Brandanschläge

Anschläge auf Bahn: Polizei vermutet politischen Hintergrund

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NRW.  Stecken G20-Gegner hinter den bundesweiten Brandanschlägen auf Kabelschächte der Bahn? Die Bundespolizei vermutet „politische Hintergründe“.

Brandanschläge haben in der Nacht zum Montag wichtige Stellen des Bahn-Netzes in Deutschland lahm gelegt oder zumindest beeinträchtigt. Bis in den Morgen war der Verkehr auf den Routen Hamburg-Lübeck, zwischen Köln und Dortmund durch das Ruhrgebiet, auf der Berliner S-Bahn und im Großraum Leipzig/ Dresden eingeschränkt.

Tatort Dortmund, letzte Nacht zwischen den Vororten Kley und Lütgendortmund nahe der A 40: Im Gleisbereich der Ruhrgebietshauptstrecke steht ein Kabelschacht in Flammen. Um 3.15 Uhr wird die Bundespolizei am Hauptbahnhof alarmiert. Signalkabel sind beschädigt worden. Der Bahnverkehr im Revier wird zwischen Bochum und Dortmund unterbrochen und bis hinunter nach Köln noch weit bis in den Morgen gestört sein.

Betroffen sind die Regionalexpress-Züge RE 1, RE 6 und RE 11 und auch einige S-Bahn-Linien. Die RE muss über Dormagen umgeleitet werden, da es auch an einer zweiten Stelle in NRW, bei Leverkusen-Opladen, brannte. Der erste Verdacht aus der Nacht: Brandbeschleuniger sind eingesetzt worden. Die Bahn spricht von „Vandalismus“. Die Bundespolizei wird konkreter: „Es könnte sich um Brandstiftung handeln“. Vor allem: Viel deutet auf eine bundesweit koordinierte Anschlagsserie hin.

Weitere Anschläge in Hamburg, Berlin und in Sachsen

Zwölf größere und kleine Brände ähnlicher Art in fünf Bundesländern zwischen 1.30 Uhr und 4.30 Uhr. Das ist die Bilanz, die später beim zuständigen Bundespolizeipräsidium in Potsdam auf dem Tisch liegt.

Hamburg. Der Zugverkehr zwischen Hamburg und Lübeck ist unterbrochen. Bei Eidelstedt haben Kabel neben den Gleisen gebrannt. Zwischen Rahlstedt und Ahrensburg geht nichts mehr.

Sachsen. An vier Stellen sind Kabelschächte angezündet worden. Signalanlagen wurden beschädigt. Vor allem betroffen sind die Leipziger Vororte Mockau und Engelsdorf. „Wir gehen von einer überregional konzipierten Aktion aus“, heißt es bei der Bundespolizei in Pirna. Für die Bahn hat das Folgen für den Fernverkehr. Die Intercity-Strecke Hamburg-Berlin-Dresden-Prag ist zwischen Berlin und der tschechischen Grenze unterbrochen, weil auch der Bereich des Dresdner Hauptbahnhofs betroffen ist

Berlin. Brände legen den S.-Bahnhof Treptower Park lahm. Fünf Linien der S-Bahnen können in diesem Bereich nicht fahren.

Auch aus Niedersachsen wird ein Brand bei Bad Bevensen gemeldet.

Staatsschutz ermittelt

Das Bundespolizeipräsidium kommt zum Schluss: „Die Ermittlungen hierzu und auch zu Hintergründen dauern an, politisch motivierte Kriminalität kann nicht ausgeschlossen werden“. Die zuständigen Staatsschutzstellen seien eingebunden worden.

Seit Wochen erwarten die Sicherheitsbehörden Anschläge dieser Art. Denn in Hamburg findet im Juli der G 20-Gipfel mit Staats- und Regierungschefs aus aller Welt statt. Linksextreme und Anarchisten haben im Netz ihren massiven Widerstand angekündigt, auch mit Gewalteinsatz.

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