Strahlung

Atom-Endlager: Auch Standorte in NRW als geeignet eingestuft

Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager sind auch Teile in NRW als geeignet eingestuft worden.

Auf der Suche nach einem Atommüll-Endlager sind auch Teile in NRW als geeignet eingestuft worden.

Foto: Uwe Anspach / dpa

Düsseldorf.  Auf der Suche nach einem Atom-Endlager werden NRW-Gebiete als geeignet eingestuft - darunter das Münsterland, Ostwestfalen und der Niederrhein.

Gut zwei Jahre vor dem endgültigen Atomausstieg in Deutschland tritt die Suche nach einem Endlager für die strahlenden Reste der Stromerzeugung in eine neue Phase. Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) hat bekannt geben, welche Gebiete sie in Deutschland nach geologischen Kriterien als grundsätzlich geeignet für ein Endlager einstuft.

Fast ein Drittel von Nordrhein-Westfalen bieten nach Erkenntnissen der BGE günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. In einer am Montag mit dem Zwischenbericht zur Endlagersuche veröffentlichten Karte sind das Münsterland, Teile Ostwestfalens und der Niederrhein verzeichnet. Dort kommen das für eine Endlagerung hochradioaktiver Abfälle geeignete Tongestein oder Schichten aus Steinsalz vor.

Acht Gebiete in NRW bieten günstige Voraussetzung für ein Endlager

Insgesamt bieten dem Zwischenbericht zufolge 90 Gebiete in Deutschland günstige geologische Voraussetzungen für ein Atommüll-Endlager. Davon liegen acht in NRW. Die sich teilweise überlappenden Teilgebiete umfassen eine Gesamtfläche von gut 10.000 Quadratkilometern, etwa 30 Prozent von ganz NRW.

Die ausgewählten Regionen seien aber „noch lange kein Endlagerstandort“, sagte BGE-Geschäftsführer Stefan Studt am Montag bei der Vorstellung des Berichts in Berlin. In den kommenden Monaten und Jahren werden die möglichen Standorte nach und nach weiter eingegrenzt, indem weitere Kriterien - etwa die Bevölkerungsdichte - berücksichtigt werden.

2031 soll der Standort gefunden sein und 2050 soll das Endlager in Betrieb gehen

Ruhrgebiet und Süden NRWs scheiden als mögliche Standorte aus

Geeignet für ein Endlager sind die Gesteinsarten Ton, Salz und Granit. In NRW kommen nach Angaben des Geologischen Dienstes des Landes nur Tonstein-Formationen und Steinsalzlager vor. Als Ausschlusskriterium bei der Standortsuche gelten zudem Schädigungen durch den Bergbau, wie es beim Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung heißt. Der Süden Nordrhein-Westfalens und fast das ganze Ruhrgebiet scheiden daher als möglicher Standort aus.

Die Landesregierung werde den Zwischenbericht sorgfältig auswerten, kündigte Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) an. NRW habe sich „stets zu seiner Verantwortung beim Erbe der Nutzung der Kernenergie bekannt“, sagte er. Die Endlagersuche müsse weiterhin ohne Verzögerungen durchgeführt werden, „damit auch die in NRW lagernden hochradioaktiven Abfälle wie vorgesehen ihren endgültigen Lagerort finden.“

Endlager im Münsterland, in Ostwestfalen und am Niederrhein möglich

Im Münsterland und Teilen Ostwestfalens findet sich dem Zwischenbericht zufolge eine maximal 1200 Meter dicke Schicht aus Tongestein, die in 400 bis 1500 Metern Tiefe liegt. Dieses Teilgebiet, zu dem auch der Süden Niedersachsens gehört, reicht ungefähr von der niederländischen Grenze im Westen bis in den Kreis Lippe im Osten des Landes. Im Süden geht es bis zum Rand des Ruhrgebiets.

Gorleben kommt nicht für Atommüll-Endlager in Frage
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Salzschichten finden sich dem Bericht zufolge in zwei Regionen in NRW - am Niederrhein und ganz im Osten des Landes in Wesernähe. Am Rhein hat die Salzlagerung eine maximale Dicke von 830 Metern und liegt zwischen 400 und 1500 Meter unter der Erdoberfläche. Im Osten von NRW gibt es solche Salzlagerungen in den Kreisen Lippe und Höxter. Dieses Teilgebiet reicht auch nach Niedersachsen und Hessen.

Neben den geologischen Voraussetzungen spielen auch die Besiedlung und andere Kriterien an der Oberfläche eine Rolle. In der ersten Phase der Suche hat die BGE mehr als eine Million Daten ausgewertet. In der zweiten Phase soll an möglichen Standorten auch gebohrt und gemessen werden - dabei werden weitere Regionen ausgeschlossen. In einer dritten Phase werden dann Erkundungsbergwerke gebaut, um noch gründlicher zu prüfen, welches der beste Ort sein könnte.

Atommüll: Zwischenlager in Ahaus und Jülich

In Nordrhein-Westfalen lagern bereits große Mengen radioaktiver Abfälle. Im Zwischenlager Ahaus sind nach Angaben des NRW-Wirtschaftsministeriums derzeit 329 Behälter mit Brennelementen aus deutschen Kernkraftwerken gelagert. Darunter sind 305 Behälter mit Brennelementen aus dem stillgelegten Thorium-Hochtemperatur-Reaktor (THTR) in Hamm-Uentrop. Zudem werden in Ahaus sonstige radioaktive Abfälle aus Betrieb und Rückbau kerntechnischer Anlagen aufbewahrt.

Auf dem Gelände des Forschungszentrums Jülich sind 152 Castoren zwischengelagert. Sie enthalten abgebrannte Brennelemente des stillgelegten Jülicher Atomversuchsreaktors. Das nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerium hatte 2014 als atomrechtliche Aufsichtsbehörde angeordnet, das Jülicher Zwischenlager unverzüglich zu räumen. Doch noch immer ist nicht abzusehen, was mit den Brennelementen geschieht.

Weiteres Zwischenlager in Würgassen geplant

Ein weiteres Zwischenlager soll auf dem Gelände des stillgelegten Kernkraftwerks Würgassen an der Weser errichtet werden. Dort sollen schwach- und mittelradioaktive Abfälle gesammelt und sortiert und anschließend in das im Bau befindliche Endlager Konrad nach Salzgitter gebracht werden. Die radioaktiven Abfälle stammen nach Angaben der Bundesgesellschaft für Zwischenlagerung (BGZ) aus Betrieb, Stilllegung und Rückbau von Atomkraftwerken sowie aus den Bereichen Medizin, Forschung und Gewerbe. Das Kernkraftwerk in Würgassen im Länderdreieck von NRW, Niedersachsen und Hessen wurde 1994 abgeschaltet. (dpa)

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