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Grundeinkommen: Ökonomen zweifeln an Finanzierbarkeit

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Grundeinkommen: Darum geht es bei der Debatte

Grundeinkommen: Darum geht es bei der Debatte

Grundeinkommen

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Berlin.  Millionen Menschen wünschen sich ein bedingungsloses Grundeinkommen. Wie dieses finanziert werden soll, ist jedoch noch ungewiss.

Zwei Millionen Bewerberinnen und Bewerber gab es auf das Forschungsprojekt zum bedingungslosen Grundeinkommen – der Wunsch nach dem monatlichen Geldeingang ohne Verpflichtung ist groß. Unklar ist allerdings, wie ein bedingungsloses Grundeinkommen finanziert werden könnte.

Der wissenschaftliche Beirat beim Bundesfinanzministerium kam in einem im September vorgelegten Gutachten zu dem Schluss, dass durch ein bedingungsloses Grundeinkommen ein Finanzierungsbedarf von knapp 900 Milliarden Euro entstünde – pro Jahr. Der Beirat hält das Modell für unfinanzierbar und rät von seiner Einführung ab. Lesen Sie dazu: Bedingungsloses Grundeinkommen: „Wie ein Sechser im Lotto“

Bedingungsloses Grundeinkommen über Steuern finanzieren

Weitestgehend Einigkeit besteht unter Ökonomen darin, dass ein bedingungsloses Grundeinkommen über das Steueraufkommen finanziert werden würde. „Die Steuerlast müsste je nach Modell und Höhe des Grundeinkommens auf 50 bis 75 Prozent des Einkommens steigen“, sagte Dominik Enste, Leiter des Kompetenzfeldes Verhaltensökonomie und Wirtschaftsethik beim Institut der deutschen Wirtschaft Köln (IW), unserer Redaktion.

Der Ökonom warnt vor Negativanreizen: „Es könnte dazu führen, dass manche Beschäftigte nicht mehr arbeiten gehen.“ Im Zuge von Preis- und Lohnerhöhungen könnte die Inflation angefacht werden. „Und Schwarzarbeit würde durch hohe Steuern für die Finanzierung noch attraktiver werden“, sagt Enste. Lesen Sie auch: Wie das bedingungslose Grundeinkommen Hartz IV ablösen könnte

Grundeinkommen könnte Konflikte verstärken

Auch sende ein bedingungsloses Grundeinkommen „falsche Signale“ ins europäische Ausland, da es Anreize zur Zuwanderung aus Ländern mit niedrigeren Löhnen bieten würde. Zudem drohe sich der Generationenkonflikt zu verschärfen, wenn die junge Generation nicht nur die bereits erworbenen Rentenansprüche der älteren Generation, sondern auch ein Grundeinkommen mitfinanzieren müsste.

Der Berliner Professor Jürgen Schupp, der das Forschungsprojekt seitens des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) betreut, hält eine Debatte über mögliche Wohlfahrtseffekte für künftige Generationen für verfrüht. Das Projekt habe das Ziel, die Auswirkungen eines bedingungslosen Grundeinkommens auf die Empfänger zu untersuchen. „Am Ende erhoffen wir uns eine Versachlichung der seit vielen Jahren laufenden Debatte“, sagte Schupp unserer Redaktion.

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