Bildungsministerium

Azubi-Mindestlohn startet ab 2020 mit 515 Euro im Monat

Mit der neuen Regelung können angehende Friseure zum Teil rund 200 Euro mehr im Monat bekommen.

Mit der neuen Regelung können angehende Friseure zum Teil rund 200 Euro mehr im Monat bekommen.

Foto: dpa Picture-Alliance / Daniel Karmann / picture alliance / dpa

Berlin   Das Bildungsministerium will den Azubi-Mindestlohn. Der Weg ist frei: Die Reform des Berufsbildungsgesetzes kommt ins Kabinett.

Die Bundesregierung macht den Weg frei für einen Mindestlohn für Lehrlinge: Auszubildende sollen ab 2020 eine Mindestvergütung von 515 Euro pro Monat im ersten Ausbildungsjahr erhalten. In den Folgejahren soll sich der neue Azubi-Mindestlohn noch weiter erhöhen – im Jahr 2021 auf 550 Euro, ein Jahr später auf 585 Euro und ab 2023 auf 620 Euro.

Zudem ist eine Staffelung der Mindestbezüge für Azubis im zweiten und dritten Lehrjahr geplant. Das ist der Kern der Reform des Berufsbildungsgesetzes von Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU). An diesem Mittwoch soll die neue Regelung vom Kabinett beschlossen werden, wie unsere Redaktion aus dem Bildungsministerium erfuhr.

Mit der Reform wird erstmals in Deutschland eine gesetzliche Untergrenze für die Vergütung von Auszubildenden festgeschrieben – analog zum gesetzlichen Mindestlohn. Am stärksten profitieren dürften davon Azubis in Betrieben ohne Tarifbindung und in kleinen Betrieben im Osten Deutschlands.


Azubi-Mindestlohn: Friseurlehrlinge bekommen derzeit im Osten nur 325 Euro

In den neuen Bundesländern beträgt die durchschnittliche tarifliche Vergütung laut einer Übersicht des Bundesinstituts für Berufsbildung (BIBB) für Fleischer im ersten Lehrjahr nur 310 Euro monatlich, auch in anderen Branchen werden besonders im Osten zum Teil sehr geringe Ausbildungsvergütungen gezahlt.

So bekommen angehende Raumausstatter laut BIBB 480 Euro, Mitarbeiter im Sicherheitsdienst 500 Euro und Schornsteinfeger 450 Euro. Auch angehende Friseure könnten demnach demnächst deutlich mehr Geld bekommen – aktuell bekommen sie hier nur 325 Euro.

Bis zuletzt gab es Streit um die Höhe der Zahlungen: „Die festgesetzte Höhe der Mindestausbildungsvergütung ist eine Anerkennung der Leistung der Auszubildenden im Betrieb. Andererseits muss aber auch sichergestellt sein, dass die Motivation der Betriebe erhalten bleibt, Ausbildungsplätze anzubieten“, hieß es dazu aus dem Ministerium.

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Rechtliche Verankerung von drei Fortbildungsstufen

Bildungsministerin Karliczek hat deswegen auch im Vorfeld Zugeständnisse gemacht: Die Tarifparteien sollen vertraglich eine niedrigere Vergütung vereinbaren können. Das heißt: Dort, wo es aktuell eine Tarifbindung gibt, kann es passieren, dass Azubis auch weiterhin weniger als die Mindestvergütung bekommen. Im Ministerium rechnet man allerdings damit, dass die Gewerkschaften spätestens bei der nächsten Tarifrunde auf eine Anhebung der Vergütung mindestens auf das Niveau des gesetzlichen Azubi-Mindestlohns pochen werden.

Weitere Schwerpunkte des Gesetzes sind die rechtliche Verankerung von drei Fortbildungsstufen und die Einführung von einheitlichen Bezeichnungen nach einer erfolgreichen Weiterbildung: Neben den traditionellen Titeln wie Meister oder Fachwirt soll es dann zum Beispiel auch einen Bachelor Professional oder einen Master Professional geben.

„Damit sollen diese Qualifikationen auf dem internationalen Arbeitsmarkt vergleichbarer werden“, hieß es aus dem Ministerium. Die bewährten Titel bleiben bestehen. „Durch diese Maßnahme soll deutlich gemacht werden, dass berufliche Bildung und Studium grundsätzlich gleichwertig sind“, hieß es dazu aus dem Ministerium.

Der Mindestlohn in Deutschland ist generell geregelt. Nicht alle halten daran: Wo beim Mindestlohn betrogen wird – und wie Arbeitnehmer leiden.

(Julia Emmrich und Jochen Gaugele)

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