Eigentlich war das Ruhrgebiet immer eine sichere Bank gegen Rechtsextremismus, eine multikulturelle Region, in der Solidarität und Integration zum Selbstverständnis gehörten: „Pack an, mach mit, dann gehörst du dazu.“ Das ist vielerorts vorbei. Die Ergebnisse der Kommunalwahlen zeigen, dass dieser Grundkonsens entweder massiv bröckelt oder an manchen Orten gar nicht mehr existiert. Es ist kein Zufall, dass es sich dabei vor allem um prekäre Stadtteile handelt, in denen sich Bewohnerinnen und Bewohner abgehängt fühlen und keine Perspektive mehr sehen.

Auch wenn es viele Menschen in Gelsenkirchen nicht mehr hören können, ist die Stadt das Beispiel schlechthin für diese Entwicklung. Und der dortige Wahlkampf spiegelte auch das Vorgehen der AfD. Wenig Ideen, kaum Konzepte, keine lokalen Ansätze, stattdessen Alibi-Kandidaten ohne Lösungen, abwartend und beobachtend, wie sich die etablierten Parteien und deren Kandidaten vor Ort abstrampelten.

Die einstige Kümmererpartei SPD zahlt weiterhin einen hohen Preis dafür, dass sie die Probleme der Menschen bei der Integration, bei Sicherheit und Bildung bis hin zur Sauberkeit in den Städten, auch aus ideologischen Gründen, zu lange kleinredete. NRW-weit verliert sie weiter an Boden, während die CDU stabil bleibt. Die AfD nähert sich jetzt auch in NRW dem Bundesniveau. Und das Ruhrgebiet ist spätestens seit dieser Wahl kein Bollwerk gegen Rechts mehr.