Klimaproteste

„Fridays for Future“-Aktivisten stürmen Lindner-Vortrag

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Leipzig  Klimaaktivisten haben mit Rufen und Banner einen Vortrag von Christian Lindner in Leipzig gestürmt. Wie der Politiker darauf reagierte.

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Wie unbeliebt Christian Lindner (FDP) bei den Anhängern der „Fridays for Future“-Bewegung ist, zeigte sich am Dienstag bei einem Besuch von ihm an der Universität Leipzig: Mit Zwischenrufen und einem Transparent stürmten die Aktivisten den Vortrag des FDP-Parteivorsitzenden, der über westliche Werte und eine neue Systemfrage sprechen wollte.

Auf ihrem Banner hatten die Protestierenden die Worte „Klimaschutz nur von Profi-teur*innen umweltzerstörender Politik? Nur über unsere Leichen“ geschrieben – eine Anspielung auf die im März von Lindner an die Fridays for Future“-Anhänger gerichtete Kritik, Klimaschutz sei „eine Sache für Profis“.

Lindner hatte außerdem dafür plädiert, dass Klimaschutz außerhalb der Schulzeit geschehen müsse.

Mehrere Protestierende hatten sich unter dem Transparent auf den Boden gelegt und tot gestellt – eine Protestform, die junge Klimaaktivisten bereits vor einigen Tagen im Bundestag genutzt hatten.

Lindner reagierte mit Verweis auf Philosoph Habermas

Lindner reagierte mit einem Verweis auf Jürgen Habermas, der zu den wichtigsten Intellektuellen des Landes gehört, und auch für seine „Theorie des kommunikativen Handelns“ bekannt ist: „Hier stehen dürft ihr, hier liegen und schlafen dürft ihr – stören dürft ihr nicht. Euch zu Wort melden und diskutieren, das ist herzlich willkommen.“

Das Publikum erwiderte mit Applaus, die Demonstranten erhoben sich und riefen: „What do we want? – Climate justice! – When do we want it? - Now!“ (Was wollen wir? – Klimagerechtigkeit! – Wann wollen wir sie? – Jetzt!). Nach weiteren Zwischenrufen verließen sie schließlich den Hörsaal. Lindner zeigte sich nochmals erstaunt darüber, dass trotz des „berechtigten Anliegens“ keine Dialogbereitschaft bestehe.

Lindner: „Mag sein, dass ich in Klimapolitik mal missverständlich formuliert habe“

Lindners spätere Einschätzung zu dem Vorfall auf Twitter: Politisches Engagement finde ich gut, Ringen um Argumente auch!“ Die Aktivisten seien jedoch nur an stummen Gesten interessiert gewesen. „Mag sein, dass ich in Klimapolitik mal missverständlich formuliert habe. Umso mehr hätte ich gern diskutiert.“ Die FDP Leipzig kommentierte den Vorfall auf Twitter mit „Krach statt Diskurs.“

Auch der Sprecher der Jugendorganisation der Linkspartei Solid, Michael Neuhaus, meldete sich auf Twitter zu Wort. Lindner habe über westliche Werte und die neue Systemfrage referiert. „Der Klimawandel ist tödlich. Was sind das für Werte, die das hinnehmen? Neue Systemfrage? System Change!“

(vem)

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