Schwimmbad-Schließungen

Bäder-Sterben in NRW: Jeden Monat schließt ein weiteres Schwimmbad

Das einst beliebte Freibad am Toeppersee in Duisburg-Rheinhausen wurde vor zehn Jahren geschlossen. Eine Initiative sammelt Stimmen für seine Wiedereröffnung.

Das einst beliebte Freibad am Toeppersee in Duisburg-Rheinhausen wurde vor zehn Jahren geschlossen. Eine Initiative sammelt Stimmen für seine Wiedereröffnung.

Foto: Tanja Pickartz

Essen.  Seit 2002 wurden von bundesweit 7784 Bädern fast 1300 geschlossen. Und immer noch schließt in NRW jeden Monat ein weiteres Bad. Die DLRG warnt vor den Folgen.

Das Schwimmbadsterben in Nordrhein-Westfalen hält an. Im Schnitt schließt in NRW jeden Monat ein weiteres Bad. Das geht aus Statistiken der Deutschen Lebens-Rettungs-Gesellschaft (DLRG) hervor, die der Funke Mediengruppe vorliegen. Seit 2002 sind demnach von damals bundesweit 7784 in der Sportstättenstatistik aufgelisteten Schwimmbädern fast 1300 untergegangen. Die DLRG warnt seit Jahren vor den Folgen, besonders einer Verschlechterung der lebenswichtigen Schwimmausbildung.

Deutschlandweit stehen den 128 Schließungen seit Anfang 2016 nur 42 Sanierungen von Bädern gegenüber und lediglich sechs Neueröffnungen. In NRW verschwanden in dem Zeitraum 36 Bäder, acht allein dieses Jahr. Zwölf wurden saniert. Zu den in NRW seit 2016 für immer trocken gelegten Badeanstalten gehören das Wellenbad in Bergkamen, das Hallenbad in Werne, das Hauptbad in Essen, das Bad des Evangelischen Krankenhauses in Dinslaken, das Freibad Hiesfeld in Dinslaken, das Freibad in Rees, das Hallenbad Wetter, das Benrather Bad in Düsseldorf, das Eickeler Solbad in Herne, das Hallenbad der Soester Blindenschule.

In NRW sind aktuell 19 Bäder von der Schließung bedroht

Über 100 Bäder werden aktuell als von einer Schließung bedroht eingestuft, davon 19 in NRW. Die DLRG stützt sich bei ihren Erhebungen auf Mitteilungen ihrer Ortsgruppen und die Auswertung von Presseberichten. Entgegen dem langjährigen Trend seit der Jahrtausendwende von rund 80 Schließungen jährlich haben sich die Zahlen seit rund zehn Jahren auf gut 40 Fälle eingependelt.

Bei Sanierungen, so DLRG-Pressesprecher Achim Wiese, würde jedoch oft Wasserfläche verschwinden. Es entstünden mehr Spaßbäder mit weniger Bahnen und entsprechend geringeren Möglichkeiten zur Schwimmausbildung. Auch seien die für Ausbildung besonders wichtigen Hallenbäder stark betroffen. Seit Jahren beklagt die DLRG, dass die Schwimmvereine unter den Schließungen leiden und sich mehrere DLRG-Ortsgruppen bereits auflösen mussten.

Eingeschränke Öffnungszeiten seien "besser als Schließung"

Laut der letzten repräsentativen Forsa-Umfrage im Auftrag der DLRG besitzen nur 40 Prozent der Sechs- bis Zehnjährigen ein Jugendschwimmabzeichen, die anderen 60 Prozent gelten nicht als sichere Schwimmer. 2016 sind in Deutschland offiziell 537 Menschen ertrunken, ein Zehn-Jahres-Hoch. Die Zahl ist jedoch witterungsabhängig und schwankt entsprechend stark.

Neben dem Verlust an Bädern bestätigen die Lebensretter einen Trend zu kürzeren Öffnungszeiten. So ist das bekannte Gruga-Bad in Essen außerhalb der Ferien vormittags von 10 bis 14 Uhr geschlossen, was bei vielen Besuchern auf großes Unverständnis gestoßen ist. Es fehlt den Kommunen wie Essen häufig an Geld und damit an Personal.

Eingeschränkte Öffnungszeiten seien jedoch „besser als eine Schließung“, so Wiese. Laut dem Bundesverband Deutscher Schwimmmeister fehlen bundesweit 2500 Stellen, um die laut „Bäderatlas 2018“ verbliebenen 6500 Schwimmstätten lückenlos zu betreiben.

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