Kolumne

Bundestagswahl: Lieber Lothar Matthäus als Friedrich Merz

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Diana Zinkler schreibt in dieser Kolumne über Gesellschaft und Politik.

Diana Zinkler schreibt in dieser Kolumne über Gesellschaft und Politik.

Foto: ZRB

Berlin.  Armin Laschet stellt sein "Zukunftsteam" vor. Doch er hat so manchen vergessen, der gern dabei wäre. Und wen bringt jetzt Olaf Scholz?

Jetzt hat die CDU also ein Zukunftsteam. Ein Team von acht Personen, die die Bundesrepublik irgendwie wegweisend nach vorn bringen sollen. Es geht also um unser Land von morgen! Das geht ja jeden etwas an.

Und so war es dann auch. Denn kurz nach der Verkündigung der glorreichen Acht war der Twittertrend #Zukunftsteam geboren. Ein Nutzer befand, Friedrich Merz ins Team zu holen, wäre in etwa so, wie wenn Fußball-Bundestrainer Hansi Flick Lothar Matthäus als Spieler für sein WM-Team 2022 berufen hätte. Mit dem kleinen Unterschied, dass Merz in seiner frühen politischen Laufbahn nie ganz vorne, in einem Ministeramt, mitgespielt hat.

Bundestagswahl: Warum Friedrich Merz nicht mit Lothar Matthäus mithalten kann

Lothar Matthäus dagegen wäre vielleicht wirklich eine Option für die derzeitige Mannschaft. Er hat den Pott wenigstens schon mal in den Händen gehalten – und wahrscheinlich könnte er sogar wirklich helfen.

Ein älterer Herr auf Twitter machte sich die Mühe und suchte ein Bild von Edmund Stoibers „Team“ raus, das ihn nach seiner erfolgreichen Kanzlerkandidatur im Jahr 2002 hätte unterstützen sollen. Hätte, weil daraus wurde ja nichts. Aber wer steht da hinten in der Ecke? Friedrich Merz. Neben Stoiber auf dem Foto lächelt übrigens die Kanzlerin in der ersten Reihe. Als ob sie schon gewusst hätte, dass die nächsten Runden wohl ihr gehören würden.

Zukunftsteam ist, wenn sich auch noch Jan Böhmermann bewirbt

Auch Jan Böhmermann konnte diesen Twitter-Trend nicht auslassen. Er bewarb sich gleich als Pointenmanager in Armin Laschets neuem Zukunftsteam.

Wieder eine andere Twitterin fragte: „Wie lost muss man eigentlich sein, um in Merz die Zukunft zu sehen? Voll das Oxymoron.“ Oxymoron: das ist wie schwarz-weiß, Hassliebe, Quadratur des Kreises, HSV-St. Pauli oder eben Zukunft und Merz.

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Gemein ist dieses Getwittere natürlich schon. Dieses sofortige Suchen nach dem Fehler, nach dem billigen Witz auf Kosten anderer. Ich versuche, mich zusammenzureißen und die wirklich gewichtigen Aussagen zu lesen.

Als Robert Habeck den Friedrich Merz bitter abkochte

Ja, gut, und dann tauchte natürlich auch der Auftritt von Grünen-Chef Robert Habeck und Friedrich Merz bei Maybrit Illner in ihrer ZDF-Talkshow in meiner Timeline auf. Zitat Merz: „Wir drehen uns ständig im Kreis.“ Antwort Habeck: „Überhaupt nicht. Sie drehen sich im Kreis. Ich gebe nur präzise Antworten.“ Und ich bin schon wieder versöhnt. Twitter holt halt nicht die besten Eigenschaften hervor.

Laschets Versuch drei Wochen vor der Wahl, mit einem zusammengeschusterten Team noch Boden gut zu machen, sei wie auf dem Weg zum Schrottplatz noch mal vollzutanken …, schreibt „ganzodergonzo“. Wieder ein anderer vergleicht: „Zukunftsteam ist wie der Büroreinigungstrupp, der nach Feierabend kommt: Niemand kennt die Akteure, und es ist einem eigentlich auch egal ...“

Wirklich politisch korrekt war das jetzt nicht. Wer würde schon zugeben, dass er einen ganzen Reinigungstrupp braucht, um die Räumlichkeiten vom Schweiß der Arbeit zu befreien?

Im Zukunftsteam waren aber auch neue Gesichter

Bei so viel Spaß geht das Positive unter, die wirklich neuen Gesichter im Team. Am auffälligsten ist vielleicht Joe Chialo: In schwarzem Pullover bedankte er sich bei Armin Laschet, ihn aufgestellt zu haben. Der Kanzlerkandidat – im Anzug und zwei Köpfe kleiner als der Musik-Manager – kann sein Glück kaum fassen. Ein Glücksgriff!

Chialo soll die Kreativbranche präsentieren und könnte ihm eine ferngeglaubte Wählerschaft verschaffen. Chialo duzte den Armin dann auch gleich. Ganz so wie bei der SPD. Überhaupt: Wer ist eigentlich Joe Chialo?

Und wann kommt das Zukunftsteam von Olaf Scholz?

Apropos: Wer jetzt hofft, bei der Vorstellung des Teams der SPD noch einmal so gut unterhalten zu werden wie durch das Zukunftsteam der CDU, den enttäuscht Olaf Scholz. Denn Olaf Scholz, der tritt alleine an. Ganz allein. Er kündigte an, kein Team vorstellen zu wollen. Aber so ganz allein, das schafft niemand. Denn jüngst ließ er sich fotografieren, formte mit den Händen die Merkel-Raute.

Echt zukunftsweisend.

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