Münster. Bis zu 6.000 Missbrauchsopfer soll es im Bistum Münster gegeben haben. Eine Studie offenbart das ganze Ausmaß des Leids und der Vertuschungen.

Ein Mann Ende 60 geht langsam die Treppe des Schlosses in Münster herunter, in der Hand ein weißes Buch so dick wie ein Backstein. Er blättert nachdenklich darin. „Das ist ein Meilenstein“, sagt er am Fuß der Treppe. Es sei ein erster Schritt, damit die Wahrheit ans Licht komme. Ein Priester hat sich an dem Mann, deren seinen Namen nicht nennen will, vergangen als er 14 war. Er ist einer von 610 Menschen, denen Geistliche im Bistum Münster sexuelle Gewalt angetan haben, als sie minderjährig waren. Ihr Leiden ist jetzt auf fast 600 Seiten in einer Studie dokumentiert, die am Montag im Münsteraner Schloss vorgestellt wurde.