VroniPlag

Doktorarbeit von Franziska Giffey unter Plagiatsverdacht

Die Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey wird überprüft.

Die Doktorarbeit von Familienministerin Franziska Giffey wird überprüft.

Foto: Bernd von Jutrczenka / dpa

Berlin  Die Familienministerin kommt wegen ihrer Doktorarbeit in Bedrängnis. Plagiatsjäger wollen darin zahlreiche Mängel entdeckt haben.

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Hat die Bundesfamilienministerin in ihrer Dissertation unsauber gearbeitet? Das berichtet der „Spiegel“ vorab. Demnach ist Franziska Giffey wegen ihrer Dissertation ins Visier von Plagiatsjägern geraten.

Die Doktorarbeit wird laut „Spiegel“ auf der Website VroniPlag Wiki unter dem Kürzel „Dcl“ auf mögliche Mängel untersucht. Bisher, so berichtet das Magazin, hätten die Rechercheure auf 49 von über 200 Seiten problematische Zeilen gefunden.

Die Arbeit mit dem Titel „Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft“ stammt aus dem Jahr 2009.

Giffeys Disseration ist laut VroniPlag „ernstzunehmender Fall“

VroniPlag ist ein sogenanntes Wiki – eine Website, auf der Besucher den Inhalt nicht nur lesen, sondern auch selbst bearbeiten können. Das bekannteste Wiki ist Wikipedia. Wiki kommt aus dem Hawaiianischen und bedeutet schnell.

VroniPlag hat seinen Namen von der Tochter von Edmund Stoiber, Veronika Saß. Ihre Doktorarbeit wurde mit dem Wiki als erste untersucht. Auf der Seite werden vor allem Doktorarbeiten untersucht, die unter dem Verdacht stehen, plagiiert worden zu sein. Das Wiki entstand aus dem Umfeld des GuttenPlag Wikis, mit dessen Hilfe die Disseration des früheren Verteidigungsministers Karl-Theodor zu Guttenberg öffentlich wurde.

Die Experten von VroniPlag jagen weiter nach Politiker-Plagiaten.

VroniPlag-Akteur und Jurist Gerhard Dannemann sagte über die Arbeit von SPD-Ministerin Giffey gegenüber dem „Spiegel“: „Nach meinem bisherigen Eindruck ist das ein ernst zu nehmender Fall.“ Er selbst habe Teile der Dissertation gesichtet.

Es gebe in der Disseration von SPD-Politikerin Giffey „zahlreiche wörtliche und sinngemäße Textübernahmen, die nicht als solche kenntlich gemacht sind“, berichtet das Magazin. In „mindestens 68 Fällen“ habe die Verfasserin zudem Aussagen ganz oder teilweise mit Quellen belegt, „die dem Anschein nach willkürlich gewählt sind“ oder mit denen sich das Geschriebene nicht ausreichend belegen lasse.

FU Berlin will Giffeys Disseration prüfen

Dannemann hat sich aber noch kein abschließendes Urteil gebildet – und warnte vor voreiligen Schlüssen. Etwa hundert weitere Stellen, die einer der VroniPlag-Aktivisten beanstandet hat, müssten noch nach dem Vier-Augen-Prinzip geprüft werden.

Franziska Giffey selbst geht in die Offensive. „Ich habe diese Arbeit nach bestem Wissen und Gewissen verfasst“, sagte sie auf Anfrage. Sie habe ihre Arbeit nun zur Prüfung an die Berliner Hochschule gegeben. Den Fall müsse die Freie Universität Berlin (FU) nun bewerten. Die FU will der Bitte der Ministerin laut „Spiegel“ nachkommen.

Ähnlich äußerte sich die Ministerin auf Facebook.

VroniPlag deckte auch Plagiat von Karl-Theodor zu Guttenberg auf

Die Plagiatsjäger von VroniPlag haben in den vergangenen Jahren bereits mehrere Fälle von plagiierten Arbeiten öffentlich gemacht. Erst vor wenigen Tagen entzog die FU Berlin dem Berliner CDU-Politiker Frank Steffel den Doktortitel, nachdem die Website erste Hinweise auf grobe Fehler gegeben hatte.

Auch Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen war bereits im Visier von VroniPlag. Die CDU-Ministerin durfte ihren Doktortitel aber am Ende behalten, nachdem die Medizinische Hochschule Hannover zumindest im Ergebnisteil der Arbeit kein Mängel festgestellt hatte.

Im Jahr 2017 entzog die Uni Münster acht Ärzten den Doktortitel, nachdem VroniPlag auf Mängel hingewiesen hatte. (sdo)

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