Klimaschutz

Bundesregierung will für Dienstflüge einen „grünen“ Ausgleich zahlen

Oft auf Reisen: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Oft auf Reisen: Bundesverteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU).

Foto: dpa

Berlin.   Für ihre Dienstreisen, für Flüge und Autofahrten will die Regierung einen CO2-Ausgleich zahlen. Im Kabinettsbeschluss zum Haushalt 2015 sind dafür zwei Millionen Euro vorgesehen. Ist das ein echter Beitrag für den Klimaschutz oder eine Art Etikettenschwindel?

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Wenn Bundeskanzlerin Angela Merkel und Bundespräsident Joachim Gauck nach dem WM-Finale in Brasilien das Flugzeug zurück nach Berlin nehmen, heizen sie die Erdatmosphäre auf. Auf dem Flug jagt eine Menge Treibstoff durch die Düsen und belastet das Klima. Noch kümmert die Regierung dies nicht. Das wird sich ändern.

Für ihre Dienstreisen, für Flüge und Autofahrten will die Regierung einen CO2-Ausgleich zahlen. Im Kabinettsbeschluss zum Haushalt 2015 sind dafür zwei Millionen Euro vorgesehen. So steht es in der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Grünen-Fraktion.

„Ein wichtiges Symbol“

Die Regierung verspricht „einen Mehrwert für den Klimaschutz“. Tatsächlich heben die Staatsdiener oft ab: Die Regierung listet die Flugtickets aller Ministerien für das Jahr 2013 auf und kommt auf gut 213.000 innerhalb Deutschlands, 51.000 innerhalb Europas, 32.000 zwischen den Kontinenten. Dazu kommen 1800 Flüge der Flugbereitschaft der Bundeswehr. Obendrein schlägt der Kraftstoffverbrauch für die Dienstwagen zu Buche: knapp 1,8 Millionen Liter Benzin und 47 Millionen Liter Diesel.

Die Details, welche Reisen die Regierung wie kompensieren wird, sind aber noch offen. Sollen alle Beschäftigten einbezogen werden, auch die von Umweltbundesamt oder der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit? Der Umweltausschuss im Bundestag hatte Anfang Juli zum Beispiel gefordert, dass auch für Dienstreisen der Abgeordneten im Deutschen Bundestag ein CO2-Zuschlag gezahlt wird.

Der Teufel steckt im Detail

Die Grüne Bärbel Höhn leitet den Umweltausschuss. Für das Klima seien „Videokonferenzen am besten“, sagte sie. Da es aber immer Reisen gebe, die nicht zu vermeiden seien, sei der CO2-Ausgleich ein „wichtiges Symbol“ – unter einer Voraussetzung: „Die Mittel müssen tatsächlich abfließen und in hochwertige Klimaschutzprojekte gesteckt werden.“ Oftmals werde das Geld im Haushalt reserviert, dann aber nicht abgerufen. Oder es werde eine billige Lösung gewählt, die kaum etwas bringt. Der Haushalt 2015 wird nun im Bundestag debattiert. Im Herbst soll er verabschiedet werden.

Die Idee des Klimaausgleichs ist einfach: Wer mit einer Flugreise zum Ausstoß von Treibhausgasen beiträgt, kann seine Klimasünde mit Geld ausgleichen. Das wird in Ökoprojekte gesteckt, so dass an anderer Stelle, meist in ärmeren Ländern, Emissionen gemindert werden. Der Teufel aber steckt im Detail: Mittlerweile gibt es dafür zahlreiche Dienstleister. Doch ihre Emissionsrechner spucken oft unterschiedliche Klimagebühren aus. Auch die Ökoprojekte haben unterschiedliche Qualität. Zu denen, die empfohlen werden, gehören die deutsche Atmosfair gGmbH (www.atmosfair.de) und die Schweizer Stiftung MyClimate (www.myclimate.org).

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