Demonstration

Experten: „Mütter gegen Gewalt“ Teil eines rechten Netzwerks

Anfang März fand eine Demonstration unter dem Titel „Mütter gegen Gewalt“ in Bottrop statt. Weitere Aktionen sind derzeit im Ruhrgebiet geplant.

Anfang März fand eine Demonstration unter dem Titel „Mütter gegen Gewalt“ in Bottrop statt. Weitere Aktionen sind derzeit im Ruhrgebiet geplant.

Foto: Thomas Gödde

Essen.   Unter dem Deckmantel „besorgter Bürger“ sammeln sich Strömungen mit Kontakten ins rechte Milieu. Im Revier wollen 1600 Menschen aufmarschieren.

Sie stellen sich als besorgte Eltern dar, nennen sich „Mütter gegen Gewalt“ und inszenieren sich als Vorkämpfer für den Schutz von Frauenrechten und Kindern: In mehreren Städten des nördlichen Ruhrgebiets tauchen derzeit Gruppierungen auf, die Straftaten von Flüchtlingen nutzen, um gegen Zuwanderung mobil zu machen. Auf eine Bottroper Großveranstaltung im März folgen an diesem Wochenende Kundgebungen in Duisburg-Neumühl und Essen-Steele mit rund 1600 erwarteten Teilnehmern – Mitte Mai soll Recklinghausen Kulisse eines vierten Aufmarsches sein.

Experten sehen Verbindungen der neuen Gruppen ins rechte Milieu und warnen vor einem neuen Netzwerk von Populisten und Extremen in der Region. „Unter dem Deckmantel des besorgten Bürgers sammeln sich rechte Strömungen, die noch vor einigen Jahren streng voneinander getrennt waren“, sagt der Extremismusforscher Alexander Häusler von der Fachhochschule Düsseldorf. Dass NPD-Politiker, Hooligans, Rechtspopulisten und verunsicherte Bürger gemeinsam demonstrierten, beobachte er mit Sorge: „Damit besteht die Gefahr, dass auch gewaltaffinen Strömungen Vorschub geleistet wird.“

Auch zur AfD gibt es Verbindungen

Wie eng die Verbindung zwischen den Demonstrationen und dem rechten Milieu ist, haben Fachleute der mobilen Beratungsstellen gegen Rechtsextremismus am Beispiel der Bottroper Initiatorin „Mona Maja“ analysiert. Sie hatte wenige Tage, nachdem im Dezember ein Flüchtling seine 15-jährige Ex-Freundin im pfälzischem Kandel erstochen hat, erstmals auf Facebook zur Demo aufgerufen.

In einem tausendfach geteilten Video zeichnete sie das Zerrbild einer Gesellschaft mit „abgestochenen Frauen ohne Ende“ und einer Regierung, die nichts zum Schutz ihrer Bürger tue. In der rechten Szene einflussreiche Medien wie „Journalistenwatch“ oder „Epoch Times“ warben für die Bottroper „Wut der deutschen Frauen“, Pro Köln lud „Mona Maja“ zum Neujahrsempfang. Auch zur AfD gibt es Verknüpfungspunkte. Auf der eigentlichen Kundgebung standen Hooligans und Rechte aus dem Umfeld der Dortmunder Neonaziszene.

Innenministerium beobachtet „Elterngruppen“

„Solche Verknüpfungen kannte man bisher nur aus den sozialen Netzwerken, jetzt aber gehen diese Gruppen gemeinsam auf die Straße“, sagt Heiko Klare von der Rechtsextremismusstelle in Münster. Auch bei den Kundgebungen vom Wochenende werde das zu beobachten sein: In Duisburg treten Mona Majas „Mütter gegen Gewalt“ mit Pegida auf, in Essen patrouillieren schon im Vorfeld Hooligans. Die Essener Organisatorin stand noch in Bottrop auf der Bühne.

Nur aufs Ruhrgebiet sei diese Bewegung der besorgten Eltern nicht zu konzentrieren, sagt Nina Bramkamp von der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus im Regierungsbezirk Düsseldorf. „Sie ist anlassbezogen“, sagt Bramkamp. „Jeder Vorfall wie der in Kandel, der sich instrumentalisieren lässt, wird auch missbraucht werden.“

Das NRW-Innenministerium erklärte, die „Elterngruppen“ genau zu beobachten. Ein Sprecher unterstrich, dass der behauptete Zusammenhang von Flüchtlingsmigration und Gewalttaten gegen Frauen statisch nicht zu belegen sei.

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