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„Die Partei“ kapert und verändert 31 geheime AfD-Gruppen

In bislang geheimen Gruppen der AfD haben nun Administratoren von der Satirepartei „Die PARTEI“ die Kontrolle übernommen.

Foto: Reuters/Montage FMG

In bislang geheimen Gruppen der AfD haben nun Administratoren von der Satirepartei „Die PARTEI“ die Kontrolle übernommen. Foto: Reuters/Montage FMG

Berlin  „Die Partei“ hat die Kontrolle von Dutzenden geheimen Gruppen der AfD auf Facebook übernommen. Die Inhalte werden öffentlich.

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Kurz vor der Wahl verliert die AfD ihren Einfluss auf viele Facebook-Gruppen, in denen oftmals besonders engagierte Anhänger sich im Geheimen austauschten. Mitgliedern von der „Partei“ ist es gelungen, mit falschen Accounts zu Administratoren aufzusteigen. Am Sonntag haben sie die anderen Administratoren entfernt und die Gruppen auf öffentlich gestellt.

Satiriker Shahak Shapira erklärte in einem in allen Gruppen verbreiteten Video zur Aktion: „Mein Team und ich haben die Gruppen vor elf Monaten infiltriert, nun übernehmen wir die Macht“. Unserer Redaktion liegt eine Liste der 31 Gruppen, sie haben Titel wie „Mein Vaterland“, „Der Koran“, „Guido Reil FanCLUB“ oder „Stürzenberger Michael - Gruppe“.

AfD-Facebook-Gruppen mit Zehntausenden Mitgliedern

Zusammen haben sie mehr als 180.000 Mitglieder. Die größten wie AfD 51% – das ist unser Ziel ! ! !“ und „Dr. Frauke Petry-FanCLUB“ bringen es auf mehr als 20.000. Öffentlich sind aber bislang nur Gruppen mit bis zu 5000 Mitgliedern. Aus einer Gruppe „Heimat-Liebe“ wird nun „Hummus-Liebe“, aus „Afd-Freunde“ „Die PARTEI-Freunde“.

Viele Gruppen wurden bislang als Fanclub-Zusammenschlüsse von diversen AfD-Politikern bezeichnet. Doch aus den Anhängern von Björn („Bernd“) Höcke, Beatrix von Storch oder Alexander Gauland werden nun laut Gruppennamen Fans von Serdar Somuncu, Shahak Shapira oder Jerome Boateng, wer bislang der Gruppe „Die Wahrheit über die Antifa“ angehörte, ist nun in der Gruppe „I love Antifa“.

Eine Person, die sich in einer Mail „Störenfrieda“ nennt, schrieb unserer Redaktion, man beobachte die Gruppen seit November 2016. Mit viel Arbeit, Strategie und viel Glück sei man an die Adminrechte gekommen. „Sie wurden uns freiwillig übergeben.“ Die „Partei“-Mitglieder hatten über Monate glaubwürdig als überzeugte Verfechter von AfD-Positionen auftreten müssen, um sich das Vertrauen zu erarbeiten.

Shahak Shapira legt neue Regeln fest

Shapira sagt in dem Video, eine offenbar im rheinland-pfälzischen Bad Dürkheim lebende Frau habe die Gruppen offenbar in enger Abstimmung mit Funktionären der Partei gegründet. Shapira zufolge ist auch ein Mitarbeiter der rheinland-pfälzischen AfD-Fraktion intensiv mit der Betreuung der Gruppen befasst gewesen. In Chatnachrichten sei auch deutlich geworden, dass der rheinland-pfälzische AfD-Vorsitzende Uwe Jung genau beobachtet habe, was in den Gruppen passiert und es Ärger mit ihm geben könne. Kritische Mitglieder seien rausgeworfen worden.

Bei dem Aufbau der Gruppen seien Bots im Einsatz gewesen, um Inhalte automatisiert zu posten. Hinweise dazu hatte die FAZ bereits aufgegriffen. Shapira im Video: „Von nun werden sie ausschließlich von echten Menschen verarscht!“.

Er legt dann auch direkt los mit neuen Regeln für die Gruppen: „Hetze gegen Muslime ist aber sofort gegen Mekka auszurichten. Kritik am Gender-Irrsinn muss geschlechtsneutral formuliert werden.“ Shapira schließt mit einem Wahlaufruf für die „Partei“ und einer weiteren Breitseite gegen die AfD: „Wer eine Facebook-Gruppe nicht aufrecht erhalten kann, wird es mit einem ganzen Land erst recht nicht schaffen.“

Facebook sperrte Anonymous-Seite

Der bekannteste Fall einer feindlichen Übernahme einer Gruppe oder Seite auf Facebook war bisher die Seite „Anonymous.Kollektiv“, die die reichweitenstärkste rechte Hassseite war. Viele Nutzer glaubten, es dort mit den Hackern zu tun zu haben, die für freies Internet, gegen IS und Scientology arbeiten.

So war die Seite auch entstanden – doch dann soll einer der Administratoren die anderen drei rausgeworfen haben. Die Seite und der Ruf der Anonymous-Bewegung unter jungen Leuten wurde nun genutzt, um Hetzartikel zu verbreiten und für einen Waffenshop „Migrantenschreck“ zu werben. Facebook hat die Seite schließlich gesperrt, der Betreiber ist nun auf dem russischen Netzwerk vk aktiv.

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