Musikgeschäft

Wie Popstar Taylor Swift ihre Fans für ihre Geschäfte nutzt

Die Musikerin der Stunde: Taylor Swift manipuliert ihre Fans für ihre geschäftlichen Auseinandersetzungen.

Die Musikerin der Stunde: Taylor Swift manipuliert ihre Fans für ihre geschäftlichen Auseinandersetzungen.

Foto: ANDREW KELLY / Reuters

Berlin.  Taylor Swift wehrt sich gegen einen Manager, der die Rechte an ihren alten Hits gekauft hat. Sogar Politikerinnen schalten sich ein.

Eine junge Frau kämpft gegen Ausbeutung durch mächtige Männer. Doch diesmal geht es nicht um sexuellen Missbrauch. Taylor Swift (29, „Shake It Off“), einer der größten Popstars unserer Zeit, wehrt sich gegen einen Musikmanager, der sich die Rechte an ihren frühen Alben gesichert hat – allein um sie zu schikanieren, wie sie sich sicher ist.

Scooter Braun lenkt unter anderem die Geschicke von Justin Bieber und Ariana Grande. Der New Yorker entspricht mit seinen 38 Jahren und seinen lässigen Basecaps so gar nicht dem Klischee des bösen alten Kapitalisten. Sein Ehrgeiz aber ist mindestens so groß wie der von Swift: Er arbeitete sich vom Partypromoter zum millionenschweren Musikunternehmer hoch.

Als Scooter Braun im Sommer das Label Big Machine kaufte, bei dem Swift mit 15 Jahren ihren ersten Plattenvertrag unterschrieben hatte, reagierte sie entsetzt. Sie sei sich sicher, er habe die 300 Millionen Dollar einzig deswegen investiert, um sich wegen früherer Streitigkeiten an ihr zu rächen. Ihrem früheren Label-Boss Scott Borchetta (57) warf sie Verrat vor.

Taylor Swift ruft ihre Fans zum Shitstorm gegen den Manager Scooter Braun auf

Jetzt erreicht der Streit eine neue Eskalationsstufe: Bei den American Music Awards (AMAs) am 24. November in Los Angeles wird Taylor Swift als Künstlerin der Dekade geehrt. Für ihren Auftritt plant sie ein Medley ihrer größten Erfolge. Dann setzte sie bei Twitter einen Appell ab, den sie mit den Worten „Ich weiß mir sonst nicht zu helfen“ einleitete.

Braun und Borchetta hätten ihr verboten, ihre alten Hits bei den AMAs zu singen. Auch bei einer Netflix-Dokumentation über sie dürfte ihr Frühwerk nicht verwendet werden. „Das ist falsch“, klagt Swift. „Keiner dieser Männer hat diese Songs geschrieben. Sie haben nichts getan für die wundervolle Beziehung, die ich zu meinen Fans habe.“

Und dann: „Die Botschaft, die sie mir gesendet haben, war sehr deutlich: Ich soll ein gutes Mädchen sein und die Klappe halten. Oder ich würde bestraft werden. Und darum bitte ich euch um Hilfe.“ Schließlich ruft sie zum Shitstorm gegen die Männer auf, die ihr das Leben schwermachen: „Macht ihnen klar, was ihr über die Sache denkt.“

Der Popstar der Dekade nutzt seine Social-Media-Macht für geschäftliche Streits

Ihr Aufschrei zeigt: Swift nutzt die Macht der sozialen Medien für ihre geschäftlichen Auseinandersetzungen ebenso geschickt wie wenn es darum geht, ihre Musik zu bewerben. Denn die Sängerin mit dem vorfrühlingsreinen Image, die in ihren Videoclips bonbonfarbene Traumwelten entwirft, gilt als äußert wehrhaft und streitbar.

  • Taylor Swift auf der Forbes-Liste:

Ihr Plan ging auf: Sogar Politikerinnen wie Elizabeth Warren schalteten sich in die Debatte ein. Die demokratische Präsidentschaftskandidatin kritisierte am Beispiel der Musikerin den wachsenden Einfluss von Firmen, die mit privatem Beteiligungskapital agieren. Sie will den Markt nun stärker regulieren lassen.

Braun und Borchetta zeigten sich derweil überrascht von den Vorwürfen. Künstler benötigten „grundsätzlich keine Zustimmung zu Liveauftritten im Fernsehen“. Die Produktionsfirma der Gala verkündete, der Auftritt könne wie geplant stattfinden.

Was plant Taylor Swift nun bei der Show zu den „Music Awards? Rache?

Für Swift ist der Fall damit jedoch noch lange nicht erledigt: Als sie 2018 für geschätzt 200 Millionen Dollar von Big Machine zu Universal wechselte, war ihr klar, dass sie den Einfluss auf ihre bisherige Musik verlieren würde. Doch sie habe niemals damit gerechnet, dass ihr ehemaliger Boss ausgerechnet an ihren schlimmsten Feind verkaufen würde. Damals sprach sie von einem „wahrgewordenen Albtraum“: „Sie wollen eine Frau kontrollieren, die nicht mit ihnen in Verbindung gebracht werden will.“ Jahrelang habe Braun sie gequält. Etwa durch ihr nacktes Wachs-Abbild, das in dem „Pornovideo“ eines seiner Klienten, dem Rapper Kanye West, zum Einsatz kam. Oder durch Telefonmitschnitte, die Wests Ehefrau Kim Kardashian auf Brauns Geheiß hin veröffentlichte.

Dass Swift am Sonntagabend bei den AMAs nun einfach brav ihr Medley singt, ist unwahrscheinlich. Stattdessen wird sie wohl zur Retourkutsche ausholen. „Taylor plant eine wilde Show mit einer starken Botschaft“, so ein Insider zum Portal „Page Six“.

Das wirklich Ärgerliche: Swift hätte es sich längst leisten können, ihre eigenen Songs zu kaufen. Ihr Vermögen wird auf 360 Millionen Dollar geschätzt.

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