Landwirtschaft

Bauern dürfen mehr Weizen anbauen wegen Krieg in Ukraine

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Archivbild. Landwirte dürften über den nächsten Winter mehr Weizen anbauen, hat Bundesagrarminister Cem Özdemir vorgeschlagen. Artenschutz-Vorgaben sollen so lange zurückgestellt werden. Das Foto zeigt ihn mit Joachim Rukwied (re.), Präsident des Deutschen Bauernverbands.

Archivbild. Landwirte dürften über den nächsten Winter mehr Weizen anbauen, hat Bundesagrarminister Cem Özdemir vorgeschlagen. Artenschutz-Vorgaben sollen so lange zurückgestellt werden. Das Foto zeigt ihn mit Joachim Rukwied (re.), Präsident des Deutschen Bauernverbands.

Foto: Bernd Weißbrod / dpa

Düsseldorf/Berlin.  Bundesagrarminister Özdemir stellt den Artenschutz zurück, damit Bauern mehr Weizen anbauen können, um die Lebensmittelversorgung zu sichern.

Die nordrhein-westfälische Landwirtschaftsministerin Silke Gorißen (CDU) hat die Pläne von Bundesagrarminister Cem Özdemir (Grüne) begrüßt, angesichts des Ukraine-Krieges mehr Weizenanbau in Deutschland zu ermöglichen. Özdemir stelle damit „kurz vor der Aussaat die richtigen Weichen für die zwingend notwendige Nahrungsmittelproduktion“, sagte die CDU-Politikerin am Samstag.

„Das sorgt bei unseren 33.000 Landwirtinnen und Landwirten in Nordrhein-Westfalen für mehr Planungssicherheit“, kommentierte Gorißen den Vorschlag, den Özdemir am Freitag bekannt gemacht hatte.

Artenschutzflächen-Programm wird um ein Jahr verschoben

Der „Kompromiss zugunsten der Ernährungssicherung“ sieht nach Angaben des Bundes-Landwirtschaftsministeriums ein einmaliges Aussetzen der EU-Neuregelungen zu Flächenstilllegung und Fruchtwechsel vor. Demnach sollen unter anderem die eigentlich geplanten zusätzlichen Artenschutzflächen erst 2024 eingeführt werden. Bauern könnten dann im kommenden Jahr auf diesen Flächen weiter Nahrungsmittel anbauen.

Er habe sich entschlossen, „auf das Angebot einzugehen und gleichzeitig beim Artenschutz, beim Klimaschutz keine Verschlechterung zu erzielen“, erklärte Özdemir. „Was ich vorlege, ist ein Kompromiss, der an der einen oder anderen Stelle auch wehtut“, räumte der Bundeslandwirtschaftsminister ein und verwies auf die Verschiebung der Artenschutzvorgaben. „Unsere Landwirtinnen und Landwirte brauchen Planungssicherheit, was sie in wenigen Wochen aussäen dürfen“, begründete Özdemir seine Entscheidung.

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Sein Vorschlag ist laut dem Ministerium innerhalb der Bundesregierung abgestimmt, heißt im Bundeslandwirtschaftsministerium. Für eine Umsetzung müssen noch die Länder zustimmen.

Dem Ministerium zufolge müssen die bereits bestehenden Artenschutzflächen im Agrarbereich bestehen bleiben. Auf den Flächen, die eigentlich ab 2023 für den Artenschutz ungenutzt bleiben müssten, sollen nun stattdessen Getreide, Sonnenblumen und Hülsenfrüchte angebaut werden dürfen, allerdings nicht Mais oder Soja.

Özdemir: „Kompromiss für den Teller, nicht für Getreide im Tank“

„Ich nehme alle beim Wort: Ich schließe diesen Kompromiss für den Teller, nicht damit Getreide im Tank oder Trog landet - und unsere Ausnahme gilt ausdrücklich nur für 2023“, betonte Özdemir. Er werde keine Verordnung unterschreiben, „die den Hunger in der Welt als Argument missbraucht, um mehr für Tank und Trog zu produzieren und beim Artenschutz hinter das, was wir schon erreicht haben, zurückzufallen“.

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Der Deutsche Bauernverband reagierte mit Lob und Kritik. „Diese Entscheidung war überfällig und kommt in letzter Minute“, erklärte Bauernpräsident Joachim Rukwied. Die Aussetzung der Artenschutzvorgaben für ein Jahr sei aber „sicherlich nicht ausreichend“, bemängelte er zugleich. „Um weiterhin eine sichere Lebensmittelversorgung gewährleisten und in Krisenzeiten reagieren zu können, müssen wir alle Flächen nutzen können, auf denen es landwirtschaftlich sinnvoll ist.“

(dpa)

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