Enklave

Bericht: Türkische Armee bombardiert syrische Region Afrin

Recep Tayyip Erdogan plant die Belagerung der von kurdischen Milizen kontrollierten syrischen Stadt Afrin

Recep Tayyip Erdogan plant die Belagerung der von kurdischen Milizen kontrollierten syrischen Stadt Afrin

Foto: HANDOUT / REUTERS

Istanbul  Die Türkei will weiter in den Krieg in Syrien eingreifen. Nun plant Präsident Erdogan die Belagerung der kurdischen Enklave Afrin.

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Syriens fast siebenjähriger Bürgerkrieg ist innerhalb nur weniger Stunden an zwei Fronten eskaliert. Im Norden des Landes bombardierte die türkische Armee die Region Afrin, nachdem dort syrische Regierungskräfte zur Unterstützung kurdischer Truppen eingerückt waren, wie die staatliche syrische Nachrichtenagentur Sana am Dienstag meldete.

Im Zentrum Syriens erlebte das Rebellengebiet Ost-Ghuta eine der blutigsten Angriffswellen seit Beginn des Konflikts mit mehr als 200 Toten in weniger als 48 Stunden. Darunter befinden sich auch Dutzende Frauen und Kinder, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte meldete. Mehr als 1100 Menschen seien verletzt worden, viele davon schwer.

Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan hatte zuvor eine Belagerung der von kurdischen Milizen kontrollierten syrischen Stadt Afrin angekündigt. Man werde das Stadtzentrum „in den nächsten Tagen“ belagern, sagte Erdogan am Dienstag vor seiner islamisch-konservativen Regierungspartei AKP in Ankara.

„Auf diese Weise wird die Hilfe von außen blockiert und die Terrororganisation wird nicht mehr die Möglichkeit haben, mit jemandem einen Handel einzugehen“, sagte Erdogan. Das türkische Militär hatte die

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gegen die

in Nordwestsyrien vor einem Monat begonnen. Die türkische Armee ist nach Angaben der Syrischen Beobachtungsstelle für Menschenrechte allerdings noch mehr als 17 Kilometer von der Stadt Afrin entfernt.

Die YPG sind

gegen die Terrormiliz Islamischer Staat (IS) in Nordsyrien. Die Türkei dagegen stuft die YPG wegen enger Verbindungen zur verbotenen kurdischen Arbeiterpartei PKK als terroristisch ein. Die PKK steht auch in der EU und den USA auf der Liste der Terrororganisationen.

Vorwürfe von Syriens Kurden gegen Russland

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Die YPG und Syriens Regierung verhandeln über die Entsendung regierungstreuer Kräfte in die Region Afrin zur Unterstützung der kurdischen Kämpfer. Syriens Kurden werfen Russland jedoch vor, ein Abkommen mit der syrischen Regierung zu verhindern.

Grünen-Politikerin Claudia Roth kritisierte die Ankündigung scharf. Sie forderte die Nato und Deutschland auf, „mit allen diplomatischen Mitteln“ zu verhindern, dass es zu „Kriegsverbrechen wie dem Aushungern durch ein Nato-Mitglied“ komme.

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Schon am Sonntagabend gab es dort viele Tote. Allein am Montag starben dann den Angaben zufolge 127 Zivilisten. Es handele sich um die höchste Opferzahl an nur einem Tag seit drei Jahren, erklärten die Menschenrechtler. Auch am Dienstag seien die Angriffe weitergegangen - dabei seien mindestens 66 Menschen getötet worden. Wahrscheinlich seien auch russische Flugzeuge an den Angriffen beteiligt gewesen, erklärten die Menschenrechtler. Erst Anfang des Monats hatte Ost-Ghuta eine der blutigsten Wochen seit Jahren erlebt. Ost-Ghuta ist seit Monaten von Regierungstruppen eingeschlossen.

Der Bürgerkrieg hatte im März 2011 mit Protesten gegen die autoritäre Regierung von Machthaber Baschar al-Assad begonnen. Die Region Ost-Ghuta gehört zu den letzten Gebieten, die noch unter Kontrolle von Rebellen stehen. Dominiert werden sie von islamistischen Milizen (dpa)

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