Politisches Forum Ruhr

dm-Gründer Götz Werner wirbt in Essen für Grundeinkommen

Götz Werner in der Messe Essen.

Foto: Matthias Graben

Götz Werner in der Messe Essen. Foto: Matthias Graben

Essen.   Anthroposoph, dm-Gründer und einer der reichsten Männer des Landes: Querdenker Götz Werner warb in Essen für seine Idee vom Geld für Jedermann.

Götz Werner gilt als Querdenker unter den deutschen Unternehmern. Diesem Ruf wurde der Gründer der größten deutschen Drogeriemarktkette dm am Dienstagabend auch in Essen gerecht. Der 73-Jährige, der sein aus kleinsten Anfängen entwickeltes Einzelhandelsimperium nach anthroposophischen Grundsätzen aufgebaut und Vertrauen, Kreativität sowie die Persönlichkeitsentwicklung seiner inzwischen über 50 000 Mitarbeiter zu den Säulen seiner Firmenpolitik erklärt hat, denkt wie wohl kein zweiter Wirtschaftsboss „um die Ecke“. Davon konnten sich die zahlreichen Gäste des Politischen Forums Ruhr überzeugen. Ein klassisches Erklärstück aus dem Wirtschaftsleben stand im Saal Europa der Messe Essen jedenfalls nicht auf der Agenda.

Schwenk in Richtung Anton Schlecker

„Erfolg hat Folgen!“ hatte Werner seinen knapp einstündigen Vortrag getitelt. Das kann vieles bedeuten. Oder auch nichts. Für Götz Werner ist das Thema eine Art Geisteshaltung. „Erfolg heißt: Ich darf nicht auf die selbe Art weiter machen, mit der ich zum Erfolg gekommen bin. Das ist die Methode“, sagt der Mann, der nie eine Hochschule von innen gesehen hatte, bis er 2003 einen Ruf an die Universität Karlsruhe bekam: als Professor für Unternehmertum.

Einen Schwenk hin zu Anton Schlecker, den großen Konkurrenten von einst, kann Werner sich an dieser Stelle nicht verkneifen. Erfolg wird immer dann gefährlich, wenn man ihn nur genießt, meint der Heidelberger mit Blick auf den derzeit vor Gericht stehenden, tief gefallenen Drogeriemarktkönig aus Ulm.

Das bedingungslose Grundeinkommen

Werner, erkennbar ohne Manuskript unterwegs, liebt den Kontakt mit den Menschen. Gleich zu Beginn lässt er im Saal das Licht aufdrehen. Denn: „Ich will Sie ja sehen, auch in der letzten Reihe“. Manchmal überrascht Götz Werner seine Zuhörer mit frappierender Banalität. Erfolg, sagt er, führe zwangsläufig zu Wachstum, das wiederum mehr Komplexität nach sich ziehe. Das sei, naja, wie in der Küche: „Wenn ich Spargelsoße für drei Personen machen kann, heißt das nicht, dass ich es auch für 30 kann.“

Zum Schluss erklärt der Mann, den Jost Lübben, Chefredakteur der zur Funke Mediengruppe gehörenden Westfalenpost, eingangs als „herausragende Unternehmerpersönlichkeit“ begrüßte, noch sein Lieblingsthema: das bedingungslose Grundeinkommen für jedermann. Glaubt man Götz Werner, der zu den reichsten Männern des Landes zählt, lässt sich das Thema auf einen schlichten Dreisatz reduzieren: „Ich brauche Einkommen, um zu leben, dann kann ich arbeiten.“

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