EU-Grenze

Frontex: Deutschland kann nicht genug Polizisten stellen

Mehr Beamte für Frontex: Der Kommissionsplan sieht vor, dass die Grenz- und Küstenwache von jetzt 1500 auf 10.000 Beamte aufgestockt wird.

Mehr Beamte für Frontex: Der Kommissionsplan sieht vor, dass die Grenz- und Küstenwache von jetzt 1500 auf 10.000 Beamte aufgestockt wird.

Foto: Christian Charisius / dpa

Berlin  Die EU-Grenzschutzagentur Frontex soll schnell ausgebaut werden. Der geforderte Personalbeitrag stellt Deutschland aber vor Probleme.

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Der geplante schnelle Ausbau der EU-Grenzschutzagentur Frontex auf 10.000 Beamte stößt in Deutschland auf massive Bedenken. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) warnt, Deutschland könne den von der EU-Kommission geforderten Personalbeitrag von knapp 1300 entsendeten Polizisten im Jahr 2020 gar nicht leisten.

Der GdP-Vizevorsitzende Jörg Radek sagte unserer Redaktion: „Ein solcher Plan ist schlicht nicht realistisch. Diese Leute haben wir so schnell nicht zur Verfügung, weder die Bundespolizei noch die Polizeien der Länder“. Es mache auch keinen Sinn, Beamte an die EU-Außengrenzen zu schicken, „die uns dann im Inland fehlen.“

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Der Kommissionsplan sieht vor, dass die Grenz- und Küstenwache Frontex bereits im Jahr 2020 von jetzt 1500 auf 10.000 Beamte aufgestockt wird, die zudem mehr Befugnisse und umfangreiche Ausrüstung erhalten sollen. Die EU-Mitgliedstaaten sollen aber den Großteil des Personals stellen – anfangs 8500, später 7000 Beamte.

Personalplanung berücksichtigt Frontex-Anforderungen nicht

Allein Deutschland müsste zum Start 2020 1277 Polizisten entsenden (1052 für einen kurzfristigen, 225 für einen langfristigen Einsatz), wie unsere Redaktion unter Berufung auf Kommissions-Dokumente berichtet.

Gewerkschaftsvize Radek sagte, in der Personalplanung seien die Frontex-Anforderungen überhaupt nicht berücksichtigt. Bislang sind durchschnittlich etwas über hundert deutsche Beamte im Frontex-Einsatz. Zwei Drittel kommen aus der Bundespolizei, die aber über massive Personalknappheit klagt.

Brüssler Botschafter hält Plan für unrealistisch

In der Bundesregierung werden die Bedenken im Grundsatz geteilt, aber vorsichtiger formuliert. Man werde über die Zielgrößen und den tatsächlichen Bedarf reden müssen, heißt es in Regierungskreisen. In anderen Hauptstädten wird nach unseren Informationen ebenfalls bezweifelt, dass die Personalpläne belastbar und in diesem Umfang überhaupt sinnvoll sind.

Ein Brüsseler Botschafter eines EU-Landes sagte unserer Redaktion: „10.000 Beamte im Jahr 2020 – dieser Plan war zu keinem Zeitpunkt realistisch“. Am Freitag beraten die EU-Innenminister in Luxemburg erstmals über den Plan der Kommission. Beschlüsse werden nicht erwartet. (fmg)

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