Religion

250 Religionsgemeinschaften im Revier: Kann das gut gehen?

Ein Muslim beim Gebet.

Foto: Hayrettin Özcan/WAZFotoPool

Ein Muslim beim Gebet. Foto: Hayrettin Özcan/WAZFotoPool

Bochum.   250 Religionsgemeinschaften leben im Ruhrgebiet zusammen. Das birgt viel Konfliktstoff. Forscher untersuchen, wie man diese vermeiden kann.

Der Islam gehört zu Deutschland – viel wurde über diesen Satz gestritten. Antworten könnte man mit einer Gegenfrage: Welche Religionen denn noch? Das Revier ist nicht nur ein Schmelztiegel vieler Nationalitäten, sondern auch der Religionen. „Hier leben rund 250 verschiedene Glaubensgemeinschaften, neben den großen christlichen Kirchen und der wachsenden Gruppe von Muslimen allein etwa 70 freikirchliche evangelische Bewegungen“, sagt der Bochumer Religionswissenschaftler Volkhard Krech. Buddhisten, Hindus, Baptisten, Jehovas Zeugen, Sikhs, Mennoniten, Pfingstgemeinden – er könne sie gar nicht alle aufzählen.

Und jede lebt nach ihren Grundsätzen und Traditionen. Hinzu kommt, nicht zu vergessen, eine wachsende Zahl von Menschen, die gar keiner Glaubensgemeinschaft angehören wollen. Wie kann das gut gehen auf engem Raum? Vor allem: Wie kann das friedlich bleiben?

Schule, Altenheime, Gerichte – Forscher gehen dorthin, wo die Probleme sind

Genau mit dieser Frage beschäftigt sich ein gemeinsames Forschungsprojekt der Universitäten Münster und Bochum, das jetzt mit Unterstützung der Landesregierung gestartet wurde und die „Herausforderungen der Religionsvielfalt“ in der Region in den Blick nehmen soll. Bis zum Jahr 2020 finanziert das Land das neue Forschungskolleg mit 2,1 Millionen Euro, unter dessen Dach Nachwuchsforscher elf konkrete Projekte erarbeiten sollen.

Der Clou dabei: Die Arbeiten sollen nicht im akademischen Elfenbeinturm stattfinden, sondern die Forscher sollen dorthin gehen, wo sich Schnitt- und Bruchstellen zwischen Religionszugehörigkeit und Lebenswelt zeigen, erklärt Krech. Und davon gibt es viele: in Schulen, Gerichten, bei der Polizei, in der Wirtschaft, in Krankenhäusern, in Politik und Recht. Und zum Beispiel in der Altenpflege. Wie pflegt man Menschen, die nach bestimmten religiösen Regeln leben, ist es ein Problem, Muslime oder Hindus zu untersuchen? Wo gibt es Spannungen, die mit religiösen Grundsätzen zu tun haben, welche Strategien können helfen?

Alternativen für ein besseres Zusammenleben der verschiedenen Religionen

Ein weiteres Projekt fragt nach Bedingungen einer gelungenen Integration in Schule und Stadtgemeinschaft. Welche Konflikte tauchen hier auf durch Tradition, Erziehung und Religion und wie lassen sie sich vermeiden? Ein anderes Projekt nimmt das Berufsleben in den Blick, und fragt dabei auch, ob religiöse Werte Frauen von der Berufstätigkeit abhalten.

So groß im Ruhrgebiet die Zahl der Religionsgemeinschaften ist, so vielfältig sind auch die möglichen Konflikte. „Patentrezepte können unsere Forschungen nicht liefern“, gesteht Volkhard Krech, Sprecher des Forschungskollegs. „Aber wir können Alternativen aufzeigen, mit der religiösen Vielfalt besser umzugehen.“

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