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Altenheime in NRW wieder offen - Kritik an Auflagen

Endlich wieder Besuch! An diesem Wochenende dürfen Bewohner von Seniorenheimen und Pflegeheimen wieder von ihren Angehörigen besucht werden. (Symbolfoto)

Endlich wieder Besuch! An diesem Wochenende dürfen Bewohner von Seniorenheimen und Pflegeheimen wieder von ihren Angehörigen besucht werden. (Symbolfoto)

Foto: Klaus Pollkläsener / FUNKE Foto Services

Düsseldorf.  Bewohner von Seniorenheimen können plötzlich schneller besucht werden als zunächst geplant. Doch die Heime stehen vor großen Herausforderungen.

Die Vorfreude ist groß: Nach Wochen ohne persönlichen Kontakt dürfen Bewohner von Alten- und Pflegeheimen wieder Besuch empfangen. Pünktlich zum Muttertag am Sonntag (10. Mai) sollte das wieder möglich sein.

Nun geht es sogar noch schneller. Wie zunächst der WDR am Freitagabend berichtete, dürfen Pflegeeinrichtungen bereits am Samstag wieder für Besucher öffnen. Ein Sprecher des NRW-Gesundheitsministeriums bestätigte dies wenig später auch der Deutschen Presse-Agentur: „Das ermöglicht den Heimen, Besucherströme am Muttertagswochenende besser zu steuern und kann letztlich für eine Entlastung sorgen.“

Pflegeheime erwarten „Ansturm“ – Besucher sollen sich vorher anmelden

Viele Heime dürften durch diese Regel überrascht werden. Auch eine Öffnung am Sonntag kommt viele viele Seniorenheime noch zu früh, die Zeit für die Vorbereitungen reicht nicht aus.

Zunächst hatte das Gesundheitsministerium kommuniziert, das seit Mitte März geltende Besuchsverbot wegen der Corona-Pandemie werde zum Muttertag, also an diesem Sonntag, aufgehoben. In der Coronaschutzverordnung vom 6. Mai steht allerdings, dass die Lockerungen in stationären Gesundheits- und Pflegeeinrichtungen bereits am 9. Mai in Kraft treten.

Die Sprecherin der Malteser Rhein-Ruhr, Olga Jabs, wusste zunächst gar nicht, dass Alten- und Pflegeheime einen Tag früher öffnen dürfen. Die 17 Heime der Malteser in NRW seien aber vorbereitet gewesen. „Uns hätte es nicht unvorbereitet erwischt“. Laut Olga Jabs kam jedoch am Samstag noch niemand zu Besuch. Wahrscheinlich hätten gar nicht so viele Angehörige von der Änderung erfahren.

Besuchstermine werden zeitlich begrenzt

Das Heim der Arbeiterwohlfahrt in Heinsberg blieb dagegen am Samstag für Besuche noch geschlossen. Geschäftsführer Andreas Wagner begründete das unter anderem mit der Rücksicht auf die Mitarbeiter. „Die haben wir in letzter Zeit ohnehin über die Maßen in Anspruch genommen.“ Er kritisierte die Öffnungspolitik der Landesregierung für die Heime. So einfach, wie die Politik sich das vorstelle, sei es nicht. Die Organisation habe zwei Tage in Anspruch genommen, es sei „enormer Aufwand“, die Besuche zu koordinieren.

Angehörige wurden in Heinsberg angerufen und Termine im Halbstundentakt vergeben. So werden am Muttertag etwa 40 der 120 Heimbewohner Besuch bekommen, die anderen in der kommenden Woche. Statt normalerweise vier Mitarbeiter je Schicht würden am Sonntag 20 eingesetzt, sagte Wagner. Als er von der Besuchsmöglichkeit schon ab Samstag erfahren hat, habe er „mit Kopfschütteln“ reagiert, sagte der Geschäftsführer. „So spontan hätten wir das nicht leisten können. Seit zehn Wochen sind wir dicht, da kommt es auf einen Tag auch nicht an. Wir können uns nicht überschlagen.“ Dennoch seien viele Bewohner in der Zeit nicht völlig isoliert gewesen, es habe etwa Gespräche über den Balkon gegeben. Zugleich betonte Wagner: „Es ist noch lange nicht alles normal.“

Heime brauchen zusätzliches Personal

Christian Woltering, Geschäftsführer beim Paritätischen Wohlfahrtsverband NRW, sagte: „Viele Heime können in der Kürze der Zeit gar keine entsprechenden Hygienekonzepte umsetzen.“

Martin Peis, Leiter der Seniorenabteilung im Bistum Essen, sagte dieser Redaktion: „Wir brauchen zusätzliches Personal. Die Ressourcen am Wochenende sind aber begrenzt.“

Die Deutsche Stiftung Patientenschutz rät allen Angehörigen, sich vorab genau über die jeweiligen Besuchsmöglichkeiten zu informieren. Der Gesundheitsminister sei weit vorgeprescht, sagte Stiftungsvorstand Eugen Brysch. „Nicht jedes Heim ist auf einen Ansturm vorbereitet.“

NRW-Gesundheitsminister Karl-Josef Laumann sagte am Freitagabend, er verstehe die Sorge der Pflegeheime. Aber: „Auch soziale Isolation kann erhebliche Schäden verursachen“, so der Minister. Und es gebe eine Reihe unterschiedlicher Möglichkeiten, Besuche innerhalb und außerhalb der Heime anbieten zu können. „Darüber hinaus habe ich bereits darauf hingewiesen, dass nicht alle Besuche am Muttertag stattfinden können und müssen“, sagte Laumann.

Was Bewohner und Besucher beachten müssen

Laut Coronaschutzverordnung des Landes NRW gelten folgende Regeln für den Besuch in einer Pflegeeinrichtung:

  1. Jedem Bewohner ist am Tag maximal ein Besuch von maximal zwei Personen gestattet.
  2. Besucher haben sich einem „Kurz-Screening“ (Erkältungssymptome, COVID-19-Infektion, Kontakt mit Infizierten oder Risikopersonen), zu unterziehen.
  3. Die Einrichtungen müssen mit Aushängen auf Hygienevorschriften hinweisen.
  4. Besucher müssen sich vor und nach dem Besuchskontakt die Hände waschen und desinfizieren.
  5. Ein grundsätzlicher Abstand von 1,5 Metern zwischen zwei Personen ist einzuhalten.
  6. Die Besuche sollen in besonderen Besucherbereichen außerhalb oder innerhalb des Gebäudes stattfinden. Ist ein solcher Ort nicht gegen, sei auch ein Besuch auf dem Zimmern der Bewohner möglich. Kontakt zu anderen Bewohnern sollte vermieden werden.
  7. Das Senioren- oder Pflegeheim sind verpflichtet, ein Besuchsregister zu führen. Darin werden der Name des Besuchers, das Datum und die Uhrzeiten des Besuchs sowie der besuchte Bewohner erfasst.
  8. Besuche sind nicht möglich, wenn unter den Bewohnern oder dem Personal eine akute Erkrankung mit dem Coronavirus festgestellt wurde.

Seniorenheime und Pflegeeinrichtungen können laut der Coronaschutzverordnung Besuche zeitlich begrenzen, zum Beispiel auf maximal zwei Stunden.

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(mein/dpa)

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