet. Nur 77 Prozent der Menschen mit einem monatlichen Haushaltsnettoeinkommen von 1500 Euro oder weniger bezeichnen die Gesundheitsversorgung als „sehr gut“, „gut“ oder „befriedigend“. Bei einem Nettoeinkommen von 4000 Euro und mehr sind dies dagegen 91 Prozent.

Weniger sichtbar ist der Unterschied zwischen gesetzlich und privat Versicherten. Mitglieder der gesetzlichen Krankenkassen finden das deutsche Gesundheitssystem zu 83 Prozent mindestens „befriedigend“ oder besser. Zum Vergleich: Bei den Privatpatienten sind es 90 Prozent. Fast jeder dritte Privatpatient meint sogar, die Versorgung werde besser. Von den Kassenpatienten meint dies nur jeder Vierte.

Viele sind mit hausärztlicher Versorgung unzufrieden

Der größte Teil der Befragten glaubt aber, dass sich an der Qualität der medizinischen Versorgung in Zukunft nicht viel ändern wird. Am zufriedensten sind die Befragten in der Stadt und auf dem Land noch mit der Arzneimittelversorgung, womit im Wesentlichen die Erreichbarkeit von Apotheken gemeint ist. Hier waren 92 Prozent der Meinung, dass sie „befriedigend“ oder besser ist.

Etwas weniger gut schnitt die hausärztliche Versorgung ab. Dahinter folgen die Krankenhausversorgung und die fachärztliche Versorgung. Nur 77 Prozent meinen, dass ambulante oder stationäre Pflegeangebote „sehr gut“, „gut“ oder „befriedigend“ vorhanden sind.

Auch in allen diesen Fällen lassen sich spürbare Unterschiede zwischen Stadt und Land feststellen: So beurteilen 52 Prozent der Bevölkerung in Orten unter 20.000 Einwohnern die örtliche Krankenhausversorgung als „sehr gut“ oder als „gut“. In Städten mit mehr als 200.000 Einwohnern sind es dagegen 71 Prozent.

Arzeimittelhersteller: Gefälle zwischen Stadt und Land

Bei der Versorgung mit Fachärzten ist es ähnlich: In kleinen Orten sind 45 Prozent der Befragten damit zufrieden, in Großstädten sind es immer noch 65 Prozent.

Martin Weiser, Hauptgeschäftsführer des Verbands der Arzneimittelhersteller, fühlt sich durch die Untersuchung in seiner Vermutung bestätigt: Sie habe das Gefälle in der medizinischen Versorgung zwischen Stadt und Land belegt. „Die Situation wird sich vermutlich in den kommenden Jahren aufgrund des demografischen Wandels und der Urbanisierung weiter zuspitzen“, sagte er unserer Redaktion. Es brauche „neue Konzepte“, um die Versorgung auf dem Land aufrecht zu erhalten.

Einen Vorschlag für ein solches Konzept hat Weiser auch: Der Apotheker vor Ort solle Patienten nicht nur mit Medikamenten versorgen, sondern „zusätzliche Aufgaben in der Gesundheitsversorgung“ übernehmen.

Umfrage zeigt: Bürger vertrauern Apothekern mehr als Ärzten

Als Beispiel nannte der Pharmafunktionär Grippeschutzimpfungen, die in der Apotheke statt in der Arztpraxis durchgeführt werden könnten.

Gesundheitsminister Jens Spahn hatte diese Idee schon mehrfach in die Debatte gebracht. Inzwischen findet sie sich auch in einem Gesetz, mit dem der CDU-Politiker die Apotheken stärken will. Die Ärzte lehnen den Plan kategorisch ab. Um dem Vorhaben noch etwas Schwung zu verleihen, ließ der Verband der Arzneimittelhersteller das Umfrageinstitut auch danach fragen, wem die Bürger am meisten vertrauen.

Das Ergebnis: An erster Stelle stehen „die Apotheker“. Dahinter folgen die Ärzte, die Krankenhäuser und die gesetzlichen Krankenkassen. Die Arzneimittelhersteller selbst liegen auf dem drittletzten Rang, fast gleichauf mit den Pflegeeinrichtungen. Das Schlusslicht bildet: die aktuelle Bundesregierung.

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