Rechtsextremisten

Front National will sich umbenennen – Die Ideologie bleibt

Marine Le Pen will ihre Partei erneuern – und gibt ihr dazu auch einen neuen Namen.

Foto: Sylvain Lefevre / Getty Images

Marine Le Pen will ihre Partei erneuern – und gibt ihr dazu auch einen neuen Namen.

Lille  Marine Le Pen sucht nach neuem Schwung für den Front National. Von einem neuen Namen erhofft sich die FN-Chefin einen Imagewandel.

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Die Umfragen sind mies und ihr Image als nahezu unaufhaltbare Powerfrau hat schwer gelitten, doch Marine Le Pen gibt nicht auf. Am Sonntag, auf dem Parteitag des rechtsextremen Front National (FN) im nordfranzösischen Lille, ließ sie sich mit 100 Prozent der abgegebenen Stimmen erneut als Vorsitzende bestätigen. Ein Bombenergebnis fernab jeder Überraschung, denn einen Gegenkandidaten gab es nicht.

80 Prozent Zustimmung fanden auch die von der 49-Jährigen vorgelegten neuen Parteistatuten, die ihre intern ohnehin kaum anfechtbare Macht weiter zementieren und es der blonden Juristin ermöglichen, endgültig aus dem Schatten des berüchtigten Papas zu treten.

Der politische Vatermord ist vollendet

Zwar hatte Marine Le Pen den Parteivorsitz bereits 2011 von ihrem Vater und FN-Gründer Jean-Marie Le Pen „geerbt“ und diesen vier Jahr später wegen antisemitischer Äußerungen aus der Partei geworfen. Aber erst dank der neuen Statuten, die dem 89-jährigen Haudegen nun auch seine „Ehrenpräsidentschaft auf Lebenszeit“ aberkennen, ließ sich der politische Vatermord vollenden.

Einen Neuanfang suchte und versprach Marine Le Pen ihren Anhängern. Dafür soll auch ein neuer Name stehen. Die Chefin will den Front National umtaufen und künftig „Rassemblement National“ (Nationale Sammellager) nennen. Bloß muss man nach dem Neuem im Parteiprogramm mit der Lupe suchen.

Die Verteidigung der Nation und der französischen Identität bilden weiterhin den ideologischen Rahmen der „Nationalen“, zu dem auch wie gehabt die scharfe Kritik am Islam sowie „an jeder Form von illegaler oder legaler Zuwanderung“ gehört.

Politik der „Entteufelung“

Auch in strategischer Hinsicht setzt die oberste Nationalistin auf Kontinuität. Seit sieben Jahren hat Le Pen mit ihrer Politik der „Entteufelung“ konsequent versucht, den Front National von seinem Ruf als Sammelbecken von Antisemiten, Neonazis und Fremdenhassern zu befreien, um ihm neue Wählerschichten zu öffnen.

Schon mit der Entsorgung des alten und nach wie vor anrüchigen Parteinamens belegt sie, dass sie an diesem Kurs festzuhalten gedenkt.

Es bleibt jedoch die Frage, ob sich Marine Le Pen und ihre Partei überhaupt von dem Rückschlag der verlorenen Präsidentschaftswahl im vergangenen Jahr erholen können. Zwar schaffte Le Pen damals den Sprung ins Stechen und fuhr dort mit 33 Prozent sowie 10,6 Millionen Wählerstimmen ein Rekordergebnis ein .

Aber in Erinnerung blieb vor allem ihre „Entzauberung“ durch Emmanuel Macron im entscheidenden TV-Duell, wo die schlecht vorbereitete Rechtsextremistin wegen mangelnder Sachkenntnis und höhnischer Ausfälle sang- und klanglos unterging.

Le Pen will ihre Partei endlich gesellschaftsfähig machen

Wie verheerend sich diese Fehlleistung bis heute auswirkt, unterstreichen jüngste Umfragen. Waren im April 2017 immerhin 24 Prozent der Franzosen der Meinung, dass Marine Le Pen das Zeug zu einer guten Staatspräsidentin habe, sind es derzeit nur noch 16 Prozent. Und während 2017 58 Prozent unserer Nachbarn den Front National als eine Gefahr für die Demokratie ansahen, sind es mittlerweile 63 Prozent.

Le Pen hofft trotzdem, den Abwärtstrend umkehren und ihre Partei endlich gesellschaftsfähig machen zu können. Grund genug, ihre von einer großen Mehrheit der Franzosen abgelehnten Forderungen nach einem Frexit und einer Rückkehr zum Franc einfach unter den Tisch fallen zu lassen.

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Für ihre gewohnt scharfe Kritik an der EU galt das freilich nicht. Sie bleibt ein weiteres Credo, von dem sich ihre Partei weder verabschieden wird noch kann, wenn sie die „Patrioten“ klein halten will. So nämlich nennt sich eine nationalpopulistische Splitterpartei, die den Nationalen Konkurrenz zu machen verspricht. Aus der Taufe hob sie kürzlich ein gewisser Florian Phillipot.

Der Mann gilt nicht nur als einer der vehementesten EU-Gegner des Landes, er war bis September als Vize-Chef des Front National auch Marine Le Pens rechte Hand.

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