Verteidigung

Bundeswehr: AKK fährt jetzt die Do-it-yourself-Strategie

Die größten Pannen bei der Bundeswehr

Lieferprobleme, Ersatzteilmangel, Defekte – Immer wieder macht die Bundeswehr durch Mängel und Pannen von sich reden. Ein Überblick.

Beschreibung anzeigen

Berlin.  Annegret Kramp-Karrenbauer will die Ausrüstung der Bundeswehr rasch verbessern. Dafür soll die Truppe wieder selber mehr Hand anlegen.

Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) ist unzufrieden. Sie sieht auf die Bundeswehr – zusätzlich zu den bereits laufenden zwölf Auslandsmissionen – „mehr und fordernde Einsätze“ zukommen. Zugleich weiß sie, dass die Truppe darauf schlecht vorbereitet ist.

Im Durchschnitt ist die Bundeswehr nur zu 70 Prozent einsatzfähig. Anders gesagt: Im Normalzustand ist sie zu fast einem Drittel lahmgelegt. Das ist „nicht gut genug“, bemängelte die Verteidigungsministerin am Montag auf der Bundeswehrtagung in Berlin.

Dort kündigte sie eine „Initiative Einsatzbereitschaft“ an, ein Sofortprogramm. „Wir brauchen Ergebnisse“, rief Kramp-Karrenbauer den Generälen zu. „Wir wollen mehr Schiffe seetauglich haben“, forderte sie, „wir wollen erfahrene Piloten.“ Ihnen versprach die Ministerin mehr Flugstunden im Eurofighter.

Bundeswehr: AKK vertraut auf Ideen der Truppen – keine externen Berater

Wollen und können – das ist seit Jahren das Dilemma. AKK, wie die CDU-Vorsitzende genannt wird, kennt nur allzu gut die „Zerrbilder“ einer Armee, in der nichts rollt, schwimmt oder fliegt. Die Einsatzbereitschaft sei der Maßstab, „an dem wir gemessen werden“, mahnte sie. Und weiter: „Ende des Jahres müssen wir besser dastehen.“

Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen (CDU) hatte sich externen Rat geholt. Sie wollte das Militär wie eine Firma führen: mit Managermethoden und Unternehmensberatern im Hintergrund. AKK will mehr auf den Apparat hören. Vor zwei Wochen hat sie auf einer Leitungsklausur Ideen gesammelt, die „nicht von anderen sind, die außerhalb der Bundeswehr stehen“. Jetzt ermunterte sie die Generalinspekteure der verschiedenen Truppenteile, ihre Pläne auch umzusetzen: „Ich gebe ihnen die volle Rückendeckung.“

AKK will große Veränderung, aber gleichzeitig schnelle Ergebnisse

Es blieb bei einer Ruck-Rede. Noch legte das Ministerium kein Papier vor, die „Initiative Einsatzbereitschaft“ soll erst in den nächsten Wochen vollendet werden. Aber zwei Punkte sind schon jetzt klar. Erstens, Zeit ist ein entscheidender Faktor. AKK will große Veränderungen, aber auch schnelle Ergebnisse.

Das sei so, erklärte sie selbst, als würde man einen Marathon laufen, aber vom Start weg das Tempo hoch halten. Zweitens setzt sie weniger auf Privatisierung und Zentralisierung – und grenzt sich damit eindeutig von ihrer Vorgängerin ab.

Bundeswehr fährt jetzt die Do-it-yourself-Strategie

Schon im Oktober hatte die Ministerin die Privatisierung der Panzerwartung gestoppt. Gut drei Monate später wird deutlich, dass dies keine isolierte Maßnahme war. Dahinter steckt eine neue Herangehensweise. Manches müsse man „selber machen und nicht der Industrie überlassen“, verkündete Kramp-Karrenbauer. Das gilt schon mal für die Marine: Sie soll künftig ihre Schiffe wieder selbst instand setzen.

Zur Do-it-yourself-Strategie passt, dass die Bundeswehr eigene Werkstätten behalten und auch größere Vorräte anlegen und Lager unterhalten soll. „Just in time“, die kurzfristige Lieferung nach Bedarf, in der Industrie gang und gäbe, „hat nicht funktioniert“, stellte AKK nun fest.

Der Sanitätsdienst soll sein Material künftig selbst beschaffen. Bisher war das Beschaffungsamt in Koblenz dafür zuständig. Sollten die Sanitäter gute Erfahrungen machen, ist absehbar, dass dieses Modell auch auf andere Truppenteile übertragen wird. Wo die Bundeswehr auf die Industrie angewiesen ist, will AKK „wie ein Premiumkunde behandelt werden“. Jedenfalls werde sie „mangelhaftes Gerät nicht akzeptieren“.

Bundeswehr – mehr zum Thema:

Doch nicht nur um die Ausrüstung ist es offensichtlich schlecht bestellt, auch die Angestellten haben laut dem neuen Wehrbericht Defizite: Sind die Bundeswehr-Soldaten tatsächlich „dicker, dümmer und schwächer“? Der jüngste PR-Gau könnte als ein Beleg herhalten: Die Bundeswehr postete auf Instagram „Hakenkreuz-Mode“. Braucht es womöglich eine Rückkehr zur alten Regel? CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer jedenfalls ist für eine Dienstpflicht.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben