Verkehr

Autoclub fordert Tempo 80 auf deutschen Landstraßen

Ein Fahrzeug passiert in Frankreich ein Verkehrsschild, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zeigt.

Ein Fahrzeug passiert in Frankreich ein Verkehrsschild, das die zulässige Höchstgeschwindigkeit von 80 Stundenkilometern zeigt.

Foto: Nicolas Tucat / dpa

Berlin  In Frankreich wird im Sommer die Höchstgeschwindigkeit auf Landstraßen herabgesetzt. Auch in Deutschland gibt es Unterstützer der Idee.

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Wenn es auf deutschen Landstraßen kracht, dann hat das allzu oft tragische Folgen. Mehr als die Hälfte der Verkehrstoten in Deutschland ist außerorts auf Kreis-, Land- und Bundesstraßen zu beklagen. Etwa 1900 Tote waren es zuletzt pro Jahr.

„Wenn die Zahl der Todesfälle im Straßenverkehr in Deutschland weiter sinken soll, dann müssen wir über angemessene Geschwindigkeiten auf Landstraßen reden“, sagt daher Walter Eichendorf, Präsident des Deutschen Verkehrssicherheitsrats (DVR). 2016 kamen rund 58 Prozent aller Verkehrstoten nach Unfällen auf Landstraßen ums Leben, obwohl es dort nur zu 24,4 Prozent der Unfälle mit Verletzten kam.

Ab 1. Juli neues Tempolimit in Frankreich

In Frankreich sind die Probleme ähnlich – und die französische Regierung hat darauf trotz Kritik reagiert: Am 1. Juli soll ein neues Tempolimit auf Landstraßen in Kraft treten. Statt 90 sind dann nur noch 80 Kilometer pro Stunde erlaubt. Eine Idee auch für Deutschland?

„Ich glaube, bei Straßen bis zu sechs Metern Breite wäre das auch in Deutschland sinnvoll“, sagt Martin Burkert (SPD), ehemaliger Vorsitzender des Verkehrsausschusses im Bundestag. „Noch sinnvoller wäre es, wenn man ein Überholverbot auf Landstraßen vor allem für Lastwagen einführen würde.“ Mit den sogenannten Megalinern mit einer Länge von bis zu 25 Metern werde die Situation noch verschärft.

Autoclub ACE fordert Tempo 80 auch auf deutschen Landstraßen

Ähnlich äußert sich der ADAC. Ein Vorstoß wie in Frankreich sei für kurvige Landstraßen mit einer maximalen Breite von sechs Metern sinnvoll. Eine zusätzliche Überholspur oder die Sicherung von Hindernissen sind nach Ansicht des ADAC aber oft effektiver.

Der europäische Autoclub ACE dagegen befürwortet ein generelles Tempolimit von 80 km/h auf Landstraßen. Eine Herabsetzung der Höchstgeschwindigkeit könne die Verkehrssicherheit erhöhen und helfen, Unfälle zu vermeiden, teilte eine Sprecherin mit. „Da macht Frankreich einen richtigen Schritt.“ Vorteilhaft wäre eine solche Maßnahme nach Ansicht des ACE auch, weil so der Unterschied zur zulässigen Geschwindigkeit für Lastwagen (Tempo 60) verringert werde. Gefährliche Überholmanöver könnten so reduziert werden.

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Der Präsident des Deutschen Verkehrsgerichtstags, Kay Nehm, spricht sich für eine Klassifizierung der Landstraßen gemessen am Ausbau und an den örtlichen Gegebenheiten aus. Für die unterste Stufe – schmal und nur mit seitlichem Randstreifen – werde von Experten sogar eine generelle Begrenzung auf Tempo 70 vorgeschlagen, erklärte Nehm.

Ein generelles Tempolimit wirke auf längeren Strecken dagegen einschläfernd. „Darüber hinaus führt eine zu starke und sich nicht selbst erklärende Tempobeschränkung dazu, dass der Überlandverkehr ohne Not zum Nachteil der Wirtschaft abgewürgt wird“, sagte Nehm.

Polizei könnte vor neuen Problemen stehen

Der Verkehrsgerichtstag hatte sich vor gut drei Jahren bereits intensiv mit dem Thema beschäftigt – und Tempo 80 auf Landstraßen empfohlen. Demnach sollte die Höchstgeschwindigkeit für Autos herabgesetzt und für Lastwagen erhöht werden. Auch hier war die Vermeidung riskanter Überholmanöver eines der Argumente.

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Aber würden sich die Verkehrsteilnehmer überhaupt an niedrigere Höchstgeschwindigkeiten halten? Siegfried Brockmann, Leiter der Unfallforschung der Versicherer, bezweifelt das. Eine einheitliche Höchstgeschwindigkeit von 80 km/h sei auf einer gut ausgebauten Straße für Auto- und Motorradfahrer nicht nachvollziehbar. „Eine einheitliche Geschwindigkeit für außerorts wäre falsch und würde von den Verkehrsteilnehmern nicht akzeptiert werden.“ Brockmann rechnet damit, dass es zu vielen Verstößen kommen würde – und die Polizei vor einem neuen Problem stünde. (dpa)

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