Berlin. . Die Ukraine setzt große Hoffnungen in den Kampfjet F-16. Für die Offensive kommen sie zu spät, für die Kampfmoral genau richtig.

  • Die Niederlande und Dänemark wollen der Ukraine Kampfjets vom Typ F-16 liefern
  • Was können die Maschinen?
  • Und welche Rolle spielen sie aktuell für die Ukraine?

Die Niederlande und Dänemark wollen der Ukraine Militärflugzeuge des Typs F-16 liefern. Ihr Präsident Wolodymyr Selenskyj rechnet mit 61 Kampfjets, die ersten sechs schon bis Jahresende. Was die Maschinen können und weshalb sie für die ukrainische Offensive zu spät kommen.

"Sie werden frische Ergebnisse bringen für die Ukraine und den Rest Europas", prophezeite Selenskyj nach einem Treffen mit Dänemarks Regierungschefin Mette Frederiksen. Auf dem Kurznachrichtendienst X frohlockte er, "die F-16 werden den Kämpfern und den einfachen Bürgern frisches Vertrauen und Motivation bringen". Eine der wichtigsten Aufgaben des Präsidenten ist es, die Kampfmoral hoch zu halten. Moralisch entfaltet die Meldung von der Lieferung sofort Wirkung.

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Tatsächlich in den Krieg eingreifen, werden die Kampfjets frühestens 2024. Für die laufende Offensive kommen sie zu spät. Das liegt daran, dass die Ausbildung der Piloten – erst in Dänemark, später in Rumänien – vier bis fünf Monate dauern wird. Wie es heißt, müssen einige der 70 Piloten erst mal in Großbritannien ihre Englischkenntnisse auffrischen.

Die Amerikaner profitieren vom Kampfjet-Deal

Es sind Flugzeuge aus amerikanischer Produktion. Deshalb mussten die Lieferstaaten erst die formale Zustimmung der USA abwarten. Dänen wie Holländer planen ihre alternden F-16 durch die moderneren F-35 zu ersetzen. Es ist ein Geschäft, bei dem alle Seiten gewinnen. Für die US-Rüstungsindustrie dürfte der Ukraine-Krieg volle Auftragsbücher bedeuten. Lesen Sie auch: Tarnkappenjet F-35 : Kosten, Hersteller und Fähigkeiten

Die Ukraine hat schon bisher Flugzeuge bekommen. Es waren frühere Sowjetjets von osteuropäischen Nato-Staaten. Diese militärische "Entrümpelung by Export" ist indes an ihre Grenzen gestoßen:

  • Weil es nicht viele verfügbare Maschinen und Ersatzteile gibt;
  • weil die genutzten Flugzeuge verschlissen sind;
  • weil sie im Krieg abgeschossen wurden.

Der erste und größte Vorteil der F-16: Mehr Waffengleichheit

Als Ersatz kommt man auf die F-16. Von der knapp 15 Meter langen Maschine, die im Idealfall mit doppelter Schallgeschwindigkeit fliegt, gibt es weltweit viele Exemplare. Seit Beginn der Serienproduktion 1976 wurden über 4500 Stück gebaut. Weit über 20 Staaten haben den relativ günstigen Jet – Stückpreis: rund 30 Millionen Euro – in ihren Beständen.

Vorteil Nummer 1: Große Mengen an Ersatzteilen und geübtes Fachpersonal liegen vor. Vorteil Nummer 2: Viele Staaten können sich an einer "Kampfjet-Koalition" beteiligen. Das hört Selenskyj gern, noch lieber vernimmt er die versteckte Botschaft an Kremlchef Wladimir Putin: Bilde dir nicht ein, dass wir mit der Zeit nachlassen werden.

Ukraine-Krieg: Die Russen haben die Luftüberlegenheit

Russland hat im Ukraine-Krieg die Luftüberlegenheit. Ihre Kampfhubschrauber haben dem ukrainischen Militär bei der Offensive arg zugesetzt. Die F-16 sind moderner als die bisherigen Jets der Ukraine. Sie verfügen über leistungsstärkere Radare und werden mit westlichen Luft-Luft- und Luft-Boden-Raketen sowie Marschflugkörpern bewaffnet. Es wird nicht an die große Glocke gehängt, aber es ist offensichtlich, dass mit der F-16 die Militärs in Kiew an Nato-Standards herangeführt werden.

Der Jet wird vom amerikanischen Unternehmen Lockheed Martin hergestellt. Der US-Präsident Joe Biden verlässt sich auf die Zusicherung, dass die Ukraine nicht russisches Territorium angreifen will, sondern die Flugzeuge nur zur Verteidigung nutzen wird.

Besserer Schutz gegen Distanzwaffen und Gleitbomben

Zwar sind die Maschinen relativ robust. Für den Einsatz auf improvisierten Start- und Landefeldern sind sie eigentlich nicht gebaut worden. Sie brauchen geeignete Start- und Landebahnen. Wie viele der Ukraine noch zur Verfügung stehen, ist unklar.

Man muss sich von seinem Kopfkino befreien, von Hollywood-Bildern von duell-ähnlichen Gefechten auf Sicht zwischen Flugzeugen. Die Russen haben Jets mit fortschrittlichem Radar und Raketen mit größerer Reichweite. Die bisherigen Maschinen der Ukraine sind unterlegen. Haben sie ein russisches Ziel anvisiert – "beleuchtet" – laufen sie Gefahr, aus größerer Entfernung abgeschossen zu werden. Auch interessant: Ukraine-Krieg: So schlagkräftig ist das Patriot-Abwehrsystem

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Um auch nur in die Nähe gegnerischer Flugzeuge zu kommen, müssen sich die ukrainischen Piloten bisher "effektiv anschleichen", indem sie sich an den Boden schmiegen, um nicht entdeckt zu werden, wie der Wehrexperte Gustav Gressel in einem Beitrag für den "European Council Of Foreign Relations" schrieb. Sie sind gezwungen, große Risiken einzugehen.

Ein zunehmendes Problem ist, dass die Russen immer mehr Distanzwaffen einsetzen: Schwere Gleitbomben, die von Jet ausgeklinkt werden und aus weiter Entfernung ihr Ziel finden und treffen. Die russischen Militärs sind dabei, alte Bomben und alte Maschinen entsprechend anzupassen.

Mit der F-16 gewinnt die Luftwaffe an Reichweite

Die Jets steigen auf, werfen ihre Bomben im Grenzgebiet ab und drehen ab – schwer erreichbar für die bodengestützte Flugabwehr der Ukraine. Die einzige Möglichkeit für sie, Angriffe mit solchen smarten Bomben abzuwehren, "ist der Einsatz von Kampfjets“, schreibt Gressel.

Ukraine-Krieg – Hintergründe und Erklärungen zum Konflikt

Mit der F-16 gewinnt die ukrainische Luftwaffe aber an Reichweite – mit einem Einsatzradius von bis zu 900 Kilometern. Mit den zuletzt von Großbritannien zugesicherten luftgestützten Cruise-Missiles vom Typ "Storm Shadow" in Kombination mit der F-16 ändert sich viel. Die Ukraine wäre dann in der Lage, ihrerseits mit Distanzwaffen russische Einrichtungen zu bekämpfen, Drohnen und Flugzeuge des Gegners aus sicherer Distanz anzugreifen und nicht zuletzt eine Bodenoffensive zu unterstützen.

Die Bundeswehr verfügt über keine F-16. Aber sie kann nach Ansicht des CDU-Wehrpolitikers Roderich Kiesewetter durchaus einen Beitrag leisten: mit Munition, Sensoren, Logistik oder Betankung. Für die FDP-Verteidigungsexpertin Marie-Agnes Strack-Zimmermann ist es ein "Durchbruch", dass die Ukraine westliche Kampfjets bekommt. Auch interessant: Ukraine-Krieg: Eine halbe Million Soldaten tot oder verletzt

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