Kernkraft

Brand auf Atomkraftwerk-Areal: Tihange 1 in Belgien vom Netz

Das Atomkraftwerk Tihange in der Nähe von Aachen steht seit längerem in der Kritik.

Das Atomkraftwerk Tihange in der Nähe von Aachen steht seit längerem in der Kritik.

Foto: dpa

Brüssel.  Wegen eines Feuers im nicht-nuklearen Bereich des Atomkraftwerkes Tihange in Belgien hat sich offenbar ein Reaktorblock abgeschaltet.

Reaktorblock 1 des nahe der Grenze zu Deutschland gelegenen belgischen Kernkraftwerks Tihange hat sich einem Medienbericht zufolge am Freitagabend automatisch abgeschaltet. Grund sei ein kurzzeitiger Brand in einem nicht-nuklearen Bereich des Geländes gewesen, meldete die belgische Nachrichtenagentur Belga unter Berufung auf den Betreiber Electrabel. Der Zwischenfall habe keine Auswirkungen auf die Arbeiter, die Bevölkerung oder die Umwelt.

Die Anlage rund 70 Kilometer westlich von Aachen steht seit längerem in der Kritik. In dieser Woche war der Reaktor Tihange 2 wiederangefahren worden. Die nordrhein-westfälische Landesregierung protestierte wegen Sicherheitsbedenken scharf dagegen. Umweltminister Johannes Remmel (Grüne) sprach von einem „Bröckel-Reaktor“.

"Diese Atomkraftwerke gefährden Bürger in NRW"

Erst vor wenigen Tagen hatte das Wiederanfahren des belgischen Atomreaktors Tihange 2 heftige Proteste in Nordrhein-Westfalen ausgelöst. Er halte es für einen großen Fehler, die umstrittenen Kraftwerksblöcke Tihange und Doel bei Antwerpen wieder ans Netz zu geben, sagte Wirtschafts- und Energieminister Garrelt Duin (SPD) am vergangenen Dienstag. "Diese Kraftwerke genügen nicht im Geringsten unseren Sicherheitsanforderungen und stellen eine Gefährdung für die Bürgerinnen und Bürger in Nordrhein-Westfalen dar." Die Bundesregierung solle deshalb Druck auf die belgische Regierung ausüben, forderte Duin.

Das AKW war am vergangenen Montagabend um 21.21 Uhr ans Netz gegangen, teilte der Betreiber Electrabel mit. Die Wiederinbetriebnahme sei vollkommen sicher gewesen. Der Reaktor war zuletzt im März 2014 wegen Sicherheitsbedenken abgeschaltet worden, nachdem Haarrisse am Reaktorbehälter entdeckt worden waren. Nach einer Überprüfung hatte die belgische Nuklearaufsichtsbehörde AFCN jüngst aber mitgeteilt, dass das Problem keine Gefahr für die Sicherheit der Reaktoren darstelle.

Bürgerinitiativen fordern sofortige Stilllegung von AKW Tihange

Der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz (BBU) fordert von der belgischen Regierung die sofortige Stilllegung des Atomkraftwerks Tihange nach einem Brand am Freitagabend. Zudem solle die belgische Regierung alle Betriebsgenehmigungen zurücknehmen, teilte die Initiative am Samstag in Bonn mit. Der Verband kündigte zudem eine Demonstration am Sonntag in Ahaus gegen Atommülltransporte von Ahaus nach Jülich sowie gegen den Betrieb von Atomkraftwerken im In- und Ausland an.

Umweltschützer fordern seit längerem die Abschaltung des Kraftwerks. Zuletzt hatte der Bundesverband Bürgerinitiativen Umweltschutz am Dienstag die Wiederinbetriebnahme der belgischen Atomreaktoren Tihange 2 und Doel 3 als riskant und gefährlich kritisiert. Die belgische Atomsicherheitsbehörde AFCN hatte am 17. November diesen Jahres die Wiederinbetriebnahme autorisiert.

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Oliver Krischer, forderte die Bundesregierung auf, bei der belgischen Regierung Druck zu machen. "Die Bundesregierung darf sich nicht länger hinter diplomatischen Floskeln verstecken, sondern muss gegenüber der belgische Regierung endlich Klartext reden." Der Weiterbetrieb der "Schrottreaktoren" sei Russisch-Roulette. "Tihange bedroht Millionen Menschen in Belgien, den Niederlanden und Deutschland", sagte Krischer in Berlin. (dpa/epd)

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