Übergriffe

Feuerwehr fordert Polizeischutz für Silvesternacht

Einsatzkräfte werden immer häufiger attackiert, klagt die Feuerwehrgewerkschaft.

Einsatzkräfte werden immer häufiger attackiert, klagt die Feuerwehrgewerkschaft.

Foto: Britta Pedersen/dpa

  Rettungskräfte werden häufiger attackiert. Manche rüsten sich mit Schutzwesten aus. Polizeigewerkschaft sieht generellen Begleitschutz skeptisch.

Angesichts zunehmender Gewalt gegen Einsatzkräfte fordert die Feuerwehrgewerkschaft Polizeischutz für die Silvesternacht. „Unsere Kollegen werden an Silvester mit Raketen und Böllern beschossen, mit Steinen beworfen, angepöbelt und an ihrer Arbeit gehindert“, berichtet Dirk Viertelhaus, der Landesvorsitzende der Feuerwehrgewerkschaft in Nordrhein-Westfalen. Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) reagiert skeptisch auf die Forderung.

Laut Viertelhaus sind zunehmende Gewalt und Respektlosigkeit gegenüber Feuerwehr und Rettungskräften ein generelles Problem. „Wir haben immer mehr und immer größere Bereiche, in die wir nur noch mit Bauchschmerzen fahren“, klagt der Feuerwehrgewerkschafter im Gespräch mit der NRZ. Um sich gegen Übergriffe zu wappnen, hätten sich manche Einsätzkräfte bereits privat mit Schutzwesten ausgestattet oder mit Pfefferspray ausgerüstet. Das seien „unhaltbare Zustände“, so Viertelhaus.

Besonders krass seien die Übergriffe in der Silvesternacht, in der die Enthemmung durch Alkoholkonsum und der exzessive Gebrauch von Feuerwerk eine explosive Mischung ergäben. Er unterstütze daher die Forderung des Bundesverbandes nach Polizeischutz speziell in dieser Nacht, betont Viertelhaus – auch wenn ihm klar sei, dass dies angesichts der Personalnot bei der Polizei „ein stückweit nicht realistisch“ ist.

Michael Mertens, der Landesvorsitzende der GdP, schätzt das Gewaltpotenzial der Silvesternacht ähnlich ein wie Viertelhaus. Eine generelle Doppelstreife hält er aber für „personell unrealistisch“. Die Forderung der Feuerwehrgewerkschaft sei wohl vorrangig als „Hilferuf an die Gesellschaft“ zu verstehen, so Mertens.

Das NRW-Innenministerium will sich nicht auf eine Diskussion über einen möglichen Polizeischutz für Einsatz- und Rettungskräfte einlassen. „Jeder Angriff, körperlich oder verbal, auf diejenigen, die in uns Notsituationen helfen, ist einer zu viel“, so ein Sprecher des Ministeriums auf Anfrage. Dafür gebe es keine Entschuldigung, auch nicht Alkohol. „Die NRW-Polizei verfolgt jeden dieser Angriffe konsequent“, betont der Ministeriumssprecher.

Gewerkschafter Viertelhaus wünscht sich zumindest eine harte Bestrafung für Menschen, die Einsatzkräfte attackieren. Viele Verfahren würden mit der Begründung eingestellt, es gebe kein öffentliches Interesse, klagt er. „Da kommt uns die Galle hoch.“ Die Justiz müsse wesentlich härter durchgreifen. „Mit dem Schmusekurs kommt man nicht weiter“, so der Landesvorsitzende.

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In der Silvesternacht 2017 wurden in NRW laut Innenministerium 14 Fälle gemeldet, bei denen Feuerwehr- und Rettungskräfte attackiert wurden. Ein Feuerwehrmann wurde dabei leicht verletzt. Bei vier der 14 Attacken schossen Unbekannte mit Feuerwerkskörpern auf vorbeifahrende Feuerwehr- oder Rettungsfahrzeuge.

In NRW gab es Ende 2017 9.863 Berufsfeuerwehrmänner und 87.048 Angehörige der Freiwilligen Feuerwehren.

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