„Falcon Heavy“-Start

Wie Elon Musk mit SpaceX die Raumfahrt-Branche verändert

SpaceX schießt Weltraumrakete Falcon Heavy erfolgreich ins All

Die 70 Meter lange Weltraumrakete Falcon Heavy der privaten US-Raumfahrtfirma SpaceX ist unter riesigem Jubel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abgehoben. Mit an Bord: Ein knallroter Tesla-Elektro...
Mi, 07.02.2018, 08.37 Uhr

Die 70 Meter lange Weltraumrakete Falcon Heavy der privaten US-Raumfahrtfirma SpaceX ist unter riesigem Jubel vom Weltraumbahnhof Cape Canaveral abgehoben. Mit an Bord: Ein knallroter Tesla-Elektro...

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Washington  Der visionäre Unternehmer Elon Musk macht die Raumfahrt mit PR-Gags wieder zum Massenereignis – und erarbeitet sich einen Startvorteil.

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Er hat die zurzeit weltweit schwerste Last-Rakete „Falcon Heavy“ erfolgreich ins All geschickt: So hat sich der unternehmerische Tausendsassa Elon Musk mit seiner Firma SpaceX einen erheblichen Startvorteil in der Raumfahrt-Branche erarbeitet.

Vor allem die Wiederverwendbarkeit der eingesetzten Antriebsstufen macht SpaceX, das seit 2010 rund 50 Raketenstarts absolviert hat, im Vergleich zur staatlichen Raumfahrt-Agentur Nasa und anderen Konkurrenten („Blue Origin“ von Amazon-Gründer Jeff Bezos, „Virgin Galactic“ von Flug-Unternehmer Richard Branson) attraktiv.

So viel Schubkraft wie 18 Maschinen vom Typ 747

Zwei von drei Triebwerken der 70 Meter langen und 64 Tonnen Transportvermögen bietenden „Falcon Heavy“, die so viel Schubkraft wie 18 Flugzeuge vom Typ Boeing 747 zusammen erzeugen, landeten am Dienstag planmäßig und synchron wieder auf dem Weltraumbahnhof Cape Canaveral in Florida. Die Hauptantriebsrakete stürzte nach Steuerungs- und Treibstoffproblemen ins Meer.

Die SpaceX-Rakete "Falcon Heavy"

Die SpaceX-Rakete "Falcon Heavy" ist erfolgreich ins All gestartet. Sie ist zurzeit die stärkste Weltraumrakete der Welt. Die Rakete ist für bemannte Missionen gebaut, die in nicht allzu ferner Z...
Die SpaceX-Rakete "Falcon Heavy"

SpaceX, das im Stile einer Spedition für die Nasa die Internationale Raumstation (ISS) mit Nachschub versorgt und Satelliten ins All gebracht hat, winkt mit einer verlockenden Preisliste. So schlägt eine Tour mit der „Falcon Heavy“ mit rund 90 Millionen Dollar zu Buche. Das sind „Peanuts“ im Vergleich zu dem, was das frühestens Mitte der 2020er Jahre einsatzbereite „Space Launch System“ (SLS) der Nasa aufruft – zirka eine Milliarde Dollar pro Start.

Lob von Donald Trump für Elon Musk

So erklärt sich auch die schnelle Reaktion von Donald Trump, der Musk „amerikanische Ingenieurkunst vom Feinsten“ attestierte. Der US-Präsident hatte unlängst zu einer neuen Mond-Mission aufgerufen. Auch eine Landung von Menschen auf dem Mars, seit langem Musks Steckenpferd, ist dem Mann im Weißen Haus sympathisch. Wenn da nicht die Mega-Kosten wären.

Für ihr eigenes Antriebskonzept SLS hat die Nasa binnen zehn Jahren bereits 19 Milliarden Dollar ausgegeben, ohne dass die Einsatzreife absehbar wäre. Mit SpaceX, so sagen Nasa-Verantwortliche aus der Obama-Zeit, stehe nun eine „bezahlbare, kommerzielle Möglichkeit bereit, um schwere Lasten bis auf eine Höhe von 2000 Kilometern ins All zu bringen“. Sofern sich in weiteren Testversuchen die technische Unbedenklichkeit bestätigen sollte.

Musk hatte Explosion an der Startrampe nicht ausgeschlossen

Hier bremst Musk, der vor dem Start nur von einer 50-prozentigen Erfolgschance sprach und eine Explosion noch an der Startrampe nicht ausschloss, dezent die Euphorie. So wurde der eigentlich für dieses Jahr vorgesehene Plan, mit der „Falcon Heavy“ auch zwei solvente Weltraumtouristen im Raumschiff Dragon zur Umkreisung des Mondes in den Orbit zu schießen, vertagt.

Erst die nächste Raketengeneration, die noch größer und leistungsfähiger – und wie ein Flugzeug komplett wiederverwendbar – sein soll (Arbeitstitel „Big Falcon Rocket“), werde diese Arbeit leisten, berichten US-Medien unter Berufung auf SpaceX. Musk ist trotz aller Kühnheit Geschäftsmann. Und bei allem Glanz ist die Lage von SpaceX nicht ungetrübt.

Raketen-Spektakel multimedial inszeniert und emotional aufgeladen

Erst Mitte Januar sorgte die Beförderung eines Militär-Spionage-Satelliten (Mission „Zuma“) für Negativ-Schlagzeilen. Nach dem Start verschwand das hochgeheime Gerät und landete mutmaßlich im Meer. Wer für den Milliardenschaden aufkommt, SpaceX oder der Satelliten-Hersteller Northrop Grumman, ist noch unklar. Seit 2010 hat das erst zwölf Jahre alte Unternehmen des Tesla-Gründers rund 50 Raketenstarts absolviert, nur zwei scheiterten komplett.

Wie immer bei Musk, so wurde auch das Raketen-Spektakel mit der „Falcon Heavy“ multimedial inszeniert und emotional aufgeladen. Zigtausende sahen live in Florida aus wenigen Kilometern Entfernung zu, als es auf der legendären Rampe 39A losging, von der aus Ende der 60er Jahre die ersten Menschen zum Mond flogen.

Zu Werbezwecken für seine an Produktionschwierigkeiten leidende E-Auto-Firma Tesla hatte der 46-jährige Milliardär einen knallroten Tesla-Sportwagen an Bord installiert, der künftig mit einer Puppe im Astronautenanzug als Fahrer schwerelos durch den Weltraum gleiten wird. Auf Videos, die im Internet millionenfach angeklickt wurden, ist der Gag zu den Klängen von David Bowies „Space Oddity“ zu sehen. Am Armaturenbrett des Roadsters prangt in Anlehnung an die Kult-Roman-Serie „Per Anhalter durch die Galaxis“ von Douglas Adams das Leitmotiv „Don’t Panic“ – Keine Panik.

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