Amokfahrten

Amokfahrt von Bottrop: Wenn das Auto zur Waffe wird

Hier fuhr der Mercedes in der Silvesternacht in die Menge der Feiernden: Der Berliner Platz im Stadtzentrum von  Bottrop

Hier fuhr der Mercedes in der Silvesternacht in die Menge der Feiernden: Der Berliner Platz im Stadtzentrum von Bottrop

Foto: Marcel Kusch

Essen.   Attacken auf Menschen mit dem Pkw gibt es öfter, als man denkt. Und längst nicht alle haben einen terroristischen Hintergrund.

Es ist in Nizza und Berlin passiert, in Barcelona und London aber auch in Münster und jetzt in Bottrop. Immer wieder nutzen Terroristen oder psychisch gestörte Einzelgänger Autos als Waffen. Allein in den letzten drei Jahren verloren dabei weltweit mehr als 150 Menschen ihr Leben.

Das Phänomen ist älter, als man denkt. Als erste belegbare Mordattacke mit einem Auto gilt eine Amokfahrt in Prag im Sommer 1973. Dort sterben am 10. Juli acht Menschen, die am Strossmayerplatz auf eine Straßenbahn warten, als die damals 22-jährige Olga Hepnarová mit ihrem LKW in die Menschenmenge rast. Ihr Motiv hatte sie zuvor aufgeschrieben. „Rache an denen, die mich hassen.“

Motive sind unterschiedlich

Seitdem gelten Attacken durch Rammen und Überfahren über Jahrzehnte als Merkmal von Affekttaten psychisch kranker Täter. Im November 1980 rast eine Frau in Reno, Nevada mit bis zu 60 km/h über einen Bürgersteig, sechs Menschen sterben. Sie habe, sagt sie später „einfach töten wollen“. Drei Jahre später steuert ein Lkw-Fahrer in Australien seinen 25-Tonnen-Truck in eine Kneipe und tötet fünf Gäste. Der angetrunkene Mann ist wütend, weil der Wirt ihn rausgeworfen hatte.

Im April 2009 fährt ein 38-jähriger Niederländer in Apeldoorn mit seinem Auto in eine Menschenmenge, die den öffentlichen Auftritt der Königsfamilie feiert, weil er mit sich und dem Leben unzufrieden ist Sieben Menschen verlieren ihr Leben. Und erst im vergangenen Jahr tötet ein 48-Jähriger bei einer Amokfahrt in Münster fünf Menschen und erschießt sich anschließend selbst.

Terroristen kommen leicht sogar an Lkw

Mittlerweile gehören Autos auch zum Waffenarsenal von Attentätern und Terroristen. Nachdem ein IS-Sympathisant im Juli 2016 mit einem Lkw über die Promenade von Nizza rast und 86 Menschen tötet, finden sich zahlreiche Nachahmer. In Deutschland kommt es im Dezember 2017 zum Anschlag am Breitscheidplatz in Berlin. Bei der Amokfahrt des Anis Amri sterben elf Besucher eines Weihnachtsmarktes.

Schon zuvor ist es zu Attacken in Barcelona, Stockholm und gleich mehrfach in London gekommen, bei der Dutzende Menschen sterben oder schwer verletzt werden. Dass Fahrzeuge von Terroristen gerne als Waffe genutzt werden, wundert Experten nicht. Denn es ist kein großes Problem, an ein Auto oder sogar einen Lkw zu kommen und flächendeckend lassen sich Menschenansammlungen nicht wirksam schützen.

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