Pandemie

Corona: In diesen Bundesländern gilt das Beherbergungsverbot

Länder fordern negative Corona-Tests von Reisenden aus deutschen Risikogebieten

Etliche Bundesländer wollen künftig negative Corona-Tests von Urlaubern aus innerdeutschen Risikogebieten verlangen. Das sagte Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) in Kiel nach einer Schaltkonferenz von Bund und Ländern.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Unter den Bundesländern herrscht keine Einigkeit, wie es mit dem Beherbergungsverbot weitergehen soll. Wo gilt es? Wo jetzt nicht mehr?

  • Die Beherbergungsverbote für Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands sorgen für Ärger
  • Während einige Länder sie aufrecht erhalten, werden sie von anderen deutlich kritisiert
  • Auch das Robert-Koch-Institut hält sie für ungeeignet im Kampf gegen die Corona-Pandemie
  • Doch was bedeutet Beherbergungsverbot überhaupt? Wo gilt es? Ein Überblick über alle wichtigen Fragen

Für Risikogebiete im Ausland ist die Sache klar: Wer aus dem Spanienurlaub kommt, muss in Quarantäne oder einen negativen Corona-Test vorlegen. Doch was ist mit innerdeutschen Risikogebieten?Touristen etwa aus dem aktuellen Corona-Hotspot in Berlin-Mitte können nicht einfach auf Sylt Urlaub machen. Oder: Wer aus Hamm in Westfalen kommt, darf derzeit nicht einfach nach Rügen reisen.

Die sogenannten Beherbergungsverbote für Reisende aus Risikogebieten innerhalb Deutschlands sorgen bei Herbst-Urlaubern für große Verwirrung und auch für Ärger. Unter den Bundesländern herrscht keine Einigkeit, wie es damit weitergehen soll – das Thema wurde am Mittwochabend von Bund und Ländern bis zum 8. November vertagt. Jedes Bundesland handhabt das Beherbergungsverbot daher anders und reagiert unterschiedlich streng.

Was sieht das Verbot derzeit vor?

Für Reisende aus einem Risikogebiet gilt: Die Übernachtung ist nur erlaubt mit dem Nachweis eines negativen Corona-Tests, der nicht älter als 48 Stunden ist. Urlauber müssen hier aber Details beachten: Manchmal zählt bei dieser Frist das Datum auf der Testbescheinigung, woanders der Zeitpunkt des Abstrichs. Geregelt wird das zum Beispiel über die Verordnungen der Bundesländer. Als Risikogebiet gelten in der Regel Städte und Kreise mit mehr als 50 Corona-Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb der jeweils vorangegangenen sieben Tage.

Hintergrund: Corona-Hotspots in Deutschland: Hier steigen die Zahlen

RKI warnt vor "unkontrollierbarer" Verbreitung von Coronavirus
RKI warnt vor unkontrollierbarer Verbreitung von Coronavirus

Gilt das Verbot auch für private Übernachtungen?

Nein. Auch wer in einem Risikogebiet wohnt, kann weiterhin bei seiner Familie, Freunden und anderen Bekannten übernachten.

Lesen Sie hier: Diese Länder in Europa sind Corona-Hotspots.

In diesen Bundesländern gilt das Beherbergungsverbot:

  • Schleswig-Holstein hält an seinen strengen Corona-Auflagen für Touristen aus inländischen Risikogebieten fest. Menschen aus Risikogebieten, in denen mehr als 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner binnen sieben Tagen festgestellt werden, dürfen nur mit einem negativen Corona-Test in Hotels oder Ferienwohnungen übernachten dürfen. Der negative Corona-Test darf maximal 48 Stunden vor der Einreise vorliegen. Für Berufsreisende und Zweitwohnungsbesitzer gilt die Regelung nicht.
  • Sachsen-Anhalt: Das Beherbergungsverbot für Menschen aus Corona-Hotspots gilt auch hier unverändert. Ausgenommen sind Urlauber, die einen maximal zwei Tage alten negativen Test vorlegen können.
  • Hessen: Hier gilt das Beherbergungsverbot für Reisende aus Risikogebieten noch. Wer mit einem ärztlichen Attest nachweisen kann, dass keine Anhaltspunkte für eine Corona-Infektion vorliegen, darf übernachten. Allerdings plant das Bundesland die Abschaffung des Verbots. Das Kabinett will dazu am 19. Oktober beraten.

Risikogebiet: Berlin ist Corona-Hotspot
Risikogebiet- Berlin ist Corona-Hotspot

In diesen Bundesländern gilt das Beherbergungsverbot nicht bzw. nicht mehr:

  • Brandenburg: Das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg hat das Beherbergungsverbot in Brandenburg für Gäste aus Corona-Hotspots vorläufig gestoppt. Das Gericht habe zwei Eilanträgen stattgegeben, teilte es am Freitagabend mit.
  • Saarland: Hier gab es seit Ende Juni ein Beherbergungsverbot für Reisende aus Corona-Risikogebieten, es sei denn sie konnten einen ärztlich attestierten, negativen Corona-Test vorlegen, der nicht älter als zwei Tage ist. Nun nicht mehr. Das Saarland streicht das Beherbergungsverbot. Damit entfällt ab 16. Oktober für Reisende aus innerdeutschen Hotspots die Pflicht, bei der Übernachtung im Saarland einen negativen Corona-Test vorzulegen, wie Regierungssprecher Alexander Zeyer am Donnerstag mitteilte.
  • Rheinland-Pfalz: Hier war ursprünglich geplant, dass zum 13. Oktober ein Beherbergungsverbot kommt, doch das wurde dann gestoppt. Insofern gibt es derzeit keine Einschränkungen.
  • Bayern lässt das Beherbergungsverbot an diesem Freitag auslaufen. Die Staatsregierung verzichte auf eine Verlängerung der Vorschrift. wie Staatskanzleichef Florian Herrmann mitteilte.
  • Baden-Württemberg: Hier gibt es keine Einreiseverbote oder Quarantänepflicht für Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten. Weitere Beherbergungsverbote sind am Donnerstag vom Verwaltungsgerichtshof in Baden-Württemberg mit sofortiger Wirkung außer Vollzug gesetzt worden. Zuvor hatten Reisende aus innerdeutschen Risikogebieten in Pensionen und Hotels nur dann übernachten dürfen, wenn ein höchstens 48 Stunden alter negativer Corona-Test vorgelegen hat.
  • Niedersachsen: Das niedersächsische Oberverwaltungsgericht hat das Beherbergungsverbot in einem Eilverfahren für rechtswidrig erklärt. Der Beschluss sei unanfechtbar, teilte das Gericht am Donnerstag in Lüneburg mit. Geklagt hatte der Betreiber eines Ferienparks.
  • Thüringen lehnt ein solches Verbot bislang ab. Ministerpräsident Ramelow betonte, dass die Länder dieses Thema nach den Herbstferien gemeinsam neu bewerten wollen. „Wir wollen sehen, wie unterschiedlich sich die Dinge entwickeln“, sagte Ramelow.
  • Berlin hat sich gegen die Einführung von Beherbergungsverboten entschieden. Das teilte eine Sprecherin des Senats mit. „Jedes Bundesland muss für sich selbst die Entscheidung treffen, wie es die Pandemie eindämmen kann. Der Berliner Senat hat hier in den letzten Wochen weitreichende Maßnahmen verabschiedet, oft weitreichender als andere Bundesländer.“
  • Sachsen will auf eine Umsetzung des Beherbergungsverbots verzichten. Das Beherbergungsverbot treffe Menschen, „die nichts mit der Krankheit zu tun haben“, sagte der sächsische Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) am Donnerstag. Landessozialministerin Petra Köpping (SPD) betonte, das Beherbergungsverbot werde ab Samstag aufgehoben. „Es gibt kein Indiz dafür, dass sich die Coronavirus-Infektion überdurchschnittlich über Aufenthalte in Hotels und Pensionen verbreitet“, erklärte Köpping. Es gehe auch darum, die Akzeptanz in der Bevölkerung für die bestehenden Regeln und Maßnahmen aufrecht zu erhalten. „Das Beherbergungsverbot hat sich in der Praxis nicht bewährt und darum haben wir entschieden, es zu streichen“, sagte Köpping.
  • Nordrhein-Westfalen hat das Beherbergungsverbot gar nicht erst eingeführt. „Das Beherbergungsverbot setzt falsche Anreize: Es zwingt Menschen, sich vor einer Hotelübernachtung frei testen zu lassen. Wichtige Testreagenzien, die jetzt dringend gebraucht werden, werden verschwendet. Unsinnige Vorschriften gefährden die wichtige Akzeptanz der Corona-Regeln“, sagte NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU).
  • Bremen schließt Einreiseverbote aktuell auch aus.
  • Hamburg: Übernachtungsgäste müssen schriftlich bestätigen, dass sie sich in den vorangegangenen 14 Tagen nicht in einem solchen aufgehalten haben. Falls doch, können sie mit einem negativen Testergebnis übernachten, das nicht älter als 48 Stunden sein darf.
  • Mecklenburg-Vorpommern hatte bisher die schärfste Regelung. Allerdings entfällt die dort geltende Quarantänepflicht für Touristen aus deutschen Corona-Risikogebieten ab dem 21. Oktober. Dann brauchen Einreisende auch hier nur noch einen negativen Corona-Test, der nicht älter als 48 Stunden ist.

16 Bundesländer – 16 verschiedene Regeln für innerdeutsche Risikoreisen

Der Hintergrund für die unterschiedlichen Regelungen: Bund und Länder hatten sich schon Anfang Mai darauf verständigt, nicht erforderliche Mobilität in besonders vom Coronavirus betroffene Gebiete hinein und aus ihnen heraus zu beschränken, wenn die Infektionszahlen über eine Grenze von 50 Neuinfektionen pro 100.000 Einwohner innerhalb von sieben Tagen steigen.

(jb/bef/dpa)

Mehr zum Thema Corona:

Leserkommentare (6) Kommentar schreiben