Diesel-Chaos

Diesel-Wirrwarr setzt Autohändler im Ruhrgebiet unter Druck

Ein Prozentzeichen klebt auf der Scheibe eines Autos. Doch auch das lockt die Kunden offenbar nicht: Die Händler klagen über schwierige Zeiten.

Ein Prozentzeichen klebt auf der Scheibe eines Autos. Doch auch das lockt die Kunden offenbar nicht: Die Händler klagen über schwierige Zeiten.

Foto: Sebastian Gollnow/dpa

Essen.   Die Politik verspricht Prämien beim Kauf eines neuen Diesel. WAZ-Stichproben ergaben: Seinen Alt-Pkw loszuwerden, ist so einfach nicht.

Die von der Bundesregierung als Lösung im Kampf gegen Diesel-Fahrverbote präsentierten Umtauschprämien für alte Diesel sorgen für Ärger und Verwirrung in den Autohäusern. WAZ-Stichproben ergaben, dass die Händler sehr unterschiedliche Prämien und Umtauschbedingungen anbieten. Auch wurde vom Kauf eines Neuwagens abgeraten oder empfohlen, den Wagen zu behalten. Experte Ferdinand Dudenhöffer spricht von einem „Prämienwirrwarr“.

Die Autohändler sehen sich selbst als Opfer der zwischen Bundesregierung und der Autoindustrie ausgehandelten Prämienlösung. Weil sie auf den alten Dieseln sitzen blieben. „Seit drei Jahren ist bekannt, dass die Hersteller geschummelt und betrogen haben, unternommen hat die Regierung dagegen nichts. Auf den Wertverlusten der Diesel bleiben nun die Kunden, aber auch die Händler sitzen – das ist kalte Enteignung“, kritisierte Frank Mund, Präsident des Verbands des Kfz-Gewerbes in NRW.

Hohe Verluste befürchtet

Die Händler sitzen nach eigenen Angaben bereits auf 350.000 Euro5-Dieseln fest. Sie befürchten hohe Verluste vor allem durch die vielen Leasing-Rückläufer. Die Restwerte, die vor drei Jahren beim Kauf eines neuen Diesel festgelegt wurden, seien nicht mehr erzielbar. Die Händler befürchten daher auch Insolvenzen kleinerer Betriebe durch die Diesel-Problematik. Durch die Untätigkeit der Regierung werde dies noch verschärft, meint Verbandspräsident Mund und spricht von „Politikversagen“. Er fordert Hardware-Nachrüstungen auf Kosten der Hersteller.

Bei Probekäufen dieser Redaktion wurden bei Abgabe eines Fiat Punto mit Euro5-Diesel auf einen neuen Ford Fiesta und einen Renault Clio je 3000 Euro Wechselprämie angeboten, für einen VW Up 500 Euro – jeweils bei Inzahlungnahme des Punto.

In einer Auswertung für die WAZ fand das Car-Institut der Uni Duisburg-Essen bei Internethändlern von Neuwagen normale Basisrabatte, die höher liegen als die Umweltprämie. Mit Umweltprämie sind insgesamt höhere Rabatte drin, sie werden aber außer bei VW miteinander verrechnet. Bei VW gibt es bei Verschrottung alter Diesel der Normen 1 – 4 deutlich höhere Prämien als bei Inzahlungnahme eines neueren Euro5-Diesel.

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