Parteivorsitz

CDU-Vorsitz: So lief das erste direkte Kandidaten-Duell

Der Zauderer Armin Laschet als Kanzler – das sagt Markus Söder

Hat Armin Laschet Ähnlichkeit mit Helmut Kohl? "Optisch eher nicht", sagt Söder. Worin sich die beiden ähnlich sind, wie Söder die Grünen im Hinblick auf die Bundestagswahl sieht und welche Szene aus Laschets Biografie "Der Machtmenschliche" er am interessantesten fand, verrät das Video.

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Berlin.  Beim Duell der Kandidaten für den CDU-Vorsitz gibt es keinen Sieger. Laschet, Merz und Röttgen haben inhaltlich ihre Punkte gemacht.

Die Atmosphäre ist nüchtern, die Abstände sind groß, das Saalpublikum fehlt. Es ist Pandemie. Entsprechend läuft auch der so genannte „Pitch“ der drei Bewerber für den Top-Job der deutschen Christdemokraten am Samstagabend ab.

Die Junge Union (JU), die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU, hat Friedrich Merz, Norbert Röttgen und Armin Laschet nach Berlin eingeladen. Es sind jene drei Konkurrenten, die sich auf den Posten von CDU-Chefin Annegret-Kramp Karrenbauer bewerben. Alle drei wollen den CDU-Vorsitz übernehmen. JU-Mitglieder werden per Videokonferenz zugeschaltet und können live Fragen stellen.

Kampf um den CDU-Vorsitz: Laschet überzieht deutlich in der Redezeit

Alle drei Kandidaten stammen aus Nordrhein-Westfalen und sind sich persönlich nicht sonderlich zugetan. Doch das Aufeinandertreffen bleibt frei von Seitenhieben. Stattdessen sind die drei bestrebt, ihr Profil im parteiinternen Wettbewerb zu schärfen. Und jeder tut es auf seine Weise. Die Reihenfolge wird per Losverfahren festgelegt.

Laschet muss als erster in die Bütt. Der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen hält eine Art Mini-Regierungserklärung, präsentiert sich als erfahrenere und zupackender Krisenmanager – und überzieht deutlich in der Redezeit.

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Es gelte in der Pandemie „zwischen Grundrechten und Gesundheitsschutz“ abzuwägen und das Land gut durch die Kreise zu führen. Es sei für die CDU aber auch bei anderen wichtigen Themen wichtig, Schritt zu halten. Laschet nennt Klimaschutz, Digitalisierung, Bürokratieabbau, Innere Sicherheit, und hier etwa die Bekämpfung von Clan-Kriminalität. „Manche sagen, man müsste das jetzt anpacken. Ich sage: Das mache ich.“

Friedrich Merz setzt auf ökologischen Wandel und Europa

Merz setzt in seinem Statement auf ökologischen Wandel und Europa. Der ehemalige Chef der Unionsfraktion mahnt, Deutschland müsse wirtschafts- und finanzpolitisch aus der Coronakrise herauskommen. Er stehe für eine ökologische Erneuerung der sozialen Marktwirtschaft und mahnt mehr Geschwindigkeit an. „Dieses Land ist zu langsam geworden. Wir sind träge geworden. Wir sind nicht dort, wo wir sein sollten.“

Es brauche zudem Generationengerechtigkeit, sagt Merz. Es dürften keine Beschlüsse mehr gefasst oder Gesetze verabschiedet werden, „die die Lasten von heute in die Zukunft legen und der jungen Generation auferlegen“. Die CDU müsse zugleich die „große deutsche Europapartei bleiben“. Hier liege eine große Verantwortung auf den Christdemokraten.

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Norbert Röttgen will, dass die CDU weiblicher wird

Auch der Außenpolitiker Röttgen, der als Dritter an der Reihe ist, betont die Bedeutung der Europapolitik. Auf Deutschland komme in den nächsten Jahren „noch mehr europäische und internationale Verantwortung zu“. Röttgen sagt: „Wenn wir das europäische Haus behalten wollen, dann liegt ganz viel an uns.“

Seine eigene Partei ruft er zur Erneuerung auf. „Die CDU muss anders werden, wenn sie das bleiben will, was sie ist“, ruft Röttgen den per Videokonferenz zugeschalteten JU-Mitgliedern zu. „Wir müssen weiblicher werde, jünger, digitaler“. Die CDU müsse durch offene Debatten interessanter sein, „wir brauchen einen Willen zu verändern, einen Willen zu erneuern“, sagt Röttgen. Und Deutschland als Ganzes müsse vor allem bei Technologie und Innovation „mobiler und energischer werden. Wir müssen wieder wach werden“, fordert Röttgen.

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Als es im Verlauf der Debatte um die Frage eines User geht, wie die CDU wieder mehr Profil bekommen und die AfD bekämpft werden könne, betont Merz, die CDU müsse wieder „dezidierte Meinungen vertreten, an denen man sich dann auch reiben kann“, statt auf die „Herabsetzung des politischen Gegners“ zu setzen. Eine Volkspartei wie die CDU „misst sich nicht an anderen Parteien“, sondern versuche dafür zu sorgen, dass andere gezwungen seien, „sich an ihr zu messen“.

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Röttgen: CDU darf nicht die Themen der AfD übernehmen

Laschet und Röttgen gehen konkreter auf die AfD ein. „Wir müssen den Hassreden entschieden entgegentreten“, sagt Röttgen. Die Ursachen, warum die Partei entstanden sei, gelte es zu erkennen und zu beheben. Der Staat müsse beispielsweise versuchen zu handeln, bevor eine Krise voll da sei. In der Pandemie sei dies besser gelungen als in der Flüchtlingskrise 2015.

Laschet sagt, die CDU als Partei der Mitte könne die Menschen „offensiv ansprechen“ und beispielsweise erklären, warum Europa notwendig und wichtig sei, „um unsere Probleme zu lösen“. Die Themen der AfD halb zu übernehmen und die Partei „in der Sprache nachzuahmen“, sei dagegen falsch. Die CDU müsse „ohne Ressentiments gegen andere“ ihren Kurs durchhalten.

Ziemlich klar unterscheiden sich die Kandidaten, als der recht junge JU-Moderator fragt, in welchem Alter er nach Meinung der drei Kandidaten wohl in Rente gehen könne. Laschet bleibt vage: Es sei nicht möglich, heute ein festes Datum zu nennen. Ob mit 67 oder doch später, hakt der Moderator nach. „Es könnte vielleicht ein Tag mehr werden“, witzelt Laschet.

Röttgen will das Rentenalter anheben

Röttgen wird deutlicher: Man werde das Rentenalter anheben müssen, „um den Generationenvertrag verlässlich und stabil zu halten“, lautet seine Antwort. Merz findet hingegen, man müsse weg von einem festen Rentenalter. „Ich möchte, dass Sie in Rente gehen können, wann Sie wollen“, sagt Merz dem Moderator. Er wolle den Menschen die „Freiheit geben, selbst zu entscheiden“.

Nach gut zwei Stunden Wortwechsel drückt schließlich JU-Chef Tilman Kuban feierlich einen roten Knopf. Es ist der Start einer zweiwöchigen, digitalen Abstimmung unter den knapp 100.000 JU-Mitglieder. Sie wollen auf diesem Wege den Favoriten der Nachwuchsorganisation unter den drei Kandidaten bestimmen. Auf dem CDU-Bundesparteitag am 4. Dezember in Stuttgart stellen sich die drei zur Wahl. Von den 1001 Delegierten gehört etwa ein Zehntel der JU an. Klar ist: Ihre Stimme hat Gewicht.

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