Feuer

Zoo Krefeld: Ministerin gibt Laternenverkäufer Mitschuld

Brand im Krefelder Zoo: Mögliche Verursacher stellen sich

Fast alle Affen des Krefelder Zoos starben beim Brand in der Neujahrsnacht. Die Ermittler fanden schnell erste Hinweise auf die Brandursache.

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Krefeld.  In der Silvesternacht starben mehr als 30 Affen im Zoo Krefeld. NRW-Ministerin sieht auch die Laternen-Verkäufer in der Verantwortung.

  • Der Zoo Krefeld hat nach der Feuer-Katastrophe Silvester wieder geöffnet
  • Die Mitarbeiter werden unterstützt, können auf Notfallseelsorger zurückgreifen
  • Ein Zoo-Chef verteidigt die Haltung von Affen in Gefangenschaft gegen Kritiker
  • Nur langsam kommt der Zoo Krefeld wieder im Alltag an

Die Anteilnahme für die mehr als 30 toten Affen im Zoo Krefeld ist groß. Bei der Suche nach den Verantwortlichen sieht die nordrhein-westfälische Umweltministerin Ursula Heinen-Esser auch bei dem Verkäufer der Himmelslaterne, die das Feuer vermutlich ausgelöst hat, eine moralische Mitverantwortung.

„Wichtig ist auch die Frage, warum solche gefährlichen Gegenstände wie Himmelslichter bei uns so einfach in den Verkehr gebracht werden können, obwohl die Anwendung verboten ist“, sagte die CDU-Politikerin der „Rheinischen Post“ (Samstag).

Sie kündigte an: „Dem werden wir nachgehen. Hier scheint mir das Handelsunternehmen, das diese Himmelslichter verkauft hat, zumindest moralisch in der Mitverantwortung zu stehen.“ Strengere Tierschutz-Vorgaben für Zoos lehne sie ab: „Ich habe den Eindruck, dass die Zoos in Nordrhein-Westfalen sehr gut geführt werden“, sagte Heinen-Esser. „Die Mitarbeiter sind allesamt Tierfreunde, die sich sehr für die Tiere und deren Wohl einsetzen.“

Tragödie im Krefelder Zoo: Zoo versucht in Alltagsbetrieb überzugehen

Inzwischen fragen sich viele, ob der Zoo das Affenhaus, in dem mehr als 30 Tiere starben, neu aufbauen und wieder öffnen will. Gleichzeitig schalten sich allerdings auch Tierschützer in die Diskussion ein. Die die Affen- und allgemeine Tierhaltung in Zoos hinterfragen.

Zu derartigen Vorwürfen äußerte sich nun der Karlsruher Zoo-Chefs Matthias Reinschmidt: „Wir sehen uns als Zentren der Arterhaltung“, sagte er. Gerade für vom Aussterben bedrohte Arten wie Orang-Utans brauche man jeden verfügbaren Platz. Im Karlsruher Zoo wird das Zuchtprogramm der europäischen Zoos für Orang-Utans koordiniert.

Währenddessen versucht der Krefelder Zoo, wieder in den Alltagsbetrieb überzugehen. Die Ruine des beliebten Affenhauses ist weiträumig abgesperrt, um „Katastrophen-Tourismus“ zu vermeiden. Leicht ist es für die Belegschaft nicht. „Unsere Mitarbeiter sind gut 48 Stunden nach den Geschehnissen psychisch extrem angekratzt“, sagt Zoo-Sprecherin Petra Schwinn, der „Bild“.

Die Zeitung sprach auch mit Pflegern vor Ort. Berichtet wird von Nervenzusammenbrüchen, ein Notfallseelsorger sei für die Angestellten jederzeit greifbar. Einige Mitarbeiter betreuten die gestorbenen Tiere seit Jahrzehnten, eins der Opfer, der Gorilla Massa, gehörte mit 48 Jahren zu den ältesten seiner – bedrohten – Art.

Trauer bei Besuchern - Verdächtige stellt sich

Das neue Jahr hatte für den Krefelder Zoo mit einer Tragödie begonnen: Wenige Minuten nach Mitternacht brach im Affenhaus Feuer aus, mehr als 30 Tiere sind tot, darunter auch ein Schimpanse, fünf Orang-Utans und zwei Gorillas.

Viele Menschen haben inzwischen Blumen und Kerzen für die Tiere vor dem Tierpark abgelegt. Auf einer Pappe stehen die mahnenden Worte: „Gestorben für euer Vergnügen.“ Ein Stoff-Schimpanse hält das Schild „Wir werden euch vermissen“, dazu hat der Verfasser ein kleines Herz gemalt.

Diskutiert wurde auch, ob die Opfer beerdigt werden können. Da es sich bei ihnen nicht um Haustiere, sondern um Wildtiere handele, sei eine Beerdigung nicht erlaubt, sagte Zoosprecherin Petra Schwinn am Donnerstag. Die Tiere seien dem Veterinäruntersuchungsamt übergeben worden. Vor dem Tor des Zoos legten vor allem am Donnerstagabend viele Menschen aus Trauer und Betroffenheit Kerzen, Blumen und Briefe ab.

Zoo Krefeld nach Feuer im Affenhaus: Viele Spenden eingegangen

Tausende Spenden sind bereits beim Zoo eingegangen. „Die Spendenbereitschaft ist enorm. Bis Mittwochabend sind bei uns bereits weit mehr als 4000 Geldspenden von unterschiedlichen Menschen eingegangen“, sagte der Vorsitzende der Krefelder Zoofreunde, Friedrich Berlemann, der „Rheinischen Post“. „Ich kann aber noch nicht sagen, wie hoch die Spenden sind. Das müssen wir erst noch eruieren.“

Anders als zunächst vom Zoo mitgeteilt, starben bei dem Brand nicht alle Affen. Zwei Schimpansen sollen überlebt haben, hieß es am Mittwoch auf einer Pressekonferenz der Stadt. Sie kamen vorläufig im angrenzenden Gorillahaus unter. Auch die Ursache für das Feuer steht fest.

Krefeld: Brand im Affenhaus – Drei Tatverdächtige ermittelt

Nur 36 Stunden nach dem verheerenden Feuer konnten Polizei und Staatsanwaltschaft wichtige Ermittlungsergebnisse vorstellen. Die Behörden gehen davon aus, dass Himmelslaternen den Brand verursacht haben.

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen eine 60 Jahre alte Krefelderin und ihre beiden erwachsenen Töchter. Es geht um den Vorwurf der fahrlässigen Brandstiftung. Die drei Frauen hatten sich selber bei der Polizei gemeldet und angegeben, dass sie in der Silvesternacht insgesamt fünf Himmelslaternen hätten aufsteigen lassen. Das erklärten Vertreter von Polizei und Staatsanwaltschaft am Donnerstag bei einer Pressekonferenz.

Es sei davon auszugehen, dass sie die für das Feuer „ursächliche“ Himmelslaterne gestartet hätten, erklärte Gerd Hoppmann von der Krefelder Kriminalpolizei.

Himmelslaternen seit 2009 in Deutschland verboten

Laut Polizeiangaben war der Ausgangspunkt des Brandes die nordöstliche Ecke des Dachs des Affenhauses. Mögliche weitere Brandursachen, zum Beispiel ein Defekt an den Elektroinstallation, würden allerdings noch untersucht.

Die Frauen gaben an, dass sie die Himmelslaternen im Internet bestellt hätten, darauf keinen Verbotshinweis ausmachen konnten und davon ausgingen, dass die Verwendung rund um den Jahreswechsel legal sei. Warum Himmelslaternen so gefährlich sind.

Am Brandort im Zoo Krefeld seien drei dieser Himmelslaternen, in denen zum Jahreswechsel handgeschriebene Wünsche fürs neue Jahr verschickt werden, sichergestellt worden, sagte der zuständige Ermittler der Krefelder Polizei, Gerd Hoppmann.

Affenhaus brannte schon voll, als die Feuerwehr eintraf

Die Feuerwehr berichtete, Anwohner hätten um 0.38 Uhr über den Brand informiert. Die Einsatzkräfte seien wenige Minuten später vor Ort gewesen. Bei ihrem Eintreffen habe das Affenhaus bereits im Vollbrand gestanden.

Die Feuerwehr war die Nacht über mit Löscharbeiten beschäftigt. Sie konnte ein Übergreifen des Feuers auf andere Zoogebäude verhindern. Das direkt angrenzende Gorillagehege blieb daher verschont. Das Affenhaus aber brannte bis auf die Grundmauern ab.

Zoo Krefeld blieb nach Affenhaus-Feuer zu Jahresbeginn geschlossen

Der Brand sei einer „der schwersten Tage in der Geschichte des Krefelder Zoos“, erklärte Dreßen. Bei den verendeten Menschenaffen handle es sich um „hoch bedrohte Tierarten, die in unserem Zoo nun nicht mehr zu sehen sind“. Der Sachschaden liegt demnach im zweistelligen Millionen Eurobereich.

Für die Mitarbeiter stehe nach dem Feuer – neben der Pflege der übrigen Tiere – die Trauerverarbeitung im Vordergrund. „Der Schmerz, der da ist, sitzt unglaublich tief“, sagte Zoo-Direktor Dreßen am Donnerstagmorgen in einem Interview mit dem Radiosender WDR2. Konkrete Vorstellungen, wie es mit dem niedergebrannten Affenhaus und der Zucht der in der Wildnis teilweise bedrohten Tiere nun weitergehe, gebe es noch nicht, sagte Dreßen. Er stehe aber zur Menschenaffenhaltung im Krefelder Zoo, sagte der Direktor.

„Unsere schlimmsten Befürchtungen sind Realität geworden“, schrieb der Zoo am frühen Mittwochmorgen zunächst auf seiner Facebookseite. Und weiter: „Eine unfassbare Tragödie hat uns kurz nach Mitternacht überrollt.“

Das Affentropenhaus wurde den Zoo-Angaben zufolge im Jahr 1975 eröffnet. Die Grundfläche des Baus im Gewächshausstil lag bei 2000 Quadratmetern. Zuhause waren dort Orang-Utans, Schimpansen, Gorillas, Krallenaffen, Epauletten-Flughunde und Vögel. Bis 2020 sollten die Orang-Utans und Schimpansen noch Außenanlagen bekommen. (dpa/cho)

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